BImpressionen – Impressionen eines Briefzustellers

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Das Fahrrad kommt an den unterschiedlichen Orten zu stehen. Manchmal passt's halt.
 
Zwillingsfenster

Was nimmt der Briefzusteller mit, wenn er auf Zustellung geht? Sicher keine 1A Fotoausrüstung - aber ein Fotohandy ist schon mit an Bord. Und weil er als Briefzusteller in und vor allem um viele Ecken schaut, möchte er mit diesem Projekt seine Entdeckungen auch bildlich festhalten.

Was kann man erwarten, wenn es heißt: Da soll es einen Postboten in Bottrop geben, der fotografiert während seiner Zustelltour? Um das herauszufinden muss man der Sache näher auf den Grund gehen.

Authentisch sein, dass ist das oberstes Gebot, wenn Günter Beck zu seinem Smartphone greift, um wieder einmal eine interessante Entdeckung zu fotografieren. „Wenn ich ein Motiv entdecke, muss ich schnell handeln, denn viel Zeit habe ich nicht. Schließlich warten noch eine Menge Sendungen auf ihre Auslieferung.“ Wenn man dem Postboten dann bei der „Arbeit“ zuschaut, ist man erstaunt, wie zielsicher es da zur Sache geht. Da wird nichts arrangiert. Kein Blatt wird aus dem Blickfeld geräumt, nichts wird zurechtgerückt. Es wird fotografiert, was da ist, wie gesehen gewissermaßen. Und doch unterscheiden sich seine Bilder von dem, was man sonst so sieht. „Gepflegte Vorgärten interessieren mich für meine Bilder weniger. Vielmehr bin ich nach der Suche nach Dingen, die von den Menschen, die hier zu Hause sind, benutzt wurden, gerade eben noch, oder auch vor längerer Zeit.“

Was dabei herauskommt, kann man deshalb auch als eine kleine Milieustudie bezeichnen. Beck zeigt eine ungeschminkte Seite der Menschen aus dem Pott. Da ist nicht alles in Ordnung, es ist alt und marode, da herrscht ein Durcheinander auf hohem Niveau. Jedoch ist gerade dieses ungeordnete das, dass im Stande ist, die Spannbreite einer realen Wirklichkeit aufzuzeigen, die den meisten Menschen, obwohl für jeden sichtbar, verborgen bleibt. Die Bilder leben davon, dass Beck nah ans Motiv herangeht. „Was ich fotografiere, befindet sich im öffentlichen Raum, und jeder könnte eigentlich dieselben Aufnahmen machen.“ sagt er „Man muss nur hinsehen und hingehen. Und das fällt mir bei meiner Tätigkeit als Briefzusteller eben leicht, da ich schon aus beruflichen Gründen näher am Geschehen bin.“

Doch nicht nur die lokale Presse ist auf den fotografierenden Postboten aufmerksam geworden. So kam eines seiner Bilder bei einem Fotowettbewerb der Quadriennale in Düsseldorf unter die ersten 10 und wurde in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Auf ein Jahr hatte Günter Beck sein Projekt angelegt. Ein Jahr lang hat er Bilder gesammelt und sie in seinem Blog präsentiert. Jetzt heißt es, die über 2000 Aufnahmen noch einmal zu sichten und zu sortieren. Geplant ist für das nächste Jahr einen Bildband herauszugeben, der noch einmal einen strafferen und kompakteren Blick auf diese nicht alltäglichen Fundstücke erlaubt.

Sollten Sie neugierig geworden sein und können nicht mehr warten bis der Bildband erscheint? Schauen Sie doch einfach selbst und besuchen Sie den fotografierenden Postboten aus dem Pott auf seinem Blog: http://bimpressionen.praism.de
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2 Kommentare
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Willi Heuvens aus Kalkar | 02.01.2015 | 17:56  
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Petra Maas aus Neukirchen-Vluyn | 22.02.2016 | 19:26  
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