Das Freibad im Kaisergarten im Jahre 1922 ein kleiner Vorläufer des Stadion Niederrhein

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Diese Karte ist von 1927.Hinten rechts sieht man das Station Niederrhein. Links war der sogenannte Promenadenweg zum Freibad.
 
Hinter der Brücke sieht man das im Artikel genannte Gaststätte "Waldschlösschen" später Waldschenke.Von dieser Brücke auf der Sterkrader Chaussee, später Sterkraderstr war es ca 300 m weiter runter in Richtung zum späteren Ottoberg. Bild Walli Wölk.
 
Dort wo das Rechteck ist befand sich der Eingang zum damaligen Freibad.Bild Walli Wölk.
 
Das Luftbild ist von 1926 man sieht nichts von einem Freibad mehr.Das Quadrat zeigt die ungefähre Lage des Bades.

Vor fast hundert Jahren, gab es tatsächlich ein Freibad im Kaisergarten, es war allerdings nur mit geringen Geldmittel erbaut worden und es war dadurch sehr dürftig gewesen in Ausstattung und Form.

Das Freibad hatte nur einen Bestand von drei Jahre. 1925 wurde das Freibad geschlossen zu wenige Besucher. Wahrscheinlich wäre es so oder so geschlossen worden denn im Jahre 1926 wurde das Station Niederrhein eröffnet.

Auf Freibäder legte man schon sehr früh Wert. Die Holtener waren die ersten die sich eine Art Wellenbad erbaut hatten, an der alten Mühle an der Bahnstr, das war noch vor der Bürgermeisterei 1870er. Es musste leider geschlossen werden, weil die Verunreinigung des Wassers durch die Industrie zu stark war. In Sterkrade Mühlenbachtal (Bronkhorstfeld) war im Jahre 1886 eine Badeanstalt erbaut worden, sie wurde gespeist vom Elpenbach. Das Schwimmbad wurde nicht sehr alt, denn das Wasser war so eisig, dass kaum Besucher kamen und sie schnell in Vergessenheit geriet.

Manchmal ist man immer wieder überrascht was man über seine Stadt erfährt. Ich hatte vor einigen Jahren etwas über Freibäder aus historischen Zeiten gelesen wie oben erwähnt. Habe es aber verdrängt bis ich in der WAZ diesen Artikel las. https://www.waz.de/staedte/oberhausen/oberhausener... Das nahm ich zum Anlass meine Unterlagen zu durchforsten und weitere Infos dazu, holte ich mir aus unserem Stadtarchiv. Hier möchte ich gerne Herrn Uecker Mitarbeiter des Stadtarchivs erwähnen, der mir sehr dabei geholfen hat.



Beschreibung und Lage des Freibades.

Leider habe ich kein Bild gefunden bei meiner Recherche zum Vorläufer des Station Niederrheins. Deshalb müssen mit den wenigen Daten die ich gefunden habe, uns ein Bild von der Lage und Größe des Schwimmbades machen. Ich werde diese Erkenntnisse in einem Luftbild aus diesem Areal einzeichnen. So kann man sich ungefähr ein Bild davonmachen wo es sich mal befand.
Das Schwimmbad lag auf der südlichen Seite des Kanals, etwa 300 Meter von der Brücke im Zuge der der großen Straße Oberhausen-Sterkrade entfernt. Gegenüber, am nördlichen Kanalufer befanden sich die Baracken der Schutzpolizei. Es würde also mit der Hinterfront zum Promenadenweg zeigen der vom Restaurant "Waldschlösschen" zum heutigen Otto-Berg führt.1922 gab es noch keinen Otto-Berg.
Er wurde zwischen 1924-26 erschaffen. Man kann wohl sagen, dass die Badeanstalt zwar primitiv aber vorläufig genügend ist. An sich bietet das Ganze mit dem schwarz-weißen Anstrich einen sauberen Anblick. Nicht groß war es, 50 Meter in der Länge etwa, kaum mannshoch. Eine Treppe führt von der Kanalböschung hinab zum sogenannten Leinpfad. Am Ende befand sich die Kasse rechts und links die Aus und Anziehkabinen. Hier musste der Besucher bzw. Die Besucherin die Gebühr entrichten. Rechts die Herren und links die Damen. Die einzelnen Zellen sind durch Vorhänge verschlossen. Hat sich der Besucher entkleidet, so gibt er seine Kleidungsstücke und Wertsachen, bei dem Schwimmmeistern ab, sie nahmen die Besitztümer in Verwahr und brachten sie in festen Schränken unter. Er empfing dafür eine Nummer, gegen derer Rückgabe er nach dem Bad seine Sachen wieder in Empfang nehmen konnte Eine Treppe führte in der Mitte der ganzen Anlage zum Wasser hinab. Es wurde auch noch ein 3 m Sprungbrett installiert, was eigentlich nicht geplant war. besonders wird die Möglichkeit der Benutzung von Nichtschwimmern vermisst.

Die Einweihung des Schwimmbades am Kanal 14.5.1922

Die Einweihung des neuen am Rhein-Herne-Kanal gelegenen Schwimmbades fand am 14.5 1922 um 15 Uhr statt. Es war der kleine Vorgänger vom Stadion Niederrhein. Anlass warum dieses Freibad gebaut wurde, war das zu dieser Zeit überhaupt kein Freibad vorhanden war. Keiner unserer Städte Alt-Oberhausen, Sterkrade oder Osterfeld hatte zu dieser Zeit ein Freibad.
1922 waren unsere Städte noch nicht vereint, erst 1929 entstand die heutige Stadt Oberhausen. Obwohl zu dieser Zeit wenig Geld zur Verfügung stand, Ruhrbesetzung hohe Arbeitslosigkeit wollte die Stadtverwaltung 100000 RM investieren für ein Freibad, die Endkosten beliefen sich bei der Eröffnung auf 200000 RM. Mit dieser Summe konnte man nur ein einfaches Freibad erschaffen, aber man wollte etwas tun. Auch wollte man dadurch das wilde Baden im Kanal reduzieren, denn durch diese Art Baden fanden sehr viele Menschen den Tod im Rhein-Herne-Kanal.

Die Stadtverwaltung hatte zu diesem erfreulichen Anlass die Bürger Oberhausens und Umgebung eingeladen die Eröffnung mitzufeiern. Das prächtige Wetter an diesem Tage lockte riesige Menschen Scharen ins Freie. Ein großer Teil spazierte zum Rhein-Herne-Kanal in den Kaisergarten wo sich das Freibad befand.
Bei dieser Gelegenheit wurde deshalb ein kleines Werbe-Schwimmfest veranstaltet. Der Oberhausener Schwimmverein und der Oberhausener Damen-Schwimmverein wirkten mit.
Das Programm sah 12 Nummern vor.
In den einzelnen Wettkämpfen werden unser in Hannover preisgekrönten Oberhausener Schwimmer am Start sein und ihr Bestes zeigen, was allein schon eines Besuches der Bürgerschaft wert sein dürfte, neben dem anderen Sport werden die Oberhausener Damen auch mit vollen Kräften vertreten sein, vielleicht, wenn das Wasser nicht zu kalt ist, werden uns die Damen einer ihrer schönen Wassereigen vorführender mit einem Figurenschwimmen aufwarten.

1. Beliebige Staffel 3x35m
2. Jugend-Seitenschwimmen 70 Meter
3. Brustschwimmen für Herren 70 Meter
4.Knabenschwimmen 70 Meter
5.Jugendrückenschwimmen 70 Meter
6.Damenbrustschwimmen 70 Meter
7.Herrenschwimmen 70 Meter beliebige Schwimmart
8.Herren und Jugendspringen
9.Knaben-Lagenschaften 4 mal 35 Meter
10.Damenrückenschwimmen 70 Meter
11.Herren-Lagenstaffel 4 mal 35 Meter
12. Wasserball-Gesellschaftsspiel.

Die Stadt wurde vertreten durch den Herrn Oberbürgermeister Havenstein und einige Stadtverordnete. Eine offizielle Eröffnung fand leider nicht statt, sodass der Oberhausener Schwimmverein und der Oberhausener Damen-Schwimmverein das Programm allein Abwickeln mussten.
Die verschiedenen Schwimmvorführungen waren als Wettkämpfe gedacht, ließen sich jedoch nicht voll und ganz ausführen, da die neue Einrichtung hier und da nach manches zu wünschen übrig ließ. Großen Beifall bekamen, die verschiedenen Lagenstaffel und das Wasserspringen vom neuen 3 Meter Brett. Das vorzügliche Damenschwimmen und Springen zeigte, dass auch der Wassersport für das weibliche Geschlecht in bester Blüte steht. Das Wasserballspiel musste aus technischen Gründen ausfallen.
Die Gäste waren zufrieden von den Vorführungen der Schwimmerinnen und Schwimmer. Das Freibad wurde mit dem Wasser des Rhein-Herne-Kanals gespeist und es hatte eine Temperatur von nur 12 Grad.
Bei dieser Veranstaltung ereignete sich ein ernster Vorfall im Rhein-Herne-Kanal, hier wurde wieder gebadet, ohne auf Sicherheit zu achten. Ein Mann geriet in eine bedrohliche Lage, vermutlich durch einen Sprung von der Brücke. Durch beherztes Eingreifen einiger Menschen die am Ufer spazieren gingen, konnte das schlimmste verhindert werden. Dies gibt Veranlassung, besonders vor dem Baden an verbotenen Stellen zu warnen, es sollen sich nur geübte Schwimmer in das Kanalbett wagen, schnell kann man in Gefahr kommen, denn Wasser hat keine Balken.
Es war ein Anfang geschaffen aber man wusste es das es nicht von Dauer war. Ein komfortableres Schwimmbad musste geschaffen werden.
Die neue Anlage war ein Anfang. Ein fühlbarer Mangel ist dadurch nur zum Teil beseitigt worden. Die Stadtverwaltung darf deshalb auf keinen Fall den Plan ein regelrechtes Volksbad zu schaffen, aus dem Auge verlieren.


Weiterer Verlauf des Freibades.

Leider entwickelte sich die Badeanstalt im Kaisergarten Recht unvorteilhaft. Waren die Witterungsverhältnisse in der Badezeit des Vorjahres 1922 schon recht ungünstig, so waren sie es im Jahre 1923 noch weit ungünstiger und es kamen nur sehr wenige Tage in Frage, die das Baden im Freien gestatteten. Im Jahre 1923 betrug die Gesamtbesuchsziffer 23072 und im Jahre 1924 nur 11405 und diese Verminderung zog naturgemäß auch eine geringere Einnahme mit sich. Durch Beschluss des Ausschusses der Badeanstalt von 4.Juni 1924 sind die Bäderpreise für die Kanalbadeanstalt für Erwachsene von 25 Pfennig auf 15 Pfennig und Kinder von 15 Pfennig auf 5 Pfennig herabgesetzt worden. Des äußerst schlechten Wetters wegen sah sich die Verwaltung zwecks Ersparung weiterer Unkosten dazu gezwungen, die Badeanstalt bereits am 15 September zu schließen.
Das Freibad hatte täglich geöffnet, von Sonnenanfang bis zum Eintritt der Dunkelheit.
Die Anstalt wurde am 15 September 1925 geschlossen und an die hiesige Gartenverwaltung zum Preise von 1000 RM verkauft worden.

Leider gibt es keine weiteren Eintragungen dazu oder Artikel, vielleicht findet man sie in späteren Jahrgängen dann werde ich sie nachtragen.
Ich denke mir das, das Freibad bei den Ausschachtungen am Teich des Kaisergarten 1924-26 mit
Material wieder verfüllt wurde. Unter Vorbehalt eine unbewiesene Vermutung von mir.

Erklärung und Entstehung des Ottoberges und darum vermute ich, das er deshalb mit den Material verfüllt worden ist.
Der Ottoberg (Rodelberg) im Kaisergarten Oberhausen ist schon über 90 Jahre alt.
Eine kleine Geschichte zum künstlich erschaffenden Rodelberg der über 90 Jahre alt ist.
Er ist entstanden aus dem Aushub des Teiches im Kaisergarten. Im Jahre 1913 wurde die Emscher begradigt und der Rhein-Herne-Kanal gebaut. Der Kanalbau hatte für den Kaisergarten nicht nur gute Seiten. Der Grundwasserspiegel senkte sich dadurch um 3 Meter und der Gondelteich trocknete aus. Um den Teich wieder Wasser zuzuführen musste dieser tiefer gelegt werden. Man begann mit den Ausschachtungen im Jahre 1924 und beendete es 1926.Der Aushub betrug 60000 cbm. Das ist eine Menge. Als Beispiel eine Schubkarre hat ca. 0.1 cbm Fassungsvermögen. Das wären 600000 Schubkarren gewesen.
Zu dieser Zeit hatte man nicht so viele Hilfsmittel zu Verfügung. Es herrschte große Arbeitslosigkeit und Geldmangel. Die Ruhrbesetzung fiel auch in diesem Zeitraum. ((Ruhrbesetzung auch Ruhrkrise, Ruhreinmarsch oder Ruhrinvasion genannt) bezeichnet die Okkupation der bis dahin unbesetzten Teile des Ruhrgebiets durch Besatzungstruppen Frankreichs sowie Belgiens ab Anfang 1923 bis 1925)). Mit den Erdmassen wurde eine terrassenförmige Erhöhung des Geländes zwischen Teich und westlicher Grenze geschaffen die später als Rodelbahn genutzt wurde.
Durch diesen Ergriff wurde der Teich auch größer, er war jetzt 8 Morgen, das entspricht 20000 m².
Der Gondelbetrieb wurde auch wieder in Betrieb genommen.

Vielen Dank an Walli Wölk für die Benutzung Ihrer Ansichtskarte.

Danke schön an die Mitarbeiter des Stadtarchivs Oberhausen.Herrn  Uecker und  Herrn Schmidt.

Quelle:
Verschiedene Ausgaben des Generalanzeigers, Ruhrwacht und Rathausprotokollen.

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1 Kommentar
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Helmut Zabel aus Herne | 04.10.2017 | 14:55  
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