Die Kochkunstausstellung der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirtschaftverbandes vom 15. Mai. – 1. Juni. 1909 in Oberhausen

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Die Kochkunstausstellung der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirtschaftverbandes vom 15. Mai. – 1. Juni. 1909 in Oberhausen: Standort der heute Friedensplatz. Bild Walli Wölk.
 
Die Kochkunstausstellung der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirtschaftverbandes vom 15. Mai. – 1. Juni. 1909 in Oberhausen: Standort der heute Friedensplatz. Bild Walli Wölk.
 
Rund um den Friedensplatz. 2016
 
Rund um den Friedensplatz. 2016
 
Rund um den Friedensplatz. 2016

Warum schreibt man über ein so ein lang zurückliegendes Ereignis:

Warum schreibe ich überhaupt darüber, es ist schließlich schon über 100 Jahre her und mancher denkt, was soll ich mit so einem „Mist“. Ich verstehe das alles sehr gut, früher hat mich das alles auch sehr wenig interessiert. Der Grund warum ich einige „solcher“ Artikel schreibe ist das bald keiner mehr die Geschichten, oder Ereignisse mehr erzählen kann, die in unserer Stadt Oberhausen passierten oder sich ereigneten, sie verschwinden aus unseren Köpfen. In einigen Jahren weiß keiner mehr, dass der Platz wo es früher stand fand, Industrieplatz hieß und was für ein riesiges Event dort mal statt fand. Für mich ist es schon schwer sich zurecht zu finden in meiner Stadt, wie es früher aussah (weil man in den 60er geboren ist) und das einige Straßen und Plätze, mehrere Namen hatten. Ich stelle mir meine Enkelkinder gerade vor für ist es wahrscheinlich nicht mehr nach zu vollziehen wie es einst war. Zu dieser Zeit gab es noch kein Fernseher, nicht jeder, oder nur wenige hatten ein Auto, keiner hatte einen Laptop, Iphone, Akku-Bohrer, usw. zu der Zeit war der Weg zur Kochkunstaustellung noch nicht mal ausgeleuchtet. Stromversorgung wie wir es heute kennen gab es nicht, noch nicht mal alle Haushalte hatten WC oder Duschen wie wir sie kennen. Zur damaligen Zeit war es auch nicht so hell wie heute, es gab hauptsächlich Gaslaternen und noch einige Petroleumlampen in Oberhausen. Noch nicht jede Straße war beleuchtet. Dank des Bahnhofes war es trotzdem etwas heller an der Ausstellung, weil er immer beleuchtet war Zu dieser Zeit hatten die modernen elektrischen Kohlebogenlampen nur die Friedrich-Karl-Str und Markt-Straße Ein Highlight der damaligen Zeit die ersten strahlten 1905. Die Bewohner mussten sogar einen Teil der Anschaffungsgebühren mittragen. Wollte nur kurz zurück reisen und ein wenig zeigen, was wir für ein Luxus haben, heute. Es fehlen natürliche etliche Vergleiche, Arbeitszeiten, Krankenversicherung usw. Mit diesen Artikel möchte Ich nur einige Dinge aus unserer Stadt am Leben erhalten und vielleicht lesen es jüngere Menschen wie meine Enkelkinder die im Teenageralter sind, diesen Artikel durch und halten es in ihren Köpfen.


Einige Worte zur Eröffnung:

Eine der großen Leistungen der Oberhausener Wirte war, die große Kochkunstausstellung von 1909. Der Initiator Spiritus Rector, dieser Ausstellung war August Kleinebrahm. Ein Riesenbauwerk aus verkleidetem Holz wurde auf den heutigen Friedensplatz errichtet. Der Andrang zu diese Ausstellung aus der ganzen Rheinischen Zone war enorm. Oberhausen wurde gastronomisch bekannt und die alte Tradition, die in "Hof von Holland" vor vielen Jahren begonnen hatte - dieser Hof war weithin berühmt wegen seiner besonderen kulinarischen Genüsse und Qualität der Weine- fand eine Fortsetzung, die Oberhausen ins Gespräch brachte. Das hätte man dieser Stadt nicht zugetraut. Am 15. Mai 1909 jene Fachausstellung der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirtschaftverbandes war der einzige echte Kongress, der in Oberhausen stattgefunden hat


Wo stand dieses, riesige hölzerne Bauwerk?


Der Ort auf der die Ausstellung stand fand, der heutige Friedensplatz, war auf dem ehemaligen Werksgelände der Styrumer Eisenindustrie bis 1902.Das Werksgelände reichte vom Finanzamt Schwartzstr bis zu dem heutigen Europahaus.
Auf der Postkarte sieht man einen großen Teil dieser Ausstellung. Das aus Holz erschaffende „Gebäude“ war ca. 14 m hoch und hatte eine komplette Ausstellungsfläche von 4600 qm. Da wird sich mancher Fragen wo ist so viel Platz auf dem heutigen Friedensplatz. Bitte bedenkt wir haben 1909 und das einzige Gebäude auf dem Areal war das Gerichtsgebäude von 1907 , das Polizeipräsidium und die Reichsbank war noch nicht vorhanden. Das Areal war um 1909 noch sehr, sehr uneben. Für die Ausstellung musste viel begradigt werden.


Eröffnung:

Die Kochkunst- und Fach gewerbliche Ausstellung ist am Samstagnachmittag 15. Mai 1909 bei herrlichen Sonnenschein von Bürgermeister Havenstein eröffnet worden und am 1.Juni. 1909 mit großen Feuerwerk beendet worden. Bei der Ansprache wies er auf die Bedeutung der Veranstaltung hin und was für eine enorme Leistung es war diese Messe zu gestalten. Viele Ansprachen wurden noch gehalten, in denen der Presse von hüben und drüben, des Zonenvorstandes und des Arbeitsausschusses gedacht wurde. Die Stadt Oberhausen, die reichen Flaggenschmuck angelegt hat das sieht man auf der Postkarte, nimmt an der Ausstellung regen Anteil; sie hat das Werk in jeder Beziehung unterstützt und auch einen Betrag von 1500 Mark für Ehrenpreise gestiftet.


Menschen, Ereignisse, Aussteller, Speisekarte, Musik u.v.m.

Ein Publikumsmagnet war wohl auch, dass Miss Polly (Bürgerlicher Name Käthe Paulus, sie war die erste deutsche Berufsluftschifferin, Luftakrobatin und Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms.) eine sehr berühmte Luftschifferin, die den ersten Aufstieg vom Ausstellungsplatze unternahm.
Nach der Eröffnung fand in der Ausstellungshalle ein Festessen statt. Die Halle selbst macht schon von außen einen guten Eindruck und innen gibt es eine Fülle des Sehenswerten, zweckmäßigen, schmackhaften und unterhaltsamen. Einen Hauptbestandteil der Ausstellung bildet natürlich die kulinarische Abteilung, die allein 100 Nummern aufweist und wahre Meisterwerke der Kochkunst enthält. In kleinen Pavillons und Verkaufshallen befinden sich die modernsten fachgewerblichen Erzeugnisse. Die Erwartungen sind bei weitem übertroffen worden. In der Halle und davor sowie auf dem reichlich beschickten Vergnügungsplatze drängten sich Tausende. Auch für musikalische Kost war gut gesorgt. Es spielte die Kapelle des Artillerieregimentes Nr. 43 und in den Bierpavillons fiedelte und jodelte es allenthalben.

Die Zahl der Aussteller betrug über 200 und etliche Aussteller, konnte man nicht aufnehmen. Es war ein riesiger Vergnügungspark mit der Ausstellung verbunden. Dieses Ereignis schlug alle Rekorde. 2500 Dauerkarten waren schon am ersten Tag vergriffen. In den Hallen war, in nächsten Tagen ein unvorstellbarer Betrieb. Die Aussteller waren nicht nur Wirte es waren auch Stände der Metzger, der Konditoren, Schmuckwarenindustrie, Solinger Stahlwarenindustrie, Großvertretung Heines Würstchen, Stände mit Küchenmaschinen, mit Gardinen, Ventilatoren, Rauch und Tabakwaren. Es gab auch Billards, Bierschankstätten und viele Kapellen. Die ganzen Tage wurde Stimmung gemacht und eine der unzähligen Kapellen spielte immer denn es gab immer eine neue Lage aus. Man müsste sogar Kellner von außerhalb kommen lassen so viel war zu tun.
Während der Ausstellungszeit wurden viele Tagungen abgehalten. In einigen wurde entrüstet über die Höhe Brausteuer diskutiert.
Richtige Stimmung kam auf als die drei Rekordesser kamen. Diese Kanonen wie sie damals genannt wurden, waren alles Dreizentner-Männer. Diese "Dicken" kamen aus Mülheim und Essen. Sie ließen sich von den Kellner, je ein für 10 Personen bestimmte Fischplatte servieren. Unter Gejohle und Applaus wurde „gespeist“. Es kam auch vor, dass sie dieses Spiel, etwas später mit einer Geflügelplatte fortsetzen. Guten Appetit.

Hier eine Abschrift der Speisekarte aus dieser Zeit.

Zum Festessen, das nicht nur die Organisatoren, sondern auch die Prominenz der Stadt und der Provinz vereinigte, bot man das Beste auf. Es gab, so wird in den Gastronomischen Annalen festgehalten, folgendes:
Speisekarte
Handschriftlich Urkund
aller gedenkwürdigen Erschaffungen in Culinari wo bei dem bedeutsamen Mahle so gelegentlich der 2. Kochkunst und fachgewerblichen Ausstellung der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirte Verbandes alles trewlichst zubereitet worden und so Gott will sonder Gefahr für Leib und Leben verzehret werden soll.
Speisefolge;
Kaviar auf Eisblock
Ochsenschwanzsuppe.(klar)
Forellen blau mit Butter
Neue Kartoffeln
Rehrücken mit verschiedenen Gemüsen
Kalbsmilcher à la Toulouse
Brüsseler Masthuhn mit eingekochten Früchten und Salat,
Hummer von Helgoland mit Kräutertunke
Fürst-Pückler-Eis

Nachtisch
Käse
Mocca, Sahne.



Texte auf der Speisekarte

Ohne Essen ohne Wein
Kann der beste Mensch nicht sein.
Selbst das das idealste Streben
Kann von Luft allein nicht leben.

-------------------------

Die Köchin nüchtern,
Die Gäste voll,
Die Wirtsmaid schüchtern,
So sein es soll.

---------------------------

Der rote Wein, der ist gesund
In früher Morgenstund;
Zu Mittag wird ein guter Wein
Just auch nicht schädlich sein;
Schlägt trefflich an zur Abendzeit
Und bringt auch in der Nacht kein Leid.

lobe mir die alten Zeiten,
Da mon in Spelunken soff,
Denn je schlechter dort die Luft war,
Um so besser war der Stoff

Je schlimmer das Weib ,
Desto schöner die Kneip',
Und je schöner die Kneip',
Desto schlimmer für's Weib

Musikalisches
Fantasie aus der Oper
Hoffmanns Erzählungen
Von Offenbach

Mein Juwel, Walzer
von Lincke

Selection aus der Operette
Frühlingsluft
von Jos. Strauß-Reiterer

Kirschblüte, japan. Intermezzo
von Albert

Pas des fleurs aus dem Ballett Naila
von Delibes

Potpourri über Themen von Strauß. Millöcker

Im siebten Himmel,
Potpourri von Fretas

Tafelmusik
Oberhausener Ausstellungsmarsch von Steinhauer

Ouvertüre zur Oper
Das Nachtlager in Granada von Kreutzer

Ja damals wusste man auch schon, wie man die Kundschaft und sich selber verwöhnt.
Auch der Ohrenschmaus war wohlbedacht. Kein geringerer als Herr Carl Steinhauer unser erster Musikdirektor der den Städtischen Musikverein gegründet hatte und sich als Komponist einen Namen bei allen Männerchören gemacht hat, und Ehrenbürger der Stadt Oberhausen war , hatte eigens zur Einleitung der großen Festlichkeit einen Marsch komponiert, den Oberhausener Ausstellungsmarsch. Leider konnte ich nicht herausfinden ob die Noten des Marsches heute noch vorhanden sind.

Beendigung, Lobesworte, vor der Eröffnung, Dank an die Feuerwehr und Mitglieder der hiesigen Wirte.

Am 1.Juni. 1909 endete diese einzigartige Ausstellung mit einem großen Feuerwerk. Der ganze Verlauf der Messe beschrieben, die Presse, der Deutschen Gastwirtschaft Verband, Aussteller, und Besucher als riesigen Erfolg.
Bevor es eröffnet, wurden die Anlagen der Kochkunstausstellung der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirtschaftverbandes sind einige Tage vor der Eröffnung von Vertretern der Zeitungen des Bezirks, die der ergangenen Einladungen zahlreich gefolgt waren, besichtigt. Die Ausstellung ist natürlich, wie alle Ausstellungen, gegen den Eröffnungstermin, noch nicht fertig, aber was man sah, das gab die Zuversicht, dass etwas Wohlgelungenes, Zweckentsprechendes und Sehenswertes geschaffen werden wird.

Die Bewachung der Ausstellung erfolgte durch die freiwillige Feierwehr, die nicht nur die Brandwache stellt, sondern auch die Wache gegen Einbruch und Diebstahl. Die Ordnung in der Ausstellung während der Besuchszeit wird durch Mitglieder der hiesigen Wirte Vereinigung im Ehrendienst erfolgen.


Erklärungen, Hinweise und Dank. 

Quellen: Lokalzeitungen aus den Jahr 1909 Oberhausen.

Vielen Dank. an Walli Wölk für die Benutzung Ihrer Ansichtskarten.

Danke schön an die Mitarbeiter des Stadtarchivs Oberhausen.Herrn Schmidt und Herrn Herr Uecker.

Ohne Herrn Uecker hätte ich manchen Artikel nicht gefunden. Vielen Dank.


Friedensplatz

Er wurde Anfang des Jahrhunderts auf dem Industriegelände der stillgelegten Styrumer Eisenhütte (1854-1902) angelegt. Der schönste Platz in Oberhausen ist nach dem 2. Welt¬krieg so benannt worden, um damit zu versinnbildli¬chen, welch enorme Be¬deutung dem hohen Gut des Friedens, vor allem dem Völ-kerfrie¬den, beigemessen wird.
Umbenennung:
Bis 1907: Kaiserplatz.
1918 bis 1933: Industrieplatz.
Von 1933 bis 1945: Adolf-Hitler-Platz.


https://de.wikipedia.org/wiki/Friedensplatz_Oberha...


Carl Steinhauer:

Der Dirigent, Komponist und Organisator Karl Steinhauer (1852-1934),
war von 1901-1921 städtischer Musikdirektor.
Als Dirigent, Komponist und Organisator prägte er das Musikleben, leitete den
'Städtischen Musikverein' und hatte mit ihm hervorragende Erfolge.
1903 gründete er den 'Instrumentalverein', dem sich Musiker auch von
außerhalb Oberhausens anschlossen. Unter seiner Leitung wurde dieses
Orchester das leistungsfähigste in Rheinland und Westfalen."
1933 wurde Steinhauer zum Oberhausener Ehrenbürger ernannt.


Etwas über Miss Polly,  Käthe Paulus.

https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4the_Paulus




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2 Kommentare
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Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 09.10.2017 | 07:39  
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Martin Grundmann aus Oberhausen | 09.10.2017 | 14:59  
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