Die Tigerjagd aus dem Jahre 1891.Ein Königstiger brach aus seinem Käfig aus und sorgte in Oberhausen für viel Aufregung.

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Tiger:Gerhard Gellinger.Pixabay
 
Tiger. Skeeze.pixabay.
 
Aus solche einen oder ähnlicher Käfig ist der Tiger entkommen.Bild: Tyne & Wear Archives & Museums.
 
Von diesem Platz ist der Tiger geflüchtet. dieses Bild ist von 1905 und kann nicht mit dem Jahre 1891 verglichen werden.Bild: Walli Wölk.
 
Die Jagd nach dem Tiger. Das Bild hat nichts mit der Oberhausener Tigerjagd zu tun.

Wann, wo, und wie, passierte dieses Ereignis?

Freitag den 2. Oktober 1891, hatte die Menagerie Weidauer aus Düsseldorf, eine Filiale der weltbekannten Tierhandlung Hagenbeck in Hamburg, auf dem Neumarkt dem heutigen Ebertplatz, ihre Zelte aufgebaut..
Abends 7:30 Uhr fingen die Hunde der Menagerie Weidauer kläglich zu heulen an, und der Sohn versuchte die Tiere mit der Peitsche zur Ruhe zu bringen; als er in der Dunkelheit unter die Meute schlug, ertönte plötzlich ein dumpfes Knurren und in mächtigen Sätzen enteilte ein Tiger, der zwischen den Hunden gewesen war und dessen Unruhe verursacht hatte. Natürlich wurde auf die Alarmierung des jungen Weidauer hin sofort eine Untersuchung angestellt, Als nun das Personal der Menagerie alarmiert war und die einzelnen Käfige durchsuchte, stellte sich heraus dass ein acht Jahre alter Königstiger, der erst vor etwa zehn Tagen in den Tierbestand der Menagerie aufgenommen war, ausgebrochen war. Während des Transportes hatte sich Wahrscheinlichkeit das Brett des Käfigbodens gelöst, und das Raubtier hatte mit seinem Klauen solange nachgeholfen, bis die Öffnung groß genug war.

Was unternahm man ….gegen Mitternacht wurde die Suche eingestellt.

Nunmehr wurde seitens des Menagerie-Besitzers die Polizeibehörde in Kenntnis gesetzt, die sofort alle zur Verfügung stehenden Mannschaften, sowie die freiwillige Feuerwehr aufbot, um eine Streife nach dem doch sehr gefährlichen Tier anzustellen.
Auch die Nachbarschaft wurde durch Telegraph und Telefon benachrichtigt, so dass auch die benachbarten Ortschaften und Gemeinden sich auf den unliebsamen Besuch rüsten könnten.

Gegen 9 Uhr abends wurde plötzlich Feueralarm gegeben, der mit geringen Unterbrechungen die ganze Nacht hindurch anhielt. Die Anwohner des Neumarkts Alt-Oberhausen dachten, es sei irgendwo ein Großfeuer entstanden, aber nach und sickerte die Kunde durch, es sei aus Der Menagerie ein Tiger ausgebrochen und laufe nun in der Stadt umher, und mache Jagd auf ihn.
Es wurde mit Fackeln und Laternen das Heidegebiet abgesucht, aber ohne Erfolg. Gegen Mitternacht musste die Suche nach dem Tiger abgebrochen werden.

Bitte beachten:


Es spielt im Jahre 1891, die Straßen hatten noch keine elektrischen Laternen, es waren überwiegend Gaslaternen in diesen Areal und Petroleumlampen.
Das Gas lieferte zu dieser Zeit noch die Firma Grillo. Es gab für Alt-Oberhausen 99 Gaslaternen, und 137 Petroleumlampen. Erst im Jahre 1897 ging es in städtische Besitz über. Das bedeutet für die Suche der Jäger, eine minimale Sichtweite, nicht wie heute.
Die Häuser hatten auch kein elektrisches Licht, oder Außenbeleuchtung, noch sonst was. Es gab auch kein Auto wo man dem Tier hinterher jagen konnte. Keine Straßenbahn wo man größere Entfernungen schnell erreichen konnte. Die Straßen und Bürgersteige waren auch nicht wie wir sie kennen, man musste aufpassen, bei der Jagd, wo man lang lief. Das Gebiet war zu dieser nicht stark bebaut, es war noch größtenteils richtige Heidelandschaft.
Es gab ca. Wohngebäude 2000, Wohnräume 20000 Fabrikgebäude 300, öffentliche Gebäude, 110. Etwa 25000 Seelen gab es zur dieser Zeit. Das Ebertbad gab es zu der Zeit auch nicht. Das einzige was es gab war Telefon und mündliche Übermittelung per Mensch. Nur wenige hatten einen Telefonanschluss in Oberhausen. Ich schreibe es nur damit ihr euch vorstellen könnt, wie schwer es war, eine Jagd zu machen und die Leute zu benachrichtigen. Wenn einer das Raubtier sah musste er zum nächsten „Haustelefon“ Wirtschaft, Polizei, größere Firma usw.. es gab noch keine öffentlichen Fernsprechapparate, um es zu melden, oder rannte direkt zur Polizeistation.

Wo, war, ist, der Königstiger? Ist er weiter gezogen oder hält er sich noch in unserer Stadt auf? Erste Sichtung gegen 1 Uhr am 3.Okt. aber nicht sofortige Meldung.

In Oberhausen hatte der Tiger vom Neumarkt auf seinem Weg zur inneren Stadt genommen und die Friedrich-Karl-Straße erreicht. Gesichtet aber nicht sofort gemeldet.
In den hier stehenden Neubau der Gastwirtin Koch, Friedrich-Karlstr und Königsstr (Heute Helmholtzstr.)war man in der Nacht vom 2. zum 3. Oktober mit Stuckarbeiten beschäftigt. Zwei Stuckarbeiter wurden dabei plötzlich auf ein Geräusch aufmerksam, das von dem offenen Eingang des Bauers aus kam. Als sie nachschauten, blinkten Ihnen plötzlich aus dem Dunkel zwei grünlich schillernde Lichter entgegen, und beim näheren Zuschauen erkannten sie die Wildkatze, die sich aber damit begnügte, die beiden vor Schreck fast erlahmten Arbeiter anzustarren, dann aber sich wieder den Ausgang zuwandte.

Erneute Sichtung und Meldung an die Zuständigen. Der Königstiger zog weiter, zuvor tötete er einen Hund…..

Nachts gegen 2 Uhr wurde er aber im Hofe des Gärtners Tourneur an der Mülheimer Chaussee gestellt. Der sich ihm entgegenstellende Hofhund wurde von ihm tot gebissen. Danach nahm die Bestie ihren Weg weiter.

Die Raubkatze stoppte beim Anstreichermeister von Felbert.
Felbert dachte der Krach im Garten wurde von einen Einbrecher verursacht….Zum Glück kam er mit einen Schrecken davon.

Kurze Zeit später wurde der Anstreichermeister v Felbert, Rolandstraße, durch lautes Geräusch und Schreien seines Schweines aus dem Schlaf geweckt. Der Meister dachte, dass Einbrecher ihm einen Besuch abstattet hätten und ihm das fette Schwein, das er mit so viel Liebe und Sorgfalt für Weihnachten gemästet hatte, stehlen wollten. Rasch zog sich der Meister an und bewaffnete sich mit einem Knüppel, mit dem er die ungebetenen Gäste traktieren gedachte. Als v. Felbert den Schweinestall öffnete und hier die Einbrecher überraschen wollte, sah sich jetzt der Bestie gegenüber. Ihr die Laterne verhaltend, gelang es ihm, seine Wohnung heil zu erreichen.

Die Raubkatze riss sich ein Schwein und die Jägertruppe näherte sich….

Der Tiger aber hatte im Stall bereits das Schwein gewürgt und schleppte es nun auf den Hof hinaus und fraß es. Als er sich an dem fetten Bissen gütlich getan hatte, reckte er seinen gigantischen Leib, indem er die Vordertatzen auf das Dach des Stalles legte, wiederholt auf dem Hofe auf und ab promenierte und sich schließlich neben dem Rest seines Opfers niederstreckte. So plötzlich klar schilderte der Chronist nach dem Bericht des erschreckten Anstreichermeister, der vom Fenster seiner Wohnung aus dieses alles sah, die Situation. Inzwischen war aber an die Polizei Kunde gedrungen, dass der Entflohene seinem Mahl im Garten des Anstreichermeisters v. Felbert sich ausruhe. Sofort wurde wieder Alarm geschlagen, und abermals begaben sich die Polizeimannschaften, Feuerwehr und verschiedene Zivilisten, alle mit Gewehren, Revolvern, Picken, Hauen und was jeden eben in die Hand gekommen war, ausgerüstet, auf die Jagd.

Die Jäger greifen von zwei Seiten an.. Die unkoordinierte Jagd fordert seine Menschenopfer…. der Tiger ist tot, aber um welchen Preis.

Während ein Teil der Jäger von der Chaussee aus in das Haus des v. Felbert und in die Nachbarhäuser eindringt, versucht ein anderer Teil dem gefährlichen Wild von der Rückseite den Weg abzuschneiden. Polizeikommissar Urbach und Gendarm Stöber betreten eben den v. Felbertschen Hof, vorsichtig mit erhobenen Gewehr nach dem Gesuchten ausschauend, da kracht auf der Gartenseite ein Schuss, und in demselben Augenblick setzt der Tiger mit einem riesigen Satz über die Mauer in den Hof, wo die beiden Genannten sich eben befinden; Kommissar Urbach feuert und trifft den Kopf des laut brüllenden Tieres, das sich blitzschnell wendet, um über den Staketenzaun hinwegzuspringen, während der Kommissar und der Gendarm Stöber ihm ihre Kugeln nachsenden. Das nun rasende Tier trifft bei seinem Niederfallen jenseits der Mauer und des Zaunes unglücklicherweise auf den Gendarm Kalla, wirft sich sofort auf diesem, der seine Zeit findet, sich in Sicherheit zu bringen, und schlägt sein mörderisches Gebiss und seine furchtbaren Tatzen in die Mitte des rechten Oberschenkels. Die Situation war jetzt eine haarsträubende, das Zurufen der Verfolger, das Stöhnen des Verwundeten, das grässliche Gebrüll des Tigers, dazu die ganze Szene spärlich erhellt von dem eben grauenden Morgen, - ein Moment, der selbst dem Mutigsten die Besinnung rauben konnte. Da gibt Gendarm Simon auf das über seinem Opfer lauernde Tier einen Schuss aus zirka zehn Schritt Entfernung ab, der es allem Anschein in den Rücken trifft und es lähmt, denn als es sich auf den neuen Feind stürzen will, mangelt ihm die Kraft; im gleichen Augenblick empfängt es von dem Gendarm, dem Kommissar, dem Sergeanten Seidenschnur , dem Ingenieur Horn und den Buchhalter Transfeld, die schnell herbei geeilt waren, Schüsse , die es völlig tot zur Erde streckten. Inzwischen fanden sich von allen Seiten die Verfolger ein, und es ging ein Geknatter los wie bei einem Vorpostengefecht. Die Schüsse, die das tote Tier jetzt noch empfing, hätten genügt, zwei Tigern den Garaus zu machen."

Was wird aus den Verletzten…..Kalla und Darmstätter.

Soweit dieser Bericht, der aber nicht vollständig wäre, würde nicht mitgeteilt, dass es bei dieser Jagd mehrere Verwundete gab. Außer dem Gendarmen Kalla war auch der Feuerwehrmann Darmstätter schwer verletzt werden. Irgendein wild in die Gegend schießender Schütze traf den auf der Mauer stehenden Feuerwehrmann von hinten, die Kugel ging in das Becken und verletzte es schwer.
Feuerwehrmann Darmstätter wurde zum Invaliden. Er lag monatelang im Krankenhaus.
Gendarm Kalla war 9 Monate im Krankenhaus und wurde nie mehr einsatzfähig.
Er wurde vorzeitig pensioniert.
6 Jahre lang war er noch Platzmeister bei der Zeche Roland und dann Hallenmeister am Schlachthof.
Am 14.August 1915 verstarb Kalla an einen Insektenstich. Blutvergiftung.

Der Ausgang der Tigerjagd sorgt für enormen Wirbel in der Stadt und Umgebung. Schadensersatzansprüche an Weidauer….

Die Sache aber hatte so viel Aufsehen in der Stadt und in der Umgebung erregt, dass sich sogar die Stadtverordneten in einer besonders hierzu einberufenen Sitzung mit ihr beschäftigen. Die Stadtverwaltung hatte auf das Vermögen des Menagerieinhabers Weidauer einen Arrest in Höhe von 50000 Mark erwirkt, um etwa durchführbare Rechtsansprüche der Stadt gegen Weidauer zu sichern. Später aber wurden die Tierbude und deren gesamter Inhalt Weidauer wieder überlassen unter der Bedingung, dass dieser dafür für die Schadenssumme
hafte und nicht ins Ausland ginge. Seinen jedesmaligen Wohnsitz musste er zudem der Stadtverwaltung immer anzeigen.
Einige Tage später brach die Weidauersche Tierschau ihre Zelte in Oberhausen ab, nachdem Weidenauer alle an ihn gelangten berechtigten Forderungen in anständiger Weise durch Bezahlung geregelt hatte..
Durch den Verlust des Tieres hatte Weidauer 3000 Mark verloren, dazu kam noch der Höhe Schadenersatz, so dass er Oberhausen kaum in guten Andenken behalten hat.

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Restaurateur kauft toten Tiger, lässt ihn ausstopfen….

Der Tiger wurde vom Restaurateur Otto Haberland in Styrum angekauft, von einem Herrn Benz in Duisburg meisterlich ausgestopft, so dass
man die Bestie lebend zu stehen glaubt. Namentlich auf das hervortreten der starken Muskeln, auf eine möglichst naturgetreue Wiedergabe der Form des kräftigen Nackens hat Herr Benz mit Erfolg große Sorgfalt verwendet. Wahrlich, ein derartiges Prachtexemplar mit einer solch schönen Zeichnung bekommt man selten zu sehen. Das ausgestopfte Tier konnte man noch jahrelang Styrum „bewundern“.

Die Nachricht von der Oberhausener Tigerjagd ging um den Erdball

das kann man sich nicht vorstellen, es war aber so.
Farbenfreudig schilderten die Gazetten in allen Hauptstädten der Welt das unerschrockene Handeln der Bürger, an deren Spitze sich der Oberhausener Bürgermeister Haumann gestellt hatte. Selbst russische Zeitungen aus dem Wolgagebiet berichteten darüber.

Quelle: Rhein und Ruhr Zeitung 1891, Neue Oberhausener Zeitung 1915, . General-Anzeiger 1915, Heimatkalendar 1942, Rhein und Ruhr Zeitung 1935, Ruhrwacht 1926 und 1955, Oberhausener Zeitung 1927, Stadt-Report Oberhausen 1995.
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11 Kommentare
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Marlies Bluhm aus Düsseldorf | 09.10.2017 | 19:46  
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Martin Grundmann aus Oberhausen | 10.10.2017 | 04:22  
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Herbert Lödorf aus Gelsenkirchen | 10.10.2017 | 07:57  
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Helmut Zabel aus Herne | 10.10.2017 | 10:20  
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Martin Grundmann aus Oberhausen | 15.10.2017 | 16:57  
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Martin Grundmann aus Oberhausen | 15.10.2017 | 16:58  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 19.10.2017 | 19:53  
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Martin Grundmann aus Oberhausen | 20.10.2017 | 13:52  
53.257
ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 20.10.2017 | 17:24  
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Martin Grundmann aus Oberhausen | 20.10.2017 | 19:02  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 21.10.2017 | 00:01  
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