Die Traditionsfirma Meininghaus ehemalige Brauerei, Braustätte von Oberhausen-Sterkrade.

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Die Brauerei von der Vestischen Straße gesehen. Bild Oliver Meininghaus
 
Briefkopf Sterkrader Brauhaus 1914. Auf dem Bild sieht man die Pferdefuhrwerke und andere Details. Die Straßenbahnlinie 2 fuhr auf der Vestischen Straße. Bild Oliver Meininghaus.
 
Auf dem Hof der Meininghaus Brauerei. Die Fahrer mit ihrem Fuhrwerk, einem Opel Blitz. Blick von der Vestischen Straße. Bild Oliver Meininghaus.
 
Auf dem Hof der Brauerei. Blick von der Vestischen Straße. Bild Oliver Meininghaus.
Die Traditionsfirma Meininghaus ehemalige Brauerei, Braustätte von Oberhausen-Sterkrade.

Von F.W.H. Biermann über das Sterkrader Brauhaus zur Meininghaus Brauerei – eine kleine Brauereigeschichte aus Sterkrade:
1876 Brauerei gegründet von F.W.H. Biermann
1880 Brauerei Karl Ebert
1885 Brauerei Friedrich Schultze
1888 Brauerei Wilhelm Uhrmeister
1900 Brauerei Uhrmeister & Walter
1900 Bürgerliches Brauhaus Adolph Böttcher
1901 Bürgerliches Brauhaus Böttcher & Schulte am Esch
1901 Schulten-Bräu Gebrüder Schulte am Esch
1907 Schulten-Bräu Paul Schulte am Esch
1908 Sterkrader Brauhaus GmbH
1937 Brauerei Meininghaus GmbH
1955 Aufgabe des Betriebes. Verkauf an die Aktien-Brauerei Carl Funke AG, Essen.

Das Sterkrader Brauhaus stand in Sterkrade an der Vestischen Straße 240. Gegründet wurde die Brauerei 1876 von Friedrich Wilhelm Biermann, der in der Nähe eine Gastwirtschaft betrieb und dort vermutlich auch schon gebraut hat. Um die Jahrhundertwende hieß es jedoch noch nicht Vestische Straße. Im Adressbuch von 1902 (Foto) hieß es Section VII 37a, danach Osterfelder Straße 9 und dann Vestische Straße 240. Auf den alten Bierdeckeln der Brauerei Meininghaus fand sich später der Vermerk "Tradition seit 1870", die Angabe lässt sicher leider nicht bestätigen.
Als Herr Biermann die Brauerei erbaute, war Sterkrade noch ein Dorf und gehörte zum Kreis Mülheim an der Ruhr. Hier wohnten 5626 Einwohner in 737 Wohnhäusern. Es gab zudem schon zwei große Betriebe der GHH und ca. 56 km Straße. Davon waren ca. 4 km mit Steinschlag bedeckt. Der Rest des Straßennetzes war mit Asche und Schlacke bedeckt. Einen Großteil des Materials steuerten die GHH bei, zumal es noch keine klassischen Straßenpflasterungen gab. Die Straße an der Brauerei hatte zudem 1876 noch kein elektrisches Licht. Dieser technische Fortschritt sollte erst viel später kommen. Nach und nach folgten Petroleumlampen und ab 1898 wurden die Straßenlampen mit Gas betrieben.
Die Geschichte der Sterkrader Braustätte verzeichnet vom Gründer Biermann bis hin zur Meininghaus Brauerei einige Besitzerwechsel, überliefert sind u. a. die Namen Uhrmeister, Böttcher und Schulte am Esch.
Der Kaufmann Edgar Meininghaus aus Dortmund hat sich am 13. Februar 1908 mit dem derzeitigen Inhaber der Brauerei, Paul Schulte am Esch, zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma, Sterkrader Brauhaus G. m. b. H vereinigt. Edgar Meininghaus aus Dortmund besaß bereits Erfahrung im Biergeschäft, denn in Dortmund gehörte der Familie die Klosterbrauerei Gebr. E. & A. Meininghaus.
Sterkrade war zu dieser Zeit noch Bürgermeisterei. Stadtrechte erhielt Sterkrade erst 1913. Edgar Meininghaus wurde zum alleinigen Geschäftsführer bestellt, der somit die Verantwortung für den gesamten Brauereibetrieb übernahm. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Unternehmen sehr schnell.
Kurze Zeit später im Jahre 1910 trat Paul Schulte am Esch aus dieser GmbH aus, und die gesamten Anteile des Unternehmens wurden von der Familie Meininghaus übernommen, wobei zu erwähnen ist, dass Edgar Meininghaus auch seine Frau Clara Meininghaus mit 1000 Reichsmark beteiligte. Er selber hielt bis zur Erhöhung des Stammkapitals zunächst 184.000 Reichsmark, später 284.000 Reichsmark.
Herr Edgar Meininghaus war von nun an unabhängig. Gesellschafterabsprachen entfielen und er war voller Tatendrang. Dabei halfen ihm sein Können und Erfahrung in dieser Branche. Er war dabei stets bestrebt, das kleine Familienunternehmen zu vergrößern und sein Absatzgebiet zu erweitern. Herr Meininghaus hatte ein sehr großes Geschick, sein Bier den Wirten anzupreisen. So vergrößerte er nach und nach seinen Aktionsradius. Außerhalb Sterkrades waren es neben Dinslaken vor allem Kirchhellen und Hünxe. Kurz darauf kam Hamborn dazu.
Zu dieser Zeit wurden die Fässer noch mit Ochsen und Pferde transportiert (siehe Fotos).
Man kann sich bei der Betrachtung der Bilder lebhaft vorstellen, wie schwierig es für die vier kräftigen Ochsen und eine Kutsche mit 1000 Liter Bier auf der Ladefläche war, die Dorstener Straße hochzukommen.
Fahrten nach Kirchhellen und anderen Städten waren sicherlich ein ähnlich schweres und zeitintensives Unterfangen. Auf den Fotos sieht man einige Fässer. Diese haben eine Höhe von fast 2 m. Man mag sich kaum vorstellen, wie das Abladen bei den jeweiligen Gaststätten von statten ging. Doch nun zurück zur Entwicklung des Unternehmens.
Das Absatzgebiet wurde nunmehr um den Bereich Walsum, Oberhausen, Mülheim und Ruhrort erweitert. Später gehörten die letzteren zu seinen stärksten Abnehmern. Der geneigte Leser möge hierbei berücksichtigen, dass bis 1929 unsere Städte Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld noch nicht zu Oberhausen vereinigt waren. Die Qualität des Bieres und das Geschick von Herrn Meininghaus trug dazu bei, dass sein Bier sogar in weiteren Gebieten Gladbeck, Buer und Recklinghausen geschätzt wurden. All die ganzen Gebietszunahmen hatten die Folgen das die baulichen Gegebenheiten der Brauerei Meininghaus zu klein wurden.

Bis Dato hatten die betriebstechnischen Einrichtungen vollauf genügt, doch es ist klar, dass bei dem gesteigerten Absatz die nunmehr an den Betrieb gestellten Anforderungen nicht mehr erfüllt werden konnten. Es wurde ein Sudhaus (das Herz einer Bierbrauerei, hier wird die Würze produziert) errichtet und die Keller und Lagerräume wurden erweitert, denn man wollte jetzt auf Vorrat herstellen um den jetzigen großen Kundenkreis bedienen zu können. Es wurden „Biertanks“ errichtet, um das Bier besser lagern zu können. Zwischenzeitlich wuchs auch die Einwohnerzahl der Stadt Sterkrade dank der Großindustrie rasant an und mit ihr der Absatzmarkt vor Ort. Die bisher in kleinem Umfang arbeitende Flaschenbierabteilung wurde jetzt im größeren Stille eingerichtet. Herr Meininghaus ahnte, dass sich der Flaschenbierverkauf gewaltig erhöhen würde, und er behielt recht, denn Abnahme des in Flaschen abgefüllten Bieres steigerte sich gewaltig. Damit in engster Verbindung stand die nunmehr notwendige Vergrößerung des gesamten Fuhrparkes. Mit dem Aufkommen des Automobils als Transportmittel, konnte die Brauerei ihre Erzeugnisse in viel weitere Gebiete verbringen und das in kürzester Zeit. Durch diese sehr kluge Umstellung war nochmals eine Erweiterung des Absatzgebietes auf die Gebiete Katernberg, Herne und noch weiter entferntere Städte wie Köln zu erreichen.
Überall wurden neue Verkaufsplätze geschaffen, ja sogar mit eigenen Vertretungen bestellt, um so das Geschäft intensiver gestalten zu können. Durch das rapide Anwachsen des gesamten Unternehmens war von nun an eine ständige Erneuerung des Betriebs notwendig.
Im Zuge der Kommunalen Neugliederung im Ruhrgebiet wurden am 29. Juli 1929 die Stadtkreise Oberhausen an der Ruhr, Osterfeld und Sterkrade zum neuen Stadtkreis Oberhausen (Rheinland) mit Korrekturen an den Grenzen zu den Nachbarstädten Duisburg und Mülheim an der Ruhr vereinigt. Seit dem Zusammenschluss trägt die Stadt den Namenszusatz (Rheinland) oder (Rhld.). Jetzt war Oberhausen eine Großstadt mit über 190.000 Einwohnern. Und das Sterkrader Brauhaus war die einzige Brauerei in Oberhausen.
Herr Meininghaus ließ 1929 den nicht mehr modernen Riemenantrieb in seinem Unternehmen vollständig durch die Dampfmaschine ersetzen, eine wirkungsvolle und enorme Hilfe. Zudem wurde der ganze Betrieb elektrifiziert, das heißt der Betrieb wurde auf elektrischem Strom umgestellt. Das war eine mächtige Erneuerung, die dem Unternehmen sehr zugute kam. Doch durch all die Erneuerungen, Anschaffungen und Umstellungen war vieles zu klein geworden. Es musste eine neue Verladerampe errichtet werden. Ebenso war die Fuhrparkhalle den vermehrten Ansprüchen nicht gewachsen, so dass man sich entschloss, eine vollständig neue Halle zum Unterstellen des gesamten Fuhrparks zu bauen. Ein wenig später musste auch die die Flaschenabfüllanlage modernisiert werden. Die alte Anlage schaffte es nicht mehr, ihre Kapazitätsgrenze war erreicht. In Spitzenzeiten wurden 40.000 Hektoliter Bier Pils, Export und Karamell hergestellt.
Neben all den erläuterten technischen Fortschritten und der klugen geschäftspolitischen Ausrichtung der Brauerei gab es aber ebenfalls etliche schwere Krisen zu überwinden. Die erste sehr schwere Hürde war der erste Weltkrieg 1914-1918. Die Auswirkungen des Krieges trafen die Brauerei schwer. Rohstoffmangel trat ein, Personal wurde zum Heeresdienst einberufen, Pferde und die ersten vorhandenen Autos mussten der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt werden. Mit dem Fehlen der notwendigen Rohstoffe trat mit der Zeit eine erhebliche Verschlechterung des Bieres ein, wodurch der Absatz bedeutend zurückging. Nach dem Krieg musste sich die Brauerei zunächst konsolidieren und das eigene Überleben sichern. Zu allem kam dann noch, dass gerade in dieser Zeit Großbrauereien viele kleine und mittlere Brauereien aufkauften, um den Markt zu bereinigen. Herr Meininghaus wollte nicht aufgeben und machte weiter. Trotz der Ruhrbesetzung die von 1923 – 1925 dauerte, konnte er sich endlich um den Weiterbau seines Betriebes kümmern. Vor ihm lagen nunmehr nach Erstellung einer Goldmarkbilanz und die goldenen Zwanziger, bevor Ende der 1920er die Weltwirtschaftskrise begann.
Die wirtschaftliche Erholung in den 20ger Jahren hatte auch zur Folge, dass die Leute mehr Bier tranken und dadurch den Absatz in die Höhe trieben. Die Brauerei steckte das erwirtschaftete Geld zudem immer wieder in die Modernisierung, ein kluger Schachzug von Herrn Meininghaus, denn trotz all der Krisen schaffte es der kleine Braumeister immer wieder, die Brauerei zu stabilisieren und seine Absatzgebiete zu erweitern. 1937 stiegen die Söhne Erich und Wilhelm Meininghaus in das Geschäft ein, die Brauerei firmierte jetzt als Brauerei Meininghaus GmbH.
Nach dem Krieg zählte sie ca. 30 Mitarbeiter. Die Brauerei braute in der Nachkriegszeit unter anderem im Auftrag der Besatzungsmächte. 1948 wurde im Rahmen der Währungsreform eine Eröffnungsbilanz erstellt. Auch feierte die Brauerei Meininghaus das 40jährige Bestehen der Braustätte mit einem großen Fest und einer eigens für den Anlas erstellten Bierzeitung, die heute noch vorhanden ist.
Doch die Geschäfte liefen insgesamt etwas schlechter, denn mittlerweile war es üblich geworden, dass die Wirte bei den Lieferverträgen auch eine Finanzierung der Innenausstattung durch und über die Brauereien wünschten. Dies konnte eine kleine Brauerei wie die Meininghaus Brauerei nicht umsetzen.
1954 verstarb Erich Meininghaus, die Brauerei wurde an die Aktien-Brauerei Carl Funke AG, Essen verkauft und im Jahr 1955 endgültig geschlossen. Bis zum Abriss der Gebäude siedelte dann das Unternehmen Küpper mit einer Pilzzucht auf dem Gelände an. Die Brauerei wurde leider komplett abgerissen.

Viele Bilder und Informationen stellte mir Herr Oliver Meininghaus zu Verfügung. Er ist der Enkel von Erich Meininghaus. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle.

Danke auch an Alfred Lindemann für das Foto.

Quellen: Oliver Meininghaus. Alfred Lindemann.

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise... Heimatkalender Oberhausen 1940, http://aktiongutesbier.de, http://www.klausehm.de/Page4828.html, https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland#Weimarer...

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4 Kommentare
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Eckhard Schlaup aus Gladbeck | 06.03.2017 | 15:35  
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Martin Grundmann aus Oberhausen | 09.03.2017 | 05:53  
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Helmut Zabel aus Herne | 18.03.2017 | 09:26  
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Siegfried Räbiger aus Oberhausen | 21.04.2017 | 16:47  
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