Fitness Frust

WA-Leserin Michaela Pralle und Ehemann Thomas wollten hier etwas für ihre Fitness tun. Daraus wurde Frust und das Bangen um die vorausbezahlten Beiträge. Denn die Betreibergesellschaft des Studios „Go First“ hat Eigeninsolvenz angemeldet.
Es ist eine Pleite mit Ansagen. Schon im Mai kamen Gerüchte auf, dass die Kette „Go First“, auch in Bielefeld und Bochum präsent, ihre Oberhausener Filiale nach rund vier Jahren aufgeben wolle. Filialleiter Martin Skrodzki bestritt dies nach Medienberichten.
Zwischenzeitlich sind Mietrückstände über einen längeren Zeitraum aufgelaufen, wie Insolvenzverwalter Dr. Andreas Röpke zitiert wird. „Wir fühlen uns hintergegangen und um unsere Beiträge betrogen“, erklärt dazu die 45-Jährige.
Schon am Dienstag hatte Thomas Pralle gerüchteweise von der bevorstehenden Pleite gehört. Am Mittwochmorgen wurden dann aus Gerüchten Fakten, als die zahlreich eintreffenden Mitglieder des Studios vor verschlossenen Türen standen.
Bis zu 6.000 Menschen sollen von der Insolvenz des Fitnessstudios betroffen sein, bestätigt auch die selbst betroffene Osterfelder Rechtsanwältin Sarah Walisko, die Anzeigen gegen das Unternehmen sammelt. Tausende von Kunden bangen nun als Gläubiger um ihr Geld, große Hoffnungen gibt es in dieser Angelegenheit erfahrungsgemäß nicht.
Michaela Pralle ist verärgert: Kürzlich noch war sie im Fitnessstudio „Go First“ in der Neuen Mitte, um zu trainieren. Dass es dem Studio schlecht gehen sollte, davon war nach ihren Angaben nichts zu spüren. Im Gegenteil: „Mein Mann und ich sind immer schon sehr früh hin gegangen, um ohne lange Wartezeit an die Geräte zu kommen, an denen wir trainieren wollten.“ Denn ihrer Wahrnehmung nach war das Studio immer recht gut besucht und auch die angebotenen Kurse waren „ziemlich voll“.
Dass das Studio Insolvenz angemeldet hat, musste die 45-Jährige aus den Medien erfahren: „Angesprochen oder angeschrieben hat uns niemand.“ Und auch bei der Vertragsverlängerung - das Ehepaar Pralle trainierte in dem Fitnessstudio schon seit längerem - hat niemand auf den Umstand einer möglichen Insolvenz hingewiesen. Die Verträge wurden geschlossen wie gewohnt: Zahlung der monatlichen Gebühr für zwölf Monate im voraus.
Lockangebote sollten die Kunden augenscheinlich bei „der Stange“ halten. Denn die Verlängerung des Vertrags um ein weiteres Jahr beinhaltete zusätzliche drei Monate, in denen Kunden quasi unentgeltlich trainieren konnten. „Klar“, so die geprellte Kundin, „dass man da doch drauf eingeht.“

Mitgliedsbeiträge nach Spanien transferiert?

Für das Ehepaar Pralle bleibt aber der finanzielle Schaden glücklicherweise vergleichsweise gering. Ihr Vertrag läuft schon wieder über ein halbes Jahr. Was Michaela Pralle aber wirklich auf die Palme bringt ist der Umstand, dass sie das Fitnessstudio Freunden und Bekannten empfohlen hat „die daraufhin erst kürzlich die Verträge abgeschlossen haben.“ Sie schätzt den finanziellen Schaden dieser Personen bei jeder einzelnen auf mehrere hundert Euro.
„Go First“ gibt es auch in Bochum und Bielefeld, als Geschäftsführer wird für alle Filialen laut Impressum ein gewisser Christian Schwarz genannt. Bemerkenswert, dass Oberhausen als von außen wahrgenommener Filialstandort einzeln Insolvenz anmelden kann.
Das verwunderte zunächst auch die Osterfelder Anwältin Sarah Walisko, die sich als selbst betroffene Kundin dazu erst einmal schlau gemacht hat. Ihrer Meinung nach ist die gesamte Unternehmensstruktur sehr undurchsichtig. Mindestens neun Unternehmen gibt es, die, vermeintlich verknüpft, scheinbar doch als eigenständige Firmen geführt werden.
Außerdem scheint es eine Verbindung zu einem Unternehmen namens „City-Fitness-GmbH“zu geben, die ebenfalls mit Christian Schwarz und einer Person namens Francisco Fiala zusammenhängt. Fiala wiederum soll oder will ein Fitnessstudio in Spanien eröffnet haben.
Gerüchten zufolge sind Mitgliedsbeiträge auf die Iberische Halbinsel transferiert worden. Genährt wird das Gerücht durch die Tatsache, dass „Go First“ Oberhausen schon am 31. Dezember 2009 mit einer Summe von mindestens 400.000 Euro in der Kreide stand. Das hat Rechtsanwältin Walisko jetzt rausgefunden. „Bei einer Mitgliederzahl von 6.000 eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit“, wie sie findet.
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