Udo-Jürgens-Musical feierte im Metronom-Theater Premieren-Erfolg: Die Kreuzfahrt beginnt am Emscherschnellweg

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Udo Jürgens und die beiden Hauptdarsteller Charlotte Heinke und Karim Khawatmi. Foto: stage entertainment
 
Udo Jürgens mit den Premieren-Ensemble: (v.l.) Uli Scherbel (Fred Hoffmann), Nico Felix Zoll (Florian Staudach), Vladimir Korneev (Costa Antonidis), Charlotte Heinke (Lisa Wartberg), Karim Khawatmi (Axel Staudach), Ernst Wilhelm Lenik (Otto Staudach) und Gisela Kraft (Maria Wartberg). Foto: cd
Oberhausen: Metronom-Theater Oberhausen | Einst stand der Mann im Malersaal der Amsterdamer Oper und malte mit Besenpinsel riesige Kulissenflächen fleckenlos.

Heute kontrolliert er geschmackssicher und qualitätsbewusst mit Frau Janine einen Welt-Konzern (nicht nur) der Unterhaltung. Kommt aber prompt zur Premiere rüber und schaut nach, wie das Himmelblau über dem Ozeandampfer auf der Bühne gemalt ist: Joop van den Ende (70) , Chef der Stage Entertainment, erschien ebenso wie Udo Jürgens bei dessen Oberhausener Jukebox-Musical-Start „Ich war noch niemals in New York.“ Und erlebte wie 1800 Premierengäste einen neuen Mega-Erfolg, das Revier sang mit.

Deutsches Musical auf Broadway Niveau

Jukebox-Musical nennt es die Branche, aus Hits eines Komponisten /Sängers (Abba, Buddy Holly etc.) mit einer nachträglich erfundenen Handlung ein Musical zu stricken. Was sehr gut funktionieren kann, wie das weltweit erfolgreichste Musical „Mamma Mia“ zeigt. Vor mehr als sechs Jahren war van den Ende (längst Rechte-Inhaber von über 70 Musiktheater-Werken) auf der Suche nach Verwertbarem auf die Udo Jürgens-Lieder der Vergangenheit gestoßen. Auch den „anderen Udo“, nämlich Lindenberg verbretterte Joop genauso mit „Hinterm Horizont geht´s weiter“ zur Theaterfassung mit den bewährten Zutaten bester, traditionsreicher Theaterkunst: Tolle Kulissen, herrliche Kostüme, Licht, Ton, Super-Orchester, ausgezeichnete Musical-Darsteller und großartige Solisten. Für den bei Zürich (auch dort heißt´s jetzt „Leinen los!“ für „New York“) lebenden Kärntner Udo schrieb der Wiener Schauspieler Gabriel Barylli einen Plot nach klassischem Operetten-Schema. Aber die Musik? Seit 1966 (Merci,Chérie) international erfolgreicher als alle anderen hatte der Jürgen Udo Bockelmann mit immer gleichem Tenor inzwischen mehr als 100 Mio Tonträger verkauft – und doch gab es auch nach 50 Karrierejahren und 50 Alben Leute, die - sagen wir - bei Konzerten nicht auf die Zugaben im weißen Bademantel warteten.

Joop van den Ende aber will sie alle. Und er kriegt sie alle: er setzte dem Udo am heimischen Flügel in Zumikon den Andrew-Lloyd-Webber-Arrangeur und Londoner West-End-Profi Michael Reed an die Klaviatur. Es muss ein Lernprozess gewesen sein, wie Jürgens – einst Autodidakt am Klavier – nun in Oberhausen wie zuvor anlässlich der Premieren in Hamburg, Wien und Tokyo (!) andeutete: Da jaulen plötzlich die Evita-Rock-Gitarren kontrapunktisch über manchem als Schmalz bekannten Jürgens-Schlager, erwacht die Swing-Ära beim spöttischen Chanson und jazzt auf einmal der Udo´sche Pop-Song. Auch stimmlich wurden die 20 Lieder aus einem nunmehr halben Jahrhundert Udo-Dauertournee anspruchsvoller arrangiert und damit vielfältiger als je. Die drei Millionen Besucher seit der Hamburger Premiere vor genau 5 Jahren zeigen: Joop hat sie wieder mal ALLE gekriegt.

Und auch in Oberhausen werden noch viele dazu kommen, die sich bislang nie als Udo Jürgens Fans sahen.
Zwei verliebte Senioren beschließen die Flucht aus dem Altersheim, so zwinkert das Libretto, um auf einem Kreuzfahrer nach New York zwecks Eheschließung (wie einst Udo Jürgens 1999) zu schippern. TV-Star-Tochter und Fotografen-Sohn samt Enkel (Mehrfach-Besetzung des 12jährigen auch aus dem Kreis Wesel!) finden über 20 Songs hinweg natürlich zueinander, flankiert von tanzenden, singenden Schiffsbewohnern. Nach guter alter Operetten-Art gibt´s auch Nebenrollen und ein Buffo-Paar, hier die beiden schwulen Stylisten der Diva:

Griechischer Wein ist wie das Blut der Erde...
Der eine Grieche, also liefern die Zwei den Anlass zu „Ehrenwertes Haus“ und „Griechischer Wein“. Bei „Merci Chérie“ nimmt neben dem Musikarrangement beißende Regie-Ironie diesem alten Schmelzofen jeden Kitsch, bei „66 Jahren“ rockt der 12jährige Junge mit Ray-Ban-Brille zu seinen iPod-headphones, bei „Bitte mit Sahne“ swingt das Ballett im Fat-Suit um Riesen-Torten.
Die es auf der Premierenfeier dann auf die Gabel gab. So funktioniert Joop van den Endes perfekt unterhaltsame Mischung auf Broadway-Niveau, mit Londoner Profi-Musik und mit Amsterdamer Weltläufigkeit, gespielt von Könnern, teils schon auf eigener Akademie ausgebildet! Mit dem gemalten Himmelblau auf der Bühne war er auch zufrieden. Kann er auch. Merci, Joop!
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