Bäckerei/Kolonialwarenhandlung Heinrich Droll

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Um 1932. Johann Droll (rechts), Friedrich Neuhaus (links) und Pferd „Fritz“ vor dem Haus Baustraße Nr. 31 in Osterfeld. Brotverkauf. In zeitloser Schönheit spiegelt diese Aufnahme wenig von der wirtschaftlichen und sozialen Misere, der politischen und nationalen Krise, die seinerzeit Deutschland beherrschte.
 
Oberhausen-Osterfeld, Kampstraße, Johann Droll und Hans Schang, um 1931
Bäckerei/Kolonialwarenhandlung Heinrich Droll

Unweit der Arbeitersiedlung Eisenheim ließ Friedrich Kusenberg im Jahr 1898 das Haus Fahnhorststraße 24 mitsamt einer angegliederten Bäckerei erbauen. Im Jahr 1906 übernahm Heinrich Droll das Haus und führte die Bäckerei unter eigenem Namen fort. Aus der im selben Jahr eingerichteten Kolonialwarenhandlung entwickelte sich bis ein Lebensmittelgeschäft, das als Familienbetrieb in der dritten Generation durch Heiner Droll fortgeführt wurde. Die Bäckerei Droll bestand bis ins Jahr 1980.

Im Jahr 1919 wurde der Bäckermeister Heinrich Droll der erste Obermeister der neu gegründeten Innung für Bäcker und Konditoren in Osterfeld. In diesem Amt blieb er bis 1929.

Bis 1925 gab es in der Backstube eine Teigmischmaschine, die – über ein Stangen- und Zahnradgetriebe (Göpel) – von einem Pferd angetrieben wurde, welches im Hof im Kreis trottete. Diese Teigmaschine hatte ein Fassungsvermögen von 5 Zentnern. Im Jahr 1925 wurde eine Elektro-Teigmaschine angeschafft, die – über 2 Transmissionsriemen – auch andere Maschinen antreiben konnte.

Für die Auslieferungs- und Verkaufsfahrten besaß die Bäckerei Droll von 1906 bis 1938 zwei geschlossene Pferdewagen und einen offenen Flachwagen, dazu 2 Pferde, die ihre Stallung im Hof Fahnhorststraße 24 hatten. Pferdepfleger und Auslieferungsgehilfe war Friedrich Neuhaus (geb. 01. Juli 1914). Im Jahr 1938 stellte man auf motorisierte Auslieferung um und kaufte einen Opel-Olympia.

Die Pferde-Kastenwagen der Bäckerei Droll wurden von der Osterfelder Wagenfabrik Heinrich Hüsken, Michelstraße 2, angefertigt. Das Mehl zum Backen lieferte die Osterfelder Futtermittelhandlung Wilhelm Hesse, Rothebuschstraße 49.

Die Verkaufsfahrten gingen über die Siedlungen Eisenheim und Stemmersberg bis hinauf nach Klosterhardt. Zeitweise wurden dort auch Kunden nördlich der Dorstener Straße beliefert, was aber wenig einbrachte und bald wieder eingestellt wurde, da dieses Gebiet vor dem 2. Weltkrieg nur dünn besiedelt war. Auch Osterfeld-Mitte und die Siedlung für GHH-Angestellte am Grafenbusch wurden beliefert. Zu den Kunden am Grafenbusch zählte damals auch der Hüttendirektor Paul Reusch.

Die Kolonialwarenhandlung Droll verkaufte vor dem 2. Weltkrieg auch Petroleum, Hühnerfutter (Droll war Mitglied im Geflügelzuchtverein Osterfeld-Heide) und Schweinefuttermehl für die Schweine in den Stallungen der Kolonie Eisenheim.

Heinrich Droll starb im Jahr 1944, die Bäckerei führte er noch bis 1941. Von 1941 bis 1946 lag die Geschäftsführung in den Händen seiner Frau Toni. Im Jahr 1943 wurde die Backstube, welche sich im Hinterhof befand, durch Bombentreffer schwer beschädigt, so dass man bis 1947 bei den Bäckereien Backenecker, Welschestraße 3, und Neerfeld, Sterkrader Straße 203, mitbacken ließ. Dafür halfen Familienmitglieder und angestellte Nachbarn der Drolls bei den genannten Bäckereien mit aus.

Bäckermeister Walter Neerfeld war als NSDAP-Parteigenosse von 1934 bis 1941 der erste Obermeister der – nach Auflösung der Zwangsinnungen – 1934 als Pflichtinnung zusammengelegten Bäcker-Innungen von Sterkrade, Osterfeld und Alt-Oberhausen.

1946/47, nach seinem Kriegseinsatz in Norwegen, übernahm der älteste Sohn, Johann Droll (geb. 24. Juni 1912; gest. 05. Juni 2000) die Leitung der Bäckerei und führte den Betrieb bis zur Geschäftsaufgabe im Jahr 1980 fort. Sein Bruder Werner lenkte derweil die Geschicke des Lebensmittelgeschäftes. Nach dem 2. Weltkrieg waren insbesondere die Babcock-Werke mit ihren 3 Kantinen, städtische Einrichtungen, wie das Luise-Schroeder-Heim, und das Waisenhaus in Osterfeld Hauptkunden. Allein die Babcock-Kantinen bestellten täglich bis zu 2000 Brötchen bei Droll, dessen Schwester Wilhelmine dort Kantinenleiterin war. Wilhelmines Ehemann sowie Heiner, Sohn des Werner Droll, waren ebenfalls Angestellte bei Babcock.

Die Bäckerei Droll beschäftigte stets zwischen 5 - 7 Bäckergesellen und Hilfskräfte. Zuletzt wurden täglich 2500 - 3000 Brötchen gebacken. Bei den städtischen Abnehmern gab es die Schwierigkeit, dass in einem festgelegten Turnus von je 3 Monaten die anliefernden Bäcker wechseln mussten. Dieses Verfahren führte bei der Bäckerei Droll zu starken Auslastungsschwankungen, die sich negativ auf die Personalpolitik des Betriebes auswirkten. Vor dem Jahr 1980 wurde noch ein zweites Auslieferungsfahrzeug gekauft, und zwar von der Lebensmittel-Großhandlung Stottrop (Gesto), bei deren Geschäftsaufgabe.

Bäckereien in Osterfeld (1934/35):
Anton Allermann, Heinrich Backenecker, Theodor Brinkert, Franz Brinkmann, Josef Broß, Heinrich Droll, Ewald Fürbach, Wilhelm Großeschmidt, Heinrich Keuschen, Franz Klein, Heinrich Koester, Johann Langenbusch, Bernhard Lattenkamp, Walter Neerfeld, Wilhelm Ronde, Wilhelm Stappert, Alfons Streuff, Franz Voget, Josef Weber, Josef Wischermann.

Reinhard Gebauer
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