Bau- und Möbelschreinerei Wilhelm Schulte-Hubbert

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Der „Erlenhof“ Schulte-Hubbert in Marl-Lippe, Familie Schulte-Hubbert, 1950
 
Franz Schulte-Hubbert mit Ehefrau Maria, geborene Verholen, Sterkrade, um 1900
 
Franz Wilhelm Schulte-Hubbert (* 15.12.1902; + 11.05.1981)
 
Osterfeld, Greenstraße 16, Belegschaft der Schreinerei Schulte-Hubbert, 1928
Bau- und Möbelschreinerei Wilhelm Schulte-Hubbert

Die Schreinerei Schulte-Hubbert wurde im Jahr 1898 an der Zechenstraße (heute: Vestische Straße) in Osterfeld gegründet. Die ersten Werkstattgebäude standen neben der Gaststätte „treuer Husar“ (später: Gaststätte „Schleuter“), schräg gegenüber dem Torhaus der Zeche Osterfeld. Im Jahr 1902 zog der Betrieb in den Neubau Greenstraße 16. Der letzte Umzug fand im Jahr 1956 statt, zur Elpenbachstraße 68, in Gebäude im Hinterhof, die zuvor der Schreinerei Voß als Werkstatt dienten. Die Betriebsaufgabe erfolgte im Jahr 1999. Die ehemaligen Werkstattgebäude stehen noch heute und beherbergen das Hilfswerk „Kinderkiste“ (Betreiber: Familie Remm).

Die Geschichte der Firma Schulte-Hubbert geht zurück auf die Geschichte eines westfälischen Bauerngeschlechts und die Geschichte einer Einwanderung aus dem agrarischen Umland ins industriell geprägte Ruhrgebiet seiner Zeit.

Wilhelm Schulte-Hubbert (80), Schreinermeister im Ruhestand, verfügt über Unterlagen, nach denen sich die Ursprünge seiner Familie bis ins Jahr 1286 zurückverfolgen lassen. Die Chronik „700 Jahre Hof und Familie Schulte-Hubbert, Erkenschwick“, verfasst von Dr. Bernhard Becker, K.H. Wewers und Klaus Winter, herausgegeben im Jahr 1997, hinterlegt im Stadtarchiv Oer-Erken-schwick, führt den Nachweis, dass im Jahr 1286, mit dem Verkauf des Hauses „Hupbractinc“ (Schulte-Hubbert) in Rapen (bei Haltern) durch die Brüder Cesarius und Bonefacius, genannt de Palude, an das Kloster Stoppenberg, der Hof- und Familienname erstmalig urkundlich genannt wird. Es folgt der Erwerb des Hofes durch das Kloster Flaesheim (bei Haltern) im Jahr 1297, die Erwähnung des „hoff to hubbertinch“ im ältesten Rechnungsbuch der Oberkellnerei Horneburg im Jahr 1425 und die Nennung des Johann „Huppertingh“ im Vestischen Lagebuch im Jahr 1660. Ab 1712 ist die Reihe der Hofaufsitzer auf „Schulte-Hubbert“ lückenlos nachweisbar.

Von diesem Stammhof „Schulte-Hubbert“ ausgehend zweigen in den Jahren zwischen 1775 und 1914 sechs Bauernhöfen ab, darunter der „Erlenhof“ in Marl-Lippe, der heute von den Eheleuten Elisabeth und Hugo Schulte-Hubbert bewirtschaftet wird. Die Sippe verzweigt sich in Westfalen und am Niederrhein.

Franz Schulte-Hubbert (* 17.07.1873; + 21.02.1923), Zimmermeister, Großvater des Wilhelm Schulte-Hubbert, wurde auf dem „Erlenhof“ in Marl-Lippe geboren; im Jahr 1898 gründete er in Osterfeld ein Zimmergeschäft. Seine Brüder, Johann Wilhelm (* 11.06.1864; + 12.12.1938) und Josef (* 20.08.1861; + 04.05.1930) gründeten im Jahr 1895 in Sterkrade eine Bauunternehmung. Josef Hugo Schulte-Hubbert (* 02.12.1899; + 04.04.1947), Sohn des Johann Wilhelm Schulte-Hubbert, machte sich später in Sterkrade mit einer Schreinerei selbstständig.

Bevor er mit seinem Ersparten einen eigenen kleinen Betrieb gründete, ging Franz Schulte-Hubbert als Schreiner-Geselle auf die Wanderschaft. Sein Wanderbuch liegt heute im Osterfelder Kolping-Archiv. Anschließend arbeitete er in Osterfeld in der Schreinerei der Bauunternehmung Lankers (die Schreinerei befand sich im ehemaligen Hof Brahmhof). Seine spätere Ehefrau arbeitete dort als Angestellte im Haushalt.

Franz Schulte-Hubbert war verheiratet mit Maria Verholen aus Xanten, geboren am 11.01.1876, gestorben im Alter von 44 Jahren am 18.07.1920 in Oberhausen während der großen Cholera-Epidemie (Ursache: Hochwasser der verseuchten Emscher), die damals im Osterfelder Greenviertel in fast jedem Haus Tote forderte. Das Ehepaar hatte 11 Kinder, von denen 6 überlebten.

Der Betrieb entwickelte sich weiter zur Bau- und Möbelschreinerei und wurde 1902 zur Greenstraße verlagert, in ein Wohnhaus mit angeschlossener Werkstatt, das die Sterkrader Bauunternehmer Josef und Johann Wilhelm Schulte-Hubbert für ihren Bruder Franz neu errichten ließen.

Von 1898 bis 1922 führte der Firmengründer Franz Schulte-Hubbert selbst den Betrieb. Direkter Nachfolger wurde Sohn Franz Wilhelm Schulte-Hubbert (*15.12.1902; + 11.05.1981), der seinem Sohn Wilhelm am 01.01.1968 das Familienunternehmen überließ. Als Firmeninhaber leitete Wilhelm Schulte-Hubbert (* 22.11.1929; + 18.05.2014) die Schreinerei bis zur Betriebsaufgabe im Jahr 1999.

Ursprünglich sollte Franz Wilhelm Schulte-Hubbert Metzger werden; sein Bruder Josef sollte das Schreinerhandwerk beim Vater erlernen. Doch der Tod des Bruders im Alter von 15 Jahren änderte die Pläne. Als dann auch noch der Vater in den schwierigen Zeiten nach dem 1. Weltkrieg im Alter von 49 Jahren verstarb, musste der erst 20jährige Franz Wilhelm die Verantwortung übernehmen. Um den Schreinereibetrieb „über die Runden“ zu retten, arbeitete er zeitweise (1921) auch als Bergmann auf der Zeche Osterfeld.

In den folgenden Jahren gelang es ihm, den Betrieb auszubauen und über die Inflationszeit zu bringen. Im Rahmen familiärer Hilfeleistung unterstützte man sich gegenseitig; z.B. kam der Schreiner Josef Schulte-Hubbert – zu Fuß und mit einer Ziehkarre – mit unfertigen Türrahmen von Sterkrade nach Osterfeld, um an der Kettenfräse des Cousins Schlitze und Zapfenlöcher zu stemmen, da er vor dem 2. Weltkrieg selbst noch keine solche Maschine in seiner Werkstatt hatte.

Die nationalsozialistische Zeit brachte allerlei Betriebsstörungen. Alle Gesellen waren im Krieg, nur noch der Lehrling Werner Hugemann von der Kampstraße hielt mit vier französischen Kriegsgefangenen „die Stellung“.

Franz Wilhelm Schulte-Hubbert galt als „politisch unzuverlässig“, da er nicht NSDAP-Mitglied war. Im Jahr 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Auf dem Rückzug der deutschen Truppen aus Südfrankreich geriet er als Soldat der Wehrmacht in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, woraus er im Juni 1945 vorzeitig entlassen wurde, weil er sich als Bahnbediensteter ausgab.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde er politisch aktiv und bewarb sich um ein Mandat. Ein Zeitungsartikel vom 15.12.1977, der zu seinem 75. Geburtstag erschien, nennt seine Verdienste: Franz Wilhelm Schulte-Hubbert war von 1948 bis 1956 CDU-Stadtverordneter in Oberhausen. Er war 27 Jahre stellvertretender Obermeister der Tischler-Innung, Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugenossenschaft „Heimbau e.G.“ und Sparkassenrat. Außerdem war er im Finanzausschuss des Finanzamtes und im Kirchenvorstand der St. Pankratius-Gemeinde Osterfeld. Er hatte 5 Kinder, 10 Enkelkinder und betrieb Rassegeflügelzucht als Hobby.

Um 1955, zu Zeiten des Betriebs an der Greenstraße 16, wurde – in Ermangelung einer Trockenkammer – das zugeschnittene Holz an der Hochstraße, beim Bäcker Dönnhoff, oberhalb des Backofens nachgetrocknet. Später wurde der Schreinerei endgetrocknetes Holz von Holzgroßhandlungen in Gelsenkirchen oder Krefeld direkt angeliefert.

Wilhelm Schulte-Hubbert lernte nach dem 2. Weltkrieg im Betrieb seines Vaters das Schreinerhandwerk. Bedingt durch seine Einberufung zum Kriegsdienst und anschließender mehrjähriger Kriegsgefangenschaft in Tschechien, erhielt er lediglich eine Bescheinigung der Osterfelder Mittelschule. Dennoch wurde er als Schreiner im November 1958 zur Meisterprüfung in Düsseldorf zugelassen. Die geschwungene Holztreppe in seinem Wohnhaus ist zugleich seine Meisterarbeit. Mit seiner Frau Christa hat er zwei Töchter.

Die Schreinerei Schulte-Hubbert fertigte aus Holz Treppen, Türen, Fenster und Theken, aber auch Parkettböden wurden verlegt und Zimmerdecken eingezogen. Aufträge erteilten, zum Beispiel, die „Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Osterfeld“ oder auch die „Heimbau, Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft“. Ein weiteres Standbein der Firma waren die zahlreichen Privatkunden.

Gern erinnert sich Wilhelm Schulte-Hubbert an einen besonderen Kundenauftrag aus dem Hunsrück. Damals hatte er eine dreiflügelige Zwischentür der St. Bernaduskirche in Sterkrade aus einem Container gerettet, aufgeteilt, umgebaut und in ein Bauernhaus eingebaut, deren Besitzer eine Pferdezucht betrieben. Dafür erwarb er auch noch einen gusseisernen Anbindepfahl mit Pferdekopf aus dem ehemaligen Pferdestall der GHH und transportierte diesen in den Hunsrück. In einem anderen Fall baute er in Bottrop eine Fensterscheibe (Bleiverglasung) aus, die ein im Jahr 1942 in Russland gefallener Glaser ein Jahr zuvor als Gesellenstück angefertigt hatte, und setzte diese als Türverglasung in eine Wohnungstür seines Hauses ein.

Die erste Auftragsarbeit, die Wilhelm Schulte-Hubbert 1968 als Selbstständiger zu leisten hatte, war, im Sterkrader Gebäude der Haus- und Grundbesitzervereinigung eine Holztreppe zu sanieren und umzubauen, die der Großvater Jahr-zehnte zuvor dort eingebaut hatte. Auch die Besitzer der Kornbrennerei Schulte-Ostrop im Gutshaus in Buschhausen waren in den 1970er Jahren Kunden der Schreinerei Schulte-Hubbert. Für die Wohnräume des Wilhelm Schulte-Ostrop fertigte man Fenster aus Eichenholz; im Kontor wurden die Fußböden ausgebessert. Für Josephine Schulte-Ostrop wurde ein Bücherschrank aus dem teuren Holz der Zirbelkiefer geschreinert. Im Jahr 1988 fertigte Wilhelm Schulte-Hubbert ein Holzkreuz für das Ehrenmal auf dem Dilldorfer Friedhof in Essen-Kupferdreh.

Pläne, die Werkstatt an der Elpenbachstraße auszubauen, scheiterten, weil die Umgebung als reines Wohngebiet ausgewiesen wurde und die Auflagen immer höher wurden. Noch im hohen Alter wußte Wilhelm Schulte-Hubbert, wenn er durch Oberhausen ging, in welchen alten Häusern noch Spuren seiner eigenen Handwerkskunst und Werkstücke, z.B. Türen und Treppen, die sein Großvater dort vor 100 Jahren einbaute, zu finden sind.

Reinhard Gebauer
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