Hufbeschlagsschmiede und Fahrzeugbau Heinrich Hüsken

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Hufbeschlagsschmiede und Fahrzeugbau Heinrich Hüsken, Osterfeld, Michelstraße 2, um 1910. Die szenische Vielfalt ermöglicht dem Betrachter den ökonomisch-sozialen Kontext zu rekonstruieren. Es offenbart sich ein Mikrokosmos, der vom Industriekapitalismus und der herannahenden automobilen Revolution bereits zu Tode bedroht ist.
 
Oberhausen-Osterfeld, Michelstraße 2, um 1980
Hufbeschlagsschmiede und Fahrzeugbau Heinrich Hüsken

Der Schmiedemeister Heinrich Hüsken, geboren am 24. Juli 1860 in Osterfeld, gestorben am 6. September 1927, war verheiratet seit dem 17.11.1887 mit Anna Maria, geborene Steinhaus, geboren am 17.03.1865 in Vonderort, gestorben am 19.07.1946, Tochter des Franz Steinhaus vom Steinhaus-Hof.

Das Foto zeigt (von rechts nach links): Heinrich Hüsken, seine Kinder Johann (* 26.09.1896), Anna (* 04.03.1903), Paul (* 21.12.1904; + 30.05.1982; Heirat am 04.08.1938 mit Maria Wischermann) und Franz (* 18.02.1888; + 21.04.1966). Des weiteren August Steinhaus (* 24.08.1882 in Osterfeld, + 24.12.1937 in Bottrop, Bruder der Maria Steinhaus; Heirat am 09.06.1920 mit Gertrud Lohmann), Heinrich (* 09.08.1898) und einen unbekannten Mitarbeiter. Das Gebäude im Hintergrund wurde im Jahr 1874 erbaut und stand zum Wohnhaus umgebaut bis ins Jahr 1985.

Heinrich Gläßer (11. Juli 1909 – 14. Juni 1993), Stadtoberamtmann a. D., schrieb im Jahr 1990 in seinen Erinnerungen an den „Platen-Hennok“, Schmiedemeister Heinrich Hüsken mit seiner weithin bekannten Osterfelder „Dorfschmiede“: „Die Eheleute Heinrich Hüsken und Maria, geborene Steinhaus, hatten zehn Kinder: Maria, Traudchen (Gertrud), Mimi (Wilhelmine), Emma, Fine (Josephine), Änne (Anna), Franz, Hännes (Johann), Heini (Heinrich) und Paul.

Die Familie galt zu den angesehenen und wohlhabenden Bürgern von Osterfeld. Als die pferdebespannten Wagen durch Motorfahrzeuge verdrängt wurden, fehlte dem Schmiedemeister Hüsken durch verlorene Kriegsanleihe und die eingetretene Inflation das notwendige Kapital für eine Betriebsumstellung auf Kraftfahrzeugbau. Nach seinem Tode geriet das Unternehmen Hüsken in Konkurs.

Der nachfolgende Besitzer hatte Ende der zwanziger Jahre das große Wohnhaus in ein Mehrfamilienhaus umbauen und die gesamten gewerblichen Anlagen (Schmiede, Lackiererei, Polsterei und Wagenschuppen) abreißen lassen. Dafür wurden ein großes Wohnhaus mit Ladenlokal (Lebensmittel „Stein“) und Autogaragen gebaut.

Das umgebaute alte „Hüskens Haus“ haben die Erben des damaligen „Konkurs-Erwerbers“ am 20. Dezember 1985 abbrechen lassen.“

Wilhelm Schulte-Hubbert (80), Schreinermeister im Ruhestand, erinnert sich: „Der Konkurs-Erwerber hieß Aloisus Porbadnygk. Er war Maurerpolier (Vorarbeiter) bei der Firma Johannes Küppers, Bauunternehmung, Bergstraße 79-81 in Osterfeld.

Auf dem Gelände der ehemaligen Schmiede Hüsken fertigte Aloisus Porbadnygk in der Zeit des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg Betonstürze an, die beim Hausbau als Druckfänger, zum Beispiel über Türen und Fenstern, Verwendung fanden. Seine Tochter Hedwig, verheiratete Stein, betrieb das Lebensmittelgeschäft im Neubau an der Michelstraße 2a.

Über Franz Hüsken ist noch bekannt, dass er den Spitznamen „Kotelett-Franz“ erhielt, weil er für die Zubereitung des Essens der Mitarbeiter der Schmiede seines Vaters zuständig war. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg arbeitete Franz Hüsken als Bote im Osterfelder Marien-Hospital.“

Laut Wohnungsbuch der Stadt Osterfeld 1927 hatten die im Haus Michelstraße 2 wohnhaften Angehörigen der Familie Hüsken folgende Berufe: Franz
(Lackierer), Gertrud (Hausangestellte), Heinrich (Schmiedemeister), Heinrich (Schmied), Johann (Schmied), Josephine (*16.08.1900), Paul (Schmied), Wilhelmine (Modistin; *20.03.1893).

Im „Adreßbuch der Stadt Osterfeld 1921“ sind folgende Schmieden/Wagenbauer eingetragen: Franz Berns, Zechenstraße 4 (heute: Vestische Straße); Heinrich Hüsken, Michelstraße 2; Hermann Kauke, Hauptstraße 6 (heute: Bottroper Straße); Carl Kramer, Dammstraße (lag zwischen der Malzstraße und der Vestische Straße); Martin Rattey, Westerholtstraße 5.

Stellmacher waren: Bernhard Hüsken (Cousin des Heinrich Hüsken), Sterkrader Straße 83 (heute: Vestische Straße); Johann Siepert, Bottroper Straße 28; Reinhard Tünniken, Fahnhorststraße 44.

(Die Lebensdaten der Mitglieder der Familien Hüsken und Steinhaus entstammen größtenteils dem "Familienbuch der Familien Noll und Steinhaus" des Familienforschers Hans-Dieter Steinhaus in Bad Homburg.)

Reinhard Gebauer
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