Stanislaw Petrow in Oberhausen

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Helmut Höhn, Stanislaw Petrow und Karl Schumacher in Frjasino, Russland, 1998
 
Stanislaw Petrow auf dem Gasometer, Oberhausen, April 1999
Stanislaw Petrow in Oberhausen

Im Jahr 1983 droht der „Kalte Krieg“ der Supermächte USA und Sowjetunion zu eskalieren. US-Präsident Ronald Reagan beendet nach seinem Amtsantritt die Abrüstungsgespräche und bezeichnet in seinen Reden die Sowjetunion als "Reich des Bösen", mit dem es keine Koexistenz geben könne. Der sowjetische Staatschef Jurij Andropow nimmt Reagan wörtlich und rechnete fest mit einem amerikanischen Überraschungsangriff.

Am 26. September 1983 ereignet sich im russischen Kontrollzentrum zur Früherkennung amerikanischer Angriffe ein Vorfall: Sowjetische Satelliten haben, erst einen, dann weitere Raketenstarts im Mittelwesten der USA erkannt. Diese Meldungen über anfliegende Interkontinentalraketen machen binnen Minuten eine Entscheidung über einen Gegenschlag erforderlich. Der diensthabende Offizier Stanislaw Petrow bewahrt die Nerven und bewertet die plausiblen Informationen des als zuverlässig geltenden Systems aus einem Bauchgefühl heraus als Fehlalarm. Ursache des Fehlalarms sind Reflexionen der Sonne in der Atmosphäre, die in das Objektiv des Satelliten hinein spiegeln, genau über einer amerikanischen Raketenbasis.

Die ganze Geschichte bleibt ca. 10 Jahre unbekannt, bis dann Petrows Name in einem russischen Militärblatt auftaucht. Im September 1998 erscheint ein Bericht in der Zeitung „BILD“ unter dem Titel: „Der Mann, der den Atomkrieg verhinderte“.

Aufmerksam geworden, nimmt der Osterfelder Bestattungsunternehmer Karl Schumacher Kontakt zur Zeitung auf und erfragt Petrows Anschrift. Schumacher lässt der Gedanke nicht mehr los, dass er etwas für den Mann unternehmen muss, der einen Atomkrieg verhinderte und damit die Welt rettete. Er und sein Freund Helmut Höhn fliegen im Dezember 1998 auf eigene Kosten nach Russland, besuchen den einstigen sowjetischen Oberstleutnant Stanislaw Petrow in Frjasino (50 km von Moskau entfernt) und laden ihn dabei zu einem Besuch nach Oberhausen ein.

Helmut Höhn, Diplom-Mathematiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Duisburg, verheiratet mit der Politikerin Bärbel Höhn (Bündnis 90/Die Grünen), ehemaliger Klassenkamerad Schumachers auf dem Sterkrader Gymnasium, verfügt über Grundkenntnisse in der russischen Sprache.

Petrow verfügt in Frjasino über eine mietfreie Offizierswohnung in einem großen Wohnblock aus den 1970er Jahren und lebt von einer bescheidenen monatlichen Rente (1000 Rubel). Höhn und Schumacher besprechen alle notwendigen Formalitäten in Russland und Deutschland und statten ihn mit den notwendigen finanziellen Mitteln aus, damit er nach Deutschland fliegen kann.

Im April 1999 ist Stanislaw Petrow für 14 Tage zu Besuch in Oberhausen. Vertreter der Stadt empfangen ihn im Oberhausener Rathaus. Berichte über Petrows Besuch erscheinen in den örtlichen Tageszeitungen. Er gibt den Fernsehsendern SAT1 und dem WDR Interviews und in der Oberstufe des Sterkrader Sophie-Scholl-Gymnasiums eine Geschichtsstunde.

Besonders beeindruckt ihn der Besuch in Eisenheim. Prof. Dr. Roland Günter erinnert sich noch gut an den Besucher aus Russland: „Es waren schon viele berühmte Persönlichkeiten hier in Eisenheim, aber einen Menschen, der die Welt vor dem Atomkrieg bewahrte, hat man nur selten zu Gast.“ Zum 30. Jahrestag des Ereignisses war die Anbringung einer Gedenktafel in Eisenheim geplant.

Zuletzt, während des Aufenthaltes auf Madagaskar, sprach Karl Schumacher mit dem Osterfelder Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Pflugbeil über die Möglichkeit, einen Weg im Park an der Kirche St. Josef, Osterfeld-Heide, nach Stanislaw Petrow zu benennen.

Mittlerweile hat die Weltöffentlichkeit die Bedeutung von Stanislaw Petrow und seiner Geschichte erkannt. Am 21. Mai 2004 wurde ihm in New York der World Citizen Award für Verdienste um die Menschheit verliehen. Auch in seiner russischen Heimat blieben die Ehrungen nicht aus. Seitdem hat er dort, wie er selbst sagt, „keine ruhige Minute“ mehr.

Im Jahr 2013 war Stanislaw Petrow für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Reinhard Gebauer
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Siegfried Räbiger aus Oberhausen | 07.11.2015 | 10:40  
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