Alter und Pflege

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Oberhausen: Rathaus | Am Dienstag (17. November) wurde der achte Barmer Gek-Pflegereport (2015) präsentiert. In Oberhausen ist derzeit jeder 5. (fünfte) über 65 Jahre, dies mit zunehmender Tendenz, bei vielleicht abnehmender Bevölkerung. Im Jahr 2060 werden durch die neue Definition der Pflegebedürftigkeit geschätzt 4,52 Millionen Menschen gepflegt werden. In der Republik wären 221.000 mehr, als bisherige Prognosen erwarten ließen. Den größten Anteil (176.000) an dem zu erwartendem Zuwachs werden dem Report zufolge pflegebedürftige Männer stellen. Die Studie zeigt auch, dass der Anteil hochbetagter Pflegebedürftiger stark wachsen wird. 60 Prozent der pflegebedürftigen Männer und 70 Prozent der pflegebedürftigen Frauen werden im Jahr 2060 85 Jahre oder älter sein.

Der Report zeigt, dass die Kapazitäten in der ambulanten und stationären Pflege schneller gewachsen sind als die Zahl der Pflegebedürftigen. So sei die Zahl der Pflegebedürftigen in den Jahren 1999 bis 2013 um etwa 30 Prozent gestiegen, die Bettenzahl im stationären Bereich dagegen um 39,9 Prozent und die Zahl der Pflegedienstbeschäftigten, in Vollzeitäquivalenten gerechnet, sogar um 70 Prozent.

Die stationären Betten vermindern sich allein durch die Schließung eines DRK-Heimes. Die Ersatzbauten fangen die ca. 95 Minderbetten nicht auf. Dem örtlichen Träger der Sozialhilfe kommt wieder ein bestimmendes Recht bei der Planung und dem Betrieb stationärer Einrichtung zu. Umso wichtiger ist eine fundierte Berichterstattung und Zukunftsplanung.

Die Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen von rund 2,0 Mio. im Jahr 1999 auf 2,6 Mio. im Jahr 2013 ist daher praktisch ausschließlich auf die demographische Alterung zurückzuführen.

Relevant für Kostenträger, Leistungserbringer, Pflegebedürftige und pflegende Angehörige ist aber nicht nur, ob jemand pflegebedürftig wird, sondern auch in welchem Umfang. Von den im Jahr 2013 verstorbenen Männern waren gut 22 % über zwei Jahre pflegebedürftig. Bei den Frauen liegt dieser Anteilswert mit knapp 41 % fast doppelt so hoch.

Großer Bedarf an altersgerechtem Wohnraum
Rund 20 % aller Wohneinheiten in Deutschland werden als altengerecht beurteilt.
Spannend ist, wieviel Haushalte in Oberhausen, in denen mindestens eine pflegebedürftige Person lebt, sind nicht altengerecht ausgestattet. Zudem scheint die Inanspruchnahme von Pflegediensten kompensatorisch für nicht altengerechten Wohnungen zu wirken, da der Anteil der altengerechten Wohnungen unter den Sachleistungsempfängern niedriger ist als unter den Geldleistungsempfängern. Vor dem Hintergrund der in Zukunft zunehmenden Zahl Pflegebedürftiger zeigt sich ein erheblicher Bedarf, der beziffert werden kann.
Dies erklärt die Vielzahl der ambulanten Anbieter in Oberhausen.

Verteilung auf Pflegestufen
Nach dem Report nahm der Anteil der Pflegebedürftigen in Pflegestufe I kontinuierlich zu, von 46,3 Prozent im Jahr 1999 auf 56,1 Prozent im Jahr 2013. Die Anteile in Pflegestufe III nahmen von 14,5 Prozent auf 11,9 Prozent und in Pflegestufe II von 39,2 auf 32,0 Prozent ab. Der Report der Pflegekasse folgert: „Die "Pflegelast" je Pflegebedürftigen nimmt also ab.“ Dies zeigt die Einstufungspraxis des medizinischen Dienstes. Wie steht es damit in Oberhausen.

Finanzentwicklung
Die Einnahmen der Pflegeversicherung stiegen von 8,41 Milliarden Euro im Jahr 1995 auf 25,91 Milliarden Euro im Jahr 2014 an. Diese Anstiege sind primär auf mehrere Anhebungen des Beitragssatzes zurückzuführen. Mit dem Pflegestärkungsgesetz II wird der Beitragssatz zum 1. Januar 2017 auf 2,55 beziehungsweise 2,8 Prozent (für Kinderlose) ansteigen. Es ist damit keine Wohltat der Bundesregierung oder des CDU Ministers Gröhe.

Vor der Tür steht der Altenpflegebericht der Stadt Oberhausen per 31.12.2015. Die nächste Sitzung der Kommunalen Konferenz „Alter und Pflege“ nach § 8 APG tagt am 2.12.2016.
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