BUND-Kreisgruppe Oberhausen: Ökologische und nachhaltige Aspekte für die Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 berücksichtigen

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Es ist zu begrüßen, dass in unseren Medien den Argumenten zur Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 ein breiter Raum gegeben wird. Wir vermissen in der Debatte allerdings die Berücksichtigung der folgenden Aspekte:

1. Mehr Klimaschutz

Etwa ein Fünftel der jährlichen Treibhausgase entstehen hierzulande aktuell bei der Bewegung von Menschen und Gütern und die CO2-Emissionen sind in der Gesamtbilanz im Gegensatz zu Entwicklungen in anderen Sektoren in den vergangenen Jahren sogar gestiegen. Für etwa 95 Prozent der CO2-Emissionen des Verkehrs ist dabei allein der Straßenverkehr verantwortlich. 2014 war wieder einmal ein Rekordjahr, nämlich das wärmste seit 1880. Die Folgen des Klimawandels durch Stürme und Überschwemmungen schockieren, scheinen aber nicht wirklich zum Umdenken und Handeln zu motivieren. Wissenschaftler betrachten den Verkehr in Deutschland zu Recht als Sorgenkind des Klimaschutzes. Zugleich lässt sich hier aber auch besonders viel "bewegen". Das Themenfeld Mobilität zeigt par excellence, wie viele Synergieeffekte sich mit Klimaschutz erzielen lassen. Wenn beispielsweise eine Stadt ihren Bürgerinnen und Bürgern den Umstieg auf Rad und Bahn leicht macht, dann hat das viele Wirkungen für Mensch, Umwelt und Gesellschaft direkt vor Ort sowie für den globalen Klimaschutz. Städte, wie z.B Ulm oder Freiburg, die ihren Nahverkehr mit Straßenbahnen ausgebaut haben, beweisen durch den Anstieg der Fahrgastzahlen, dass ein attraktiver ÖPNV tatsächlich auch angenommen wird und zur Entlastung der Verkehrsströme und ihrer klimaschädlicher Folgen beiträgt. Oberhausen sollte sich an diesen Beispielen orientieren.

2. Reduzierung der Verkehrsemissionen, die Mensch und Natur schädigen

Hinter dem harmlosen Namen Feinstaub verbergen sich tödliche Gefahren: Staubpartikel, wegen ihres Durchmessers von weniger als 10 Mikrometer auch PM10 (particulate matter – partikelförmige Stoffe) genannt, gelangen ungehindert in die Lunge und können dort Entzündungen, Wucherungen, Asthma, Bronchitis und Krebs auslösen. Ultrafeine Stäube finden sogar den Weg in die Blutbahn; mögliche Folgen: Herzinfarkt, Schlaganfall. Ungefähr die Hälfte der Feinstaubpartikel stammt aus dem Verkehr (die andere Hälfte besteht aus Baustaub, Abgase aus Industrie und Heizungen). Vor allem PKW und LKW mit Dieselantrieb sind für den Feinstaub verantwortlich, denn beim Verbrennen von Dieselkraftstoffen gelangen ultrafeine Rußpartikel in die Luft. Dazu gesellen sich Partikel aus Reifenabrieb und aufgewirbelter Straßenstaub. Kein Wunder, dass an Hauptverkehrsstraßen, wie z.B. der Mülheimer Straße, die größten Feinstaubbelastungen auftreten.
Stickoxide (NOx) entstehen bei der Verbrennung von fossilen Kraftstoffen, zum Beispiel beim Betrieb von Benzin- oder Dieselmotoren. Vor allem Stickstoffdioxid (NO2) schädigt Bronchien und Lungen und verursacht Halsschmerzen und Asthma. Für die Pflanzenwelt ist der saure Regen ein besonderes Problem: Bei hoher Luftfeuchtigkeit entsteht aus NOx Salpetersäure (HNO3). Diese greift die Bäume an Blättern und, da sie den Boden übersäuert, Wurzeln an. der überwiegende Teil des NO2-Ausstoßes hängen mit dem Verkehr zusammen.
Unter Sonneneinstrahlung entsteht aus NOx Ozon (O3). Grundsätzlich ist Ozon erwünscht, allerdings nicht in Erdnähe, sondern in der Stratosphäre, wo es die für Menschen schädliche UV-Strahlung der Sonne absorbiert. Direkt über dem Boden wirkt es jedoch giftig. Erhöhte Ozonbelastung führt zu Husten, Augenreizung, Kopfschmerzen und stört die Lungenfunktionen. Nicht nur Menschen und Tiere leiden unter den im Sommer erhöhten Werten, auch Pflanzen nehmen Schaden.
In Ruhrgebietsstädten wie Essen, Oberhausen und Bochum gibt es landesweit die meisten neuen Krebserkrankungen. Andere Städte, wie zum Beispiel Krefeld, haben deutlich geringere Krebsraten. Das zeigen neue Zahlen des NRW-Krebsregisters. Die Ursachen hierfür sind auf viele Faktoren zurückzuführen. Dennoch gilt: Eine Verringerung der Schadstoffbelastung minimiert das Risko an Krebs zu erkranken bzw. ist ein Beitrag zu mehr Gesundheitsschutz.

3. Nachhaltige Mobilität muss attraktiver werden

Grundlegendes Ziel einer modernen Verkehrs- und Umweltpolitik muss es sein, die gesellschaftlich notwendige Mobilität möglichst attraktiv und gleichzeitig umweltverträglich zu gestalten. Die Verlängerung der Sraßenbahnlinie 105 könnte wirkliche Alternativen für Autofahrer schaffen, z.B. für die Fahrt zum Einkauf oder zum Arbeitsplatz. Dabei spielen Fahrtzeitverkürzungen aber auch mehr Fahrkomfort eine große Rolle. Ob mit Kinderwagen oder Rollator, in der Straßenbahn ist das Fahren bequemer. Auch die Möglichkeit ohne Umsteigen von A nach B zu kommen, ist für viele Menschen ein wichtiges Kriterium. Entlang der Straßenbahntrasse soll es Radwege geben, auch das ist ein wichtiger Beitrag zum nachhaltigen Klimaschutz.

Die Straßenbahnlinie 105 könnte, wenn sie gebaut würde, zu den oben genannten Aspekten einen positiven und nachhaltigen Beitrag leisten. Deshalb setzt sich die BUND-Kreisgruppe Oberhausen für die Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 ein.
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