Der Mann, der den Atomkrieg verhinderte - Stanislaw Petrow -

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Buchcover Westendverlag (Foto: Westendverlag)
Frankfurt: Westendverlag |

Wer rettet uns das nächste Mal? Von Ingeborg Jacobs

26. September 1983:Um null Uhr fünfzehn meldet das Computersystem den höchstwahrscheinlichen Start einer amerikanischen Interkontinentalrakete. Dreiwochen zuvor hatte die UdSSR ein koreanisches Zivilflugzeug mit 269 Passagieren abgeschossen und Ronald Reagan sprach vom Reich des Bösen (evil empire). Die Autorin und Filmemacherin schildert nicht nur eine der dramatischsten Situationen des Kalten Kriegs, die erst 10 Jahre später öffentlich wurde. Sie hinterfragt: Wer war und ist heute dieser Mann, der die Welt rettete? In welchem historischen Kontext geschah dies? Was bedeutet das für heute, was können wir daraus lernen? Und wer rettet uns das nächste Mal, denn ein neuer Kalter Krieg ist nicht ausgeschlossen?

Wäre es heute nochmals möglich, dass ein kommandierender Offizier, wie Oberstleutnant Stanislaw Petrow, willentlich entscheidet? Mit seiner Einschätzung über die Frage nach einem atomaren Gegenschlag wird er zum Mann, der die Welt rettet. War dies eine einmalige geschichtliche Situation im ersten Tauwetter bei noch bestehenden „Eisernen Vorhang“. Die Antwort findet sich im Buch.

In einer geheimen und verbotenen Stadt, 90 km südlich von Moskau, tritt Oberstleutnant Stanislaw Petrow seinen Dienst als Leiter der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung an. Scheinbar ein Arbeitstag wie jeder andere. Doch um null Uhr fünfzehn geht für Stanislaw Petrow die Hölle los: Viermal wird der dreifach gespiegelte Computer in den nächsten Minuten den Start einer amerikanischen Interkontinentalrakete melden. Viermal bleibt Petrow bei seiner Einschätzung, es findet kein US-Atomangriff auf die Sowjetunion statt. 20 bis 25 Minuten benötigte damals, heute nur Sekunden, eine amerikanische Rakete bis sie den sowjetischen Luftraum erreicht. Weniger Zeit wenn sie nicht von einem U-Boot startet. Die Zeit verstreicht und es passiert – nichts. Der Schritt in den dritten Weltkrieg, den Atomkrieg, findet zum Glück für die Menschheit nicht statt.

Ingeborg Jacobs erzählt spannend nicht nur die Geschichte des bescheidenen, heute 75 jährigen Pensionisten, Stanislaw Petrow, der sich verantwortlich für die Menschheit zeigte. Sie vermittelt das Denken und Werden nicht nur in der UdSSR unter Stalin bis heute. Sie wendet sich gegen eine Dämonisierung und gegen eine Verharmlosung der Probleme in einer Zeit, in der ein neuer Kalter Krieg droht. Dieser kann nur durch das Vier-Augen-Prinzip und die Intuition des Menschen verhindert werden, nicht bei Einsatz künstlicher Intelligenz. Nur wer sein Gegenüber als Ganzes ernst nimmt und versteht, kann ein friedliches Europa bewahren. Ein sehr lesenswertes Buch; es regt mit den Anmerkungen zum Nachdenken an.

Erschienen als Hardcover mit 240Seiten im Westendverlag unter ISBN: 978-3-86489-111-3 auch als E-Book erhältlich

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