GEW Oberhausen: Ungünstige Standortbedingungen sind keine „Beruhigungungspillen für Schulen“ sondern Ergebnisse verfehlter neoliberaler Politik

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Die Ergebnisse der aktuellen Lernstandserhebungen für Oberhausen sind keine wirkliche Überraschung, wenn man die sozialen Rahmenbedingungen und die bildungspolitische Mangelverwaltung kennt.

Eine im Oktober 2012 veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigte auf, dass in Oberhausen fast jedes dritte Kleinkind in Armut aufwächst. Bei dem kürzlich ausgewerteten Delfin-4-Sprachtest bei vierjährigen Kindern wurde festgestellt, dass jedes dritte Kind Sprachförderung benötigt, um beim Schulstart keine Probleme zu bekommen.

Dass zehn Prozent der Achtklässler kaum lesen können, erscheint in diesem Zusammenhang als Folge der Versäumnisse bei der Förderung der Sprachkompetenzen und fehlender Unterstützung im sozialen Kontext, z.B. durch Schulsozialarbeit. Die Zusammenhänge zwischen Bildungschancen und der sozialen Lage der Familien, in denen die Kinder aufwachsen, sind vielfach bestätigt.

Wenn der FDP-Landtagsabgeordnete Ralf Witzel die Ergebnisse der Lernstandserhebungen so interpretiert, dass die Schulen die ungünstigen sozialen Standortbedingungen in Oberhausen als „Beruhigungspille“ sehen und „sich darauf ausruhen könnten“, so ist das kaum nachvollziehbar und muss aus Sicht der GEW Oberhausen klar zurückgewiesen werden. Lehrerschelte wird der traurigen Realität der Lernstandsergebnisse in keiner Weise gerecht. In Oberhausener Schulen tragen Lehrerinnen und Lehrer trotz immer schwieriger werdenden Bedingungen mit erheblichen und oft von persönlichem Idealismus getragenen Anstrengungen dazu bei, dass Kinder und Jugendliche bestmöglich gefördert werden. Interessierte Bildungspolitiker können sich in den Schulen darüber jederzeit informieren.

Es wäre zu begrüßen, wenn der FDP-Politiker Ralf Witzel zur Unterstützung dieser Bemühungen in Oberhausener Schulen beitragen und sich dafür einsetzen würde, dass die kommunale Finanzierung dahingehend reformiert wird, dass in Kommunen mit Kinderarmut und signifikanten Bildungsbenachteiligungen mehr Geld für Frühförderung und schulische Bildung zur Verfügung gestellt wird.
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