ISIS und der Islam

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  Der Konflikt im Irak und Syrien weitet sich immer mehr aus. Dieser "Krieg" zwischen Sunniten und Schiiten lenkt damit das Augenmerk auf diese beiden größten Glaubensrichtungen des Islam. Wer schürt den Hass gegen 3% der Bevölkerung in Europa, gegen die Minderheit.

Ein Versuch ein wenig Licht und Sachlichkeit einzubringen. Wer kennt schon die vielen Glaubensrichtungen im Christentum, wer die Richtungen im Islam.

Etwa 80 bis 90 Prozent der Muslime weltweit sind Sunniten, nur in wenigen Ländern stellen Schiiten die Mehrheit. Dazu zählen der Iran, der Irak und Bahrain.
Die Wurzeln des Konflikts zwischen Sunniten und Schiiten ist in der Frühzeit des Islam entstanden. Als der Prophet Mohammed 632 starb, hatte er seine Nachfolge nicht geregelt. Es gab unter seinen Anhängern die Meinung, dass der Beste unter den Gläubigen die Nachfolge antreten sollte.

Aus den Anhängern Alis gingen die Schiiten hervor. Schiat Ali heißt Partei Alis. Aus den Anhängern der Prophetengefährten entstanden die Sunniten. Die Glaubensinhalte von Sunniten und Schiiten unterscheiden sich zum Teil erheblich. Die Schiiten sehen sich oft als Verlierer der Geschichte. Die Schiiten entwickelten einen Märtyrerkult. Die Glaubensinhalte der Schiiten sind sunnitischen Muslimen suspekt. Die Verehrung der Imame und deren Gräber, die zum Teil im Irak, aber auch in Saudi-Arabien liegen, gilt ihnen als Vielgötterei. Der sunnitische Islam ist viel puristischer und betont, dass es nur einen Gott gibt und Mohammed sein Prophet ist.

Die Sunniten unterscheiden sich in verschiedene Schulen und die Strömungen sind teilweise erheblich. Die Siedlungsgebiete im Irak sollen durch die aktuellen Vorkommnisse näher betrachtet werden. Sunnitische Dschihadisten sehen Muslime, die von ihrer Lehre abweichen, als Todfeinde. Isis kämpft im Irak vor allem gegen Schiiten. Sunniten und Schiiten stehen seit der iranischen Revolution 1979 in einem verstärkten Wettlauf um Einfluss und Macht im Mittleren Osten. Isis hat gelobt, möglichst viele Schiiten zu töten.


Im Irak stellen die Schiiten mit etwa 60 Prozent der Bevölkerung die Mehrheit, die Sunniten sind mit gut einem Drittel in der Minderheit. Die Regierung wird von Schiiten dominiert. Im Norden des Landes gibt es jedoch große Sunniten-Gebiete. Die sunnitische Extremistengruppe Isis, die Schiiten als Ketzer betrachtet, ist dort auf dem Vormarsch. Dazu kommen noch die Kurden im Norden und die Yeziden, Anhänger einer vorislamischen Religion.

Nach dem Krieg im instabilen Irak verbreiteten sich sunnitische Islamisten vom Terrornetzwerk al-Qaida. Die sunnitischen Extremisten betrachten die Schiiten als Ungläubige. An diesem Konflikt sind Saudi-Arabien und der Iran nicht unbeteiligt.

Anhänger des Salafismus streben die Rückkehr zu einem fundamentalistisch interpretierten Ur-Islam an. Ihr Name leitet sich von den arabischen Worten für "die rechtschaffenen Altvorderen" ab. Ziel der Salafisten ist die Errichtung eines Gottesstaates. Die Sicherheitsbehörden unterscheiden zwischen dem friedlichen, politischen Salafismus sowie den dschihadistischen, militanten Salafismus. Die Übergänge sind fließend, die Bewegung gilt als Durchlauferhitzer für die Radikalisierung von Attentätern. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist der Salafismus die am schnellsten wachsende islamistische Bewegung. Der Wahhabismus ist die wichtigste ideologische Strömung im Salafismus und ist Staatsreligion in Saudi-Arabien. Das Königreich fördert mit Spenden die Ausbreitung der konservativen Lehre weltweit

Was verbindet die iranischen Schiiten mit Baschar al-Assad?
Der syrische Diktator zählt zur alawitischen Minderheit in Syrien. Auch die Alawiten sind Schiiten, also Anhänger Alis (daher der Name). Sie unterwerfen sich nicht der Scharia, dem islamischen Recht. Welche Rolle spielt der Irak-Krieg von 2003 für Sunniten und Schiiten? Noch im Iran-Irak-Krieg versuchten die westlichen Staaten nicht ernsthaft, Saddam Hussein von seinem Tun abzuhalten. Einer der Gründe war, dass der Iran der westlichen Welt den Kampf angesagt hatte. Der Wind drehte sich gegen Saddam Hussein, als seine Truppen 1990 in das erdölreiche Kuwait eindrangen. Den USA gelang es, ihn zu vertreiben. 2003 marschierten US-Truppen in den Irak ein, weil sie dort angeblich Chemiewaffen vermuteten. Saddam Hussein wurde gefangen genommen und hingerichtet. Indem die USA den größten Feind des Irans beseitigten, trugen sie dazu bei, dieses Land zu stärken. Die Schiiten im Irak, die unter dem Diktator unterdrückt wurden, sind heute mit an der Macht. Sie pflegen enge Kontakte zur iranischen Führung. Die Sunniten, die über Jahrzehnte das Land dominiert hatten, sehen sich als Verlierer. Das ist einer der Gründe, warum die Gewalt im Irak nicht abreißt. Immer wieder gibt es, wie nun am Wochenende, Anschläge gegen Schiiten.

Wer bringt noch mehr Licht ins Dunkeln. Aufklärung hilft.

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2 Kommentare
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Volker Dau aus Bochum | 04.01.2015 | 20:12  
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Siegfried Räbiger aus Oberhausen | 05.01.2015 | 16:17  
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