Prokon wird Genossenschaft!

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Das Fragezeichen aus Februar ist einem Ausrufezeichen gewichen. Der Presse ist dies nur eine kurze dpa Meldung wert. Nicht gewertet wird, dass es sich um die größte Publikumsinsolvenz mit 100.000 Gläubigern mit 1,5 Mrd. €, einem Verlust von weniger 50 % handelt und innerhalb von 18 Monaten, nicht erst nach Jahren, gerichtliche abgeschlossen wird.

Prokon wird mit über 25.000 Mitgliedern als größte Bürgerenergiegenossenschaft Deutschlands weitergeführt. Damit ist der Beweis erbracht, den meisten Genussrechtsinhabern ging es in der Vergangenheit schon nicht nur ums Geld, sondern auch um eine Weiterentwicklung der Energiewende. Die fehlgeschlagene Übernahme durch die EnBW feierten die Mitarbeiter erleichtert im Anschluss bei Bier und Bratwurst.

Mit überwältigten Mehrheit votierten nach 4 Stunden (gerichtlicher) Erörterung und mit einer Stunde Fragen und Statements der Beteiligten, der ca. 2.144 persönlich Anwesenden und die durch Vollmachten Vertretenen für die Fortführung des Kerngeschäftes der Prokon als Genossenschaft. Insgesamt war ein Kapital von 1.056 Mio. € von insgesamt 1.526. Mio. €, davon 1.444.955.500 € Genussrechtskapital vertreten. Wieviel Genussrechtsgläubiger insgesamt vertreten waren, wurde nicht aufgezeigt. Es zählten nur die tatsächlich im (Messe)Saal ordentlich vertretenen. Nur 60% der Gläubiger nahmen Ihre Rechte wahr. Wird davon ausgegangen, dass im Insolvenzfall ein Verlust von über 90 % nach Jahren festgestellt wird, ist der Ausgang der Insolvenz nach 18 Monaten mit einem Verlust von 50 % in das Engagement eingepreist und bewegt sich im Rahmen der Verluste von Aktien der großen Energieunternehmen.

Bei Zutritt erhielten die Beteiligten eine achtseitige Information über die Verringerung der möglichen Masse je Planvariante. Die geänderte Energiepolitik in Finnland und Bewertung eines Teilwaldes in Rumänien waren der Anlass. Die Differenz zum Investorenplan, der Übernahme durch EnBW verringerte sich von 6,7 % auf 5,6%.

Die Abgeltungsquote verminderte sich von vormals 24,4 % auf 23,3%.. Dieser Kapitalanteil kann direkt als Eigenkapital in die Genossenschaft gewandelt werden und verbleibt im Unternehmen.

Die notwendige Wandelungssumme von vormals 637.136.000 € minderte sich deshalb auf 604.441.000. Die Zahl ist interessant, um das vom Genossenschaftsverband geforderte und notwendigen 20 % Eigenkapital für die Genossenschaft als Grundvoraussetzung einer tragfähigen Genossenschaft zu erhalten. Die Abstimmung ergab, dass über 25.000 Genussrechtsinhaber mit einem Kapital von 651.700.000 € mit 99 % zustimmten und auch die übrigen Genussrechtsinhaber mit 66% bei einem Kapital von 54.000.000 dem Genossenschaftsplan zustimmten. Wie auch die übrigen 6 Gläubigergruppen. Genaue Zahlenwerte sind bei AG Itzehoe hinterlegt.
Nach diesen Zahlen hat die Genossenschaft ein Eigenkapital von ( 651,7 Mio.€ + 23,3%) 151,846 Mio. bei dem angenommenen Gesamtfortführungswert von 612,211 Mio. €. zuzüglich eine Anleihe von 500 Mio. €. Damit ist die laufende Liquidität gestärkt und die Prokon eG hat einen Mindest-Bilanzwert von 651,846 Mio. €

Vielleicht hat neben der sicheren Anleihe mit 3,5 % Zins und die ratierliche Tilgung innerhalb 14 Jahre auch die aggressive Werbung der EnBW den Ausschlag und die Einsicht gegeben: Lieber wollte man die Saat von Prokon selber ernten und nicht über 100 Mio.€ verschenken.

Ein Wermutstropfen bleibt die Zusammensetzung des Aufsichtsrates bei der Genossenschaft; er ist nur mit honorieren Männern bestückt. Vielleicht spornt dies auch an, sich selbst um den positiven Fortgang zu engagieren.

Die Insolvenz zeigt: Prokon war ein untaugliches Objekt als negatives Vorzeigeprojekt für den grauen Markt zu dienen. In Prokon wurde und wird alternativ investiert. Wer sich kapitalmäßig engagiert, sollte seine Kontrolle direkt ausüben können. Bei einer Genossenschaft gibt es dazu noch einen ausformulierten Förderzweck. Nach § 2 Abs. 2 Ziffer a) die Beschaffung von Energieleistung für die Mitglieder.

Autor:

Siegfried Räbiger aus Oberhausen

Webseite von Siegfried Räbiger
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