Joshua Abuaku – aufstrebendes Talent des Oberhausener Turnvereins von 1873 e. V. will hoch hinaus

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Aus den Anfängen
   
Weitsprung klappt auch ganz gut
 

Joshua Abuaku ist ein junger Mann, auf den beide Eigenschaften passen: Es sieht so aus, als ob er auf den ersten Sprossen einer Karriereleiter steht, die ein junges Talent hoch hinauf tragen kann, und „hoch“ ist auch richtig, denn Joshua Abuaku muss dazu nicht nur schnell, sondern auch über hohe Hürden laufen. Er ist 400-m-Hürdenläufer, startet für den LAV Oberhausen, ein Zusammenschluss der Leichtathletik-Abteilungen der Vereine LAC, Sterkrade-Nord und Oberhausener Turnverein von 1873 e. V. Die zehn hohen Hürden (je 91,44 cm) auf den 400 Metern allerdings muss er flach überlaufen, das verlangt die Technik. Überspringen wäre falsch, es heißt tatsächlich „überlaufen“.
Schon als Kind interessiert sich Joshua für alles, was mit Sport zu tun hat. Er probiert vieles aus: Judo, Basketball, Fußball, im Fernsehen sieht er gern Reportagen über die Leichtathletik. Schon in der Grundschule fällt er im Sport durch überdurchschnittlich gute Leistungen auf, besonders im Laufen und Springen. Von sich selbst sagt der Athlet: „Ich war nie schlecht, aber auch nicht jemand, der in der Schule alles abgeräumt hat.“ Sein Wohnort liegt in der Nähe des Kaisergartens, wo auch der OTV beheimatet ist, und so landet er dort als Vereinsangehöriger.
Den ersten „Wettkampf“ hat er in der Altersklasse M9, gerade eben dabei: Die OTV-Meile für die Kinder, eine kleine Runde um den Minigolfplatz, ungefähr Platz acht ist drin. Seine Trainer waren Andy Busch, Robert Poß, Alexandra Klein, während dieser Zeit hat dann Heinz-Werner Belke mehr und mehr Anteile des Trainings übernommen.
Woran erkennt ein Trainer, dass sein Schützling ein Talent ist, jemand, dem man Großes, Überdurchschnittliches zutraut? Trainer Belke und Josef Ziegenfuß, Trainerkollege (technischer Bereich/Wurf) und 1. Vorsitzender des OTV, der die Entwicklung Abuakus aufmerksam verfolgt, müssen nicht lange überlegen: Der Bewegungsablauf stimmt. Der Lernende muss in der Lage und willens sein, mitzudenken, anzunehmen, was ihm beigebracht wird und es auch umzusetzen. Und, erste Voraussetzung: Er muss es auch wollen. Man kann es auch so nennen: Hat der Trainer das Glück, einen Athleten zu bekommen, der aus dem Schülerbereich in die Jugend kommt und einen gesunden Ehrgeiz entwickelt, muss der Athlet das Glück haben, einem Trainer in die Hände zu fallen, der das Talent erkennt und der Alternativen bieten kann, und er braucht ein Umfeld, das fördert.
Das Umfeld, das fördert, hat Joshua Abuaku, auch in seinen Eltern. Beide sind keine großen Sportler, der Vater hat in Ghana Rasenhockey gespielt. Aber sie fördern ihren Sohn, wo sie können, waren Chauffeure zu den Trainingseinheiten und Wettkämpfen, förderten seinen Sport, haben dabei aber keinen Leistungsdruck ausgeübt, sondern immer den Spaß in den Vordergrund gestellt. Noch heute sitzen sie bei Wettkämpfen häufig auf der Tribüne, und das ist durchaus gewünscht von der Hauptperson.
Und auch die Freundin, persönlich vom Sport eher unberührt, zieht mit und akzeptiert den Zeitaufwand. Wenn sie kann, schaut auch sie bei den Wettkämpfen zu.
Ablenken lässt sich Joshua nicht. Sport ist seine große Leidenschaft, andere Hobbys gibt es nicht.
Es reicht nicht, wenn der Athlet ein Talent ist – auch der Trainer muss ein guter sein, fachlich und auch menschlich, und er darf nicht zu viel wollen. Belke: „Joshua ist mein bester Athlet, das war früh zu erkennen. Aber man muss vorsichtig sein. Vor einem Alter von 16 Jahren ist ein Krafttraining nicht möglich, dann muss man schauen, wo geht der Trend hin und es schnell umsetzen. Die Chemie zwischen Joshua und mir passt, das ist wichtig.“ Ziegenfuß bestätigt: „Behutsam muss man sein, die Jugend nicht kaputt machen.“
Fragt man das Talent, welchen Anteil der Trainer hat an seinem Erfolg, heißt es: „Ja doch. Ich denk mal, das ist der größte Faktor überhaupt.“ – Bescheiden ist er.
Seit drei/vier Jahren nun ist Abuaku auf der Erfolgsspur mit dem Hürdenlauf, der „es schon immer war“. Früher 60 m in der Halle und 110 m Kurz-Hürden draußen. Heute 400 m Hürden. Im vergangenen Jahr schaffte er es, in den Wettkämpfen der männl. Jugend U20 fast alle möglichen Titel zu holen. Es war ein unglaublich erfolgreiches Jahr. Im Juli 2015 sicherte er sich mit persönlicher Bestzeit die Silbermedaille der U20-Europameisterschaften in Eskilstuna (Schweden). Das nennt der Athlet heute sein beieindruckendstes Erlebnis. „Ich bin angereist mit der Jugend-Nationalmannschaft ohne große Zielvorstellung, mit einer Medaille habe ich nicht gerechnet. Mega-cool!“
Trainer Belke musste zu Hause bleiben, zuständig war die Trainerin der Nationalmannschaft. Wie ging es ihm damit? Belke: „Schlecht. Aber ich bekam gutes Feedback von der Bundestrainerin, ich war immer informiert. Mitfahren hätte ich nur privat gekonnt. Das ist auch eine finanzielle Überlegung.“ Sein Schützling hätte gern, dass er mitgefahren wäre.
Nur 14 Tage später startete der bei den Deutschen Jugendmeisterschaften der U18/U20 in Jena, die überwältigenden Ereignisse aus Schweden noch im Kopf. Sein Trainer konnte ihn wieder fokussieren auf den aktuellen Wettkampf und Abuaku holte sich mit wiederum neuer Bestzeit den Siegertitel.
Auch ins Jahr 2016 startete der junge OTVer erfolgreich. Auf der 400 m Flachstrecke lief er bei den Nordrhein-Titeln in Leverkusen wiederum mit Bestzeit auf den zweiten Platz; bemerkenswert, dass er nicht mehr in der Jugend-Altersklasse starten darf, er wird in diesem Jahr zwanzig, sondern sich ab nun in der Männerklasse behaupten muss. Dazu Abuaku: „Ein ganz anderes Gefühl, bei den Erwachsenen zu starten. Viel schöner. Eine volle Halle.“ – Mit der Zeit aus diesem Lauf erfüllte der Sportler die Qualifikationsnorm für die deutschen Hallenmeisterschaften der Männer und Frauen in Leipzig im Februar. Hier verbesserte er dann zwar seine Bestzeit im Vorlauf, kam aber durch einen taktischen Fehler nicht in den A-Endlauf. Im Endlauf blieb er dann hinter seinen Erwartungen zurück. Festzuhalten ist, dass auch auf der Flachstrecke Chancen gegeben sind, in der Bestenliste vorne mit dabei zu sein.
Seit Oktober des letzten Jahres studiert Joshua Abuaku in Köln an der Sporthochschule für den Bachelor in „Sport und Gesundheit“. In Köln hat er für seinen Sport ideale Trainings-Möglichkeiten sowohl drinnen als auch draußen. Die Trainingspläne liefert Trainer Belke. Tempoläufe und das Krafttraining finden oft in Köln statt, die Technik trainiert der Athlet unter Aufsicht des Trainers in Oberhausen, ohnehin versucht er, möglichst viel in Sterkrade zu arbeiten. Das hängt natürlich auch von den Vorlesungszeiten ab. Zeitumfang: Ca. je zwei Stunden von montags bis samstags allein, ca. vier bis sechs Stunden/Woche mit Trainer.
Der Trainer braucht für das Erstellen der Trainingspläne, das Training und die Nachbereitung ca. zehn Stunden in der Woche.
Bei so vielen Trainingsstunden stellt sich die eine Frage, ob der junge Mann noch Kontakte hat zu Freunden, die nicht aus dem Sportbereich kommen. „Ist ok“, sagt er. „Ich habe viele Freunde.“
Die andere große Frage, und man traut sich kaum, sie zu stellen: Ist Olympia ein Thema? Belke: „Voll abwegig ist das nicht. Aber selbst wenn die Qualifikation erreicht werden würde, und das ginge auch nur bei ganz bestimmten Turnieren – Joshua ist vielleicht noch zu jung. Eine Verbesserung von einer Sekunde ist schnell erreicht. Aber ist die mentale Reife da?“ Der Trainer sieht als Nah-Ziel eher die Leichtathletik-Europameisterschaften im Sommer in Amsterdam. Qualizeit für die 400 m Hürden sind 50.0 sek., Voraussetzung ist eine Platzierung unter den TOP 3 in Deutschland. Da gäbe es noch viel zu arbeiten.
Sind die Beteiligten zufrieden? Trainer Belke, noch voll berufstätig, nimmt seine Frau zu den Wettkämpfen mit, wenn es passt. Aber die Eheleute haben Tiere zu versorgen, das geht vor. „Die Frau muss mitspielen.“ Und der Trainer weiß, „dass in der Leichtathletik nicht viel zu erwarten ist, was finanzielle Hilfen angeht.“
Trainerkollege Josef Ziegenfuß tut als Vorsitzender des OTV alles für Joshua, was möglich ist, stellt z. B. einen Antrag auf Förderung durch den „Förderverein Oberhausener Spitzensport“. Voraussetzung ist Platz eins bis drei bei Deutschen Meisterschaften, auch ein Antrag auf ein Stipendium durch die Stiftung „Förderung des Spitzensports in Oberhausen“ ist gestellt. Top-Athleten können 500 Euro/Monat für einen Zeitraum von zwei Jahren erwarten.
Der Athlet ist genügsam. Für die Wettkämpfe gibt es keine Siegprämien. „Puma ist mein Ausrüster, damit komme ich hin.“ Aber er kann auch kritisch sein: „Die Presse könnte schon mal öfter Anfragen starten, aktiver werden. Und cool wären neue Sponsoren, die unterstützen. Leichtathleten leben überwiegend von Sponsoren.“
Ein bescheidener, überaus sympathischer junger Sportler. Ihm ist eine große sportliche Zukunft zuzutrauen –wünschen wir, dass er’s schafft!
Die aktuellste Anerkennung für seine Leistungen außerhalb der Medaillen: Am Wochenende wurde Joshua Abuaku gewählt zum „Stadt Oberhausen Sportler des Jahres“. Herzlichen Glückwunsch!

Rita Schilling
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