RWO: Erhalt als oberste Priorität

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Sie wollen den "Neustart" für RWO: Vorstandsvorsitzender Hajo Sommers (links) und Aufsichtsratsvorsitzender Hartmut Gieske. Foto: Peter Hadasch
Oberhausen: Stadion Niederrhein | VON MARC KEITERLING

Das Wort „Erhalt“ hat bei Fußball-Viertligist RWO bis zum Saisonende Hochkonjuktur. Dazu kommt den Vokabeln „Beschaffung“ und „Neustart“ aktuell eine große Bedeutung zu.

Rund 200.000 Euro müssen bis zum 30. Juni noch beschafft werden, „egal woher“, wie Vorstandsboss Hajo Sommers sagt. Warum klafft erneut ein Loch dieser Größenordnung bei Rot-Weiß? Wurde der Etat allzu optimistisch angesetzt?
Sommers, der jetzt - wie im Wochen-Anzeiger vor drei Wochen angekündigt - aktuelle Zahlen präsentierte, verneint: „Der Etat für die laufende Saison beläuft sich auf 2,6 Millionen. Aus der Drittliga-Abstiegssaison haben wir aber zusätzlich rund 650.000 Euro an Miesen mitnehmen müssen.“
450.000 Euro von dieser Summe konnten trotz der bisher miserabel verlaufenden Viertligasaison laut Sommers gestemmt werden. „Mit frischem Geld, mit neuen Darlehen, auch mit langfristigen Stundungen konnten wir diese Summe darstellen. 200.000 stehen aber noch auf dem Deckel - und da müssen sie runter!“

Das Trikot wird erneut verlost

Eine Maßnahme, um dies zu schaffen, ist eine erneute Trikot-Aktion. Der bisherige Schriftzug der Agentur Helmut Staudinger wird wieder ersetzt. Staudinger hatte den Platz auf den Leibchen im Rahmen der Verlosung „Einer für alle“ im Sommer gewonnen und bot dem Verein diesen Raum nach Ende der Hinrunde wieder an. Seinerzeit wurden 181 Lose zu einem Preis von jeweils 1.000 Euro verkauft.
Nun soll das Trikot wieder unter sponsoringwilligen Firmen und Personen gegen Überweisung von erneut 1.000 Euro verlost werden. „Der letztendliche Gewinner wird dann bis zum Saisonende draufstehen und erhält außerdem ein Los für die kommende Saison“, erklärt Sommers. Die Aktion für die laufende Saison startet am Montag und dauert bis zum 8. März an. Beim Spiel gegen den MSV Duisburg II wird der Partner ermittelt.
Nicht präzisiert wurde, wie groß die längst angekündigte Einschränkung des Sponsorings seitens der Energieversorgung Oberhausen ausfallen wird. Dazu der RWO-Aufsichtsratsvorsitzende und kaufmännische Vorstand der evo Hartmut Gieske: „Wir nennen keine Zahlen, dabei bleibt es. Ein Verein ist stets gut beraten, die Lasten auf möglichst viele Schultern zu verteilen.“

Was wäre wenn? „Abstieg?“ „Aus!“

Über den Tellerrand hinaus ging der Blick ebenfalls. Über die 200.000 Euro-Hürde hinaus und über den Bereich der ersten Mannschaft. Der Etat wird für 2013/14 nochmals um 300.000 Euro auf dann 2,3 Millionen Euro reduziert. Sommers kündigt schon mal optische und inhaltliche Veränderungen an: „Manches wird nicht mehr so dolle, einiges nicht mehr so sauber sein, wie vielleicht noch in der Vergangenheit. So leid es mir tut: Es gibt Dinge, die sind in dieser Liga schlicht nicht zu schaffen.“
Abstriche hier, Erhalt dort. Noch in dieser Saison wird der vierfache Klassenerhalt angestrebt. Dies gilt für die Regionalliga, für die U23 in der Oberliga sowie für U17 und U19 in der Junioren Bundesliga West. Bezogen auf die erste Mannschaft - und folgewirkend für den Verein insgesamt - bringt es Sommers auf den Punkt: „Abstieg? Aus!“
Mit einem solchen Szenario mag sich jedoch niemand der Verantwortlichen befassen. Im Gegenteil: Der „Neustart“ ist ausgerufen, wenn 200.000 Euro aufgetrieben sind und die Klasse gesichert ist.

Schallende Ohrfeige für Ex-Trainer Basler

Noch mehr als bisher wird dann ab 1. Juli gelten: „Jugend forsch(t)“. „Im Jugendbereich haben wir schon bisher am wenigsten weggespart. Das wollen wir auch künftig so beibehalten und darauf setzen, dass es mehrere Jungs geben wird, die einen Weg wie Thorben Krol oder Tobias Hötte gehen. Oder zurückkehren wie Michael Smykacz, weil es hier für junge Spieler echte Perspektiven gibt“, erläutert Sommers.
38 Spieler (22 für die erste, 16 für die zweite Mannschaft) sollen es künftig sein, mit einem regen Austausch zwischen Regional- und Oberliga. 20 Mann aus beiden Teams haben Vertrag über den 30. Juni 2013 hinaus. Dazu der Sportliche Leiter Frank Kontny: „Hier gibt es allerdings auch einige Fragezeichen, was die weitere Zukunft anbelangt.“ Im Klartext: Einige der auf Betreiben von Ex-Trainer Mario Basler herangekarrten Spieler sollen aufgrund fehlender Eignung wieder verabschiedet werden. Dass Baslers Nachfolger Peter Kunkel davon spricht, mit Winter-Neuzugang Felix Haas „endlich eine vernünftige Innenverteidigung“ stellen zu können, ist ebenso eine schallende Ohrfeige für seinen Vorgänger, wie diese Aussage Gieskes: „Wir werden nicht mehr wahllos Leute aus dem Norden oder Süden holen. Sondern wieder Jungs, die aus der Region stammen.“
Dem Pfund, mit dem künftig gewuchert werden soll, könnte man den Namen „Kontinuität“ gegeben. Sommers: „Wir wollen eingespielte Mannschaften und so wenig Fluktuation wie möglich. Daher erhalten vielversprechende Jugendspieler konsequent Förderverträge, um sie an den Verein zu binden. Unsere Trainer, von der U16 bis rauf zu Peter Kunkel haben signalisiert, bei Klassenerhalt alle an Bord zu bleiben.“

„Zur Landwehr“ an der Lindnerstraße

Einen „Neustart“ - den gibt es auch mit der Landwehr. Zur kommenden Saison - Klassenerhalt und 200.000 Euro vorausgesetzt - entsteht an der Lindnerstraße „Zur Landwehr“ und damit eine neue Rot-Weiße Heimat. Angrenzend an das Leistungszentrum ist ein weiteres Gebäude in „Raumzellenbauweise“ geplant. Mit Vereinskneipe, VIP-Raum, Geschäftsstelle und Dachterasse. Unternehmer und RWO-Vorstand Herbert Jöring wird das Haus errichten, etwa 480.000 Euro soll es kosten. Einige Handwerksbetriebe haben zur Kostenreduzierung ihr Engagement angeboten. Der Verein würde langfristiger Mieter. Die Baugenehmigung liegt bereits vor.
Übrigens: Fußball gespielt wird kaum. Sowohl die Viertligapartie in Verl, als auch die Spiele der U23, U19 und der U17 wurden abgesagt.
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Frank Hüttemann aus Oberhausen | 15.02.2013 | 18:54  
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