Von der Ruhr bis an den Dollart

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Start des Quintetts in Oberhausen-Alstaden (Ulrich Rissland, Bodo Müller, Klaus Comfere, Jörg Schütten, Rainer Gutsmann v.li.)
 
Begleitfahrerin Tanja in Emden
 
Da waren es noch Fünf

Die Vorbereitung

In einem Tag mit dem Fahrrad von der Ruhr bis an die Nordsee. Diese Idee wurde Anfang des Jahres von einigen Radsportlern des RSV Blau-Gelb 1928 Oberhausen geboren und sollte in die Tat umgesetzt werden. Ursprünglich wollten Bodo Müller, Ulrich Rissland, Jörg Schütten, Klaus Comfere und Rainer Gutsmann an der Ruhr2NorthSeaChallenge teilnehmen. Wegen anderer Verpflichtungen kam der 28. Juni für die Fünf aber nicht in Frage. Darüber hinaus wollten sie nicht nur mit dem Rad hin-, sondern auch zurückfahren. Ein langes Wochenende mit Brückentag wurde gesucht, an dem auch noch lange Tageslicht vorherrschen sollte. Das Fronleichnamsfest bot aus Sicht der Teilnehmer hierfür den idealen Rahmen. Als Zielort wurde Greetsiel festgelegt.

Doch bis dahin gab es noch viele organisatorischen Dinge wie Unterkünfte, Streckenführung und Begleitfahrzeug zu klären als auch viele Trainingskilometer zu absolvieren. Nach längerer Recherche wurden Zimmer in Greetsiel gebucht, was sich wegen des langen Wochenendes schwierig gestaltete. Mit Tanja Demuschewski war auch schnell eine Fahrerin für das Begleitfahrzeug gefunden. Jetzt sollte die Zeit bis zur Tour noch für entsprechende Trainingseinheiten genutzt werden.

Die Vorbereitungen liefen hervorragend und der Tag der Wahrheit rückte näher. Zwei Tage vor dem Start rief der Hotelier aus Greetsiel an und teilte uns mit, dass die von uns gebuchten Zimmer verwüstet wurden. Er bot uns alternativ ein Hotel in Emden an, was wir mangels fehlender Alternativen Zähne knirschend annahmen. Die Nordsee würden wir nicht wie geplant zu sehen bekommen und statt des Ultramarathon von 300 Kilometern gab es eine um ca. 25 Kilometer verkürzte Variante.

Tagesetappe über 275 Kilometer bis nach Emden

Am 26. Juni erfolgte der Start in Alstaden auf der Kluckstraße. Im Morgengrauen fuhren die Fünf bei 6 Grad durch das Stadtgebiet in nördlicher Richtung. Ein kurzer Abstecher über die menschenleere Sterkrader Fronleichnamskirmes bevor in Höhe Grafenmühle der Morgennebel durch die aufgehende Sonne erhellt wurde.

Die frühe Morgenstunde und der geringe Straßenverkehr ließen eine flotte Fahrweise zu. Um auf dem langen Weg gen Norden die Kräfte so gut wie möglich einzuteilen lösten sich die Radler regelmäßig in der Führungsarbeit ab. Der so genannte Belgische Kreisel wurde diszipliniert ausgeführt.

Über Schermbeck, Raesfeld, Borken, Südlohn, Stadtlohn, Ahaus führte das Navigationsgerät das Quintett bis zum ersten Stopp nach Gronau-Epe. Inzwischen waren gut 100 Kilometer zurück gelegt. Die Speicher konnten mit einem nahrhaften Frühstück in einer Bäckerei gefüllt werden.
Auf dem weiteren Weg ging es vorbei an Nordhorn über gut asphaltierte Straßen und Wirtschaftswege, bevor in einem Gemischtwarenladen in Georgsdorf die Mittagspause eingeläutet wurde. Inzwischen standen 150 Kilometer zu Buche und die Cyclisten wollten sich mit Tanja und dem Begleitfahrzeug treffen. Feiertagsstaus und verlorene Radträger verzögerten die Aufnahme der erforderlichen Getränke, Bananen und Powerriegel.
Gegen 13 Uhr endete dieser Boxenstopp und die nächsten Kilometer wurden in Angriff genommen. Die Landschaft wurde zwar flacher, dafür frischte jetzt der Nordwind auf. Kilometerlange Straßengeraden forderten von den Radlern nun zunehmend mehr Kraft, wodurch sich auch ihre Reisegeschwindigkeit verringerte. Mit jedem gefahrenen Kilometer kam das Ziel näher. Papenburg wurde passiert und bis Leer war es nun nicht mehr weit. Ab dort führten die letzten 25 Kilometer entlang einer stark frequentierten Landstraße über teilweise nicht Rennrad taugliche Wege entlang der Ems.
Nach einer Fahrzeit von 9:44 Stunden über 275 Kilometer lag das Hotel in Emden vor den strapazierten Radsportlern. Die Begleitfahrerin hatte zwischenzeitlich die Anmeldung vollzogen, die Plätze in der Fahrradgarage reserviert und die Terrasse zur Aufnahme diverser Kaltgetränke ausfindig gemacht.
Obwohl die 27. Emdener Matjestage liefen verständigten sich die Marathonis nach einem erfrischenden Duschbad zum Besuch eines Steakhauses um ausreichend Kohlehydrate für den nächsten Tag zu tanken. Abschließend wurde der Treffpunkt für den nächsten Morgen vereinbart und gegen 23 Uhr war Nachtruhe.

2. Etappe von Emden nach Salzbergen

Am zweiten Tag klingelte der Wecker um 7:00 Uhr. Nach der morgendlichen Wäsche wurden die Reisetaschen gepackt. Anschließend trafen sich die fünf Radtouristen und ihre Begleiterin beim Frühstücksbüffet. Als die Rechnung für Unterkunft und Verpflegung beglichen war ging es kurz vor 10 Uhr gut gelaunt zu den Rädern. Leider mussten wir uns hier von Klaus Comfere verabschieden, der aus beruflichen Gründen den Rückweg mit dem Zug antreten musste. Begleiterin Tanja plante einen Ausflug zum Strand nach Carolinensiel. So hatte sie zumindest die Nordsee erreicht.

Das verbliebene Quartett hatte für die Rückreise eine weitere Übernachtung in Salzbergen gebucht. Sie starteten bei sonnigem Wetter und noch frischen 13 Grad Richtung Heimat. Um die schlechte Wegstrecke nach Leer zu vermeiden wählten sie kurzfristig den Weg mit der Fähre über den Dollart. Nach einer kurzweiligen Überfahrt bis Ditzum fuhren Bodo, Jörg, Ulle und Rainer entlang des Emslandradweges bis Leer. Eine wirklich gute Entscheidung.
Von hier ging es entlang des Emsdeiches über gut ausgebaute Radwege Richtung Papenburg. Ein kurzer Photostopp vor der Meyer-Werft und weiter ging es Richtung Etappenziel. Nachdem die stockende Fahrt durch Papenburg geschafft war rollten die Räder fast wie von selbst. Der störende Nordwind vom Vortag ergab jetzt einen angenehmen Rückenwind.
Nach etwa 70 Kilometern musste ein Imbiss in Börger für eine Stärkung herhalten. Bei angenehmen Temperaturen konnten die Pedaleure ihre Stärkung zu sich nehmen, bevor die zweite Tagesetappe in Angriff genommen werden konnte. Mit zunehmender Fahrzeit machten sich die Strapazen der inzwischen über 350 Kilometer bemerkbar. Mittlerweile hatten Wolken die Sonne verdeckt und es lag Regen in der Luft. Doch bis zur nächsten Pause in Freren blieb es trocken.
Bei leckerem Kuchen und frischem Kaffee aus dem Automaten ließ es sich das Quartett gut gehen. Mit neuem Elan sollte es dann auf die letzten Kilometer zum Tagesziel gehen, zumal die Sonne wieder den Radlern lachte.
An der Salzbergener Unterkunft wartete schon Tanja auf die Radsportler, die an diesem Tag 148 Kilometer zurückgelegt haben. Erschöpft aber glücklich konnten ab 18:00 Uhr im Biergarten die Tanks aufgefüllt werden. Da es keine anderen Möglichkeiten gab musste dieses Mal das Zimmer als Fahrradgarage herhalten.
Nach einem kurzen Stopp unter der Dusche mit anschließendem Kleidertausch traf sich Tanja mit den Radheros zu einem gemeinsamen Abendessen im Trucker-Restaurant zwecks Füllung der Energiespeicher und Erfahrungsaustausch.

Auf zur letzten Etappe

Mit einer gewissen Routine wurden am nächsten Tag die Vorbereitungen zum Start der letzten Etappe vorgenommen. Leider musste sich Bodo Müller wegen gesundheitlicher Probleme mit dem Begleitfahrzeug auf den Heimweg machen.
Nach einem leckeren Frühstück nebst Kaffee und Orangensaft vom Büffet radelte das verbliebene Trio, bestehend aus Jörg, Ulle und Rainer bei angenehmen Temperaturen und weiterhin Wind aus Nordosten durch schon fast sommerliche Regionen bis nach Gescher. Inzwischen zeigte das Tachometer 70 Kilometer und das Thermometer 24 Grad. Der wolkenlose Himmel animierte die Drei zum Besuch eines Cafés. Die Dessertkarte ließ keine Wünsche offen und diverse Speisen sollten den Radsportlern die restlichen Kilometer versüßen.
Die Tour ging bei weiterhin flotter Fahrweise über Velen, Heiden, Rhade, Dorsten, Grafenwald bis zum Centro. Auf ihre Durchschnittsgeschwindigkeit von 29,5 km/h kann das Trio nach den Anstrengungen der zurückliegenden 561 Kilometer sehr stolz sein.
Auf ihrer Abschiedstour durch die Innenstadt zum Startpunkt wurde die Vorfreude auf ein gesundes Wiedersehen mit ihren Familien immer größer. Kurz nach 16:00 Uhr trennten sich vorerst die Wege des Trios. Doch die nächste Ausfahrt kommt bestimmt.

Die Tourdaten

Gefahrene Strecke 561 km
Streckenprofil 1022 hm
Durchschnittsgeschwindigkeit 28,3 Km/h
Max. Geschwindigkeit 46,0 Km/h
Fahrzeit 20:30 Stunden
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