Weltmeister Willi Wülbeck

Anzeige
Vor 30 Jahren erlaufen: Willi Wülbeck präsentiert seine Goldmedaille. Schnellster Mann der Welt über die 800 Meter, ermittelt in Helsinki. Foto: Peter Hadasch
Oberhausen: Oberhausen | VON MARC KEITERLING

Am 9. August 1983 wurde Willi Wülbeck in Helsinki Weltmeister über die 800 Meter. Seine damalige Siegeszeit von 1:43, 65 Minuten ist bis heute - 30 Jahre später - gültiger Deutscher Rekord über diese Strecke. Für ihn in doppelter Hinsicht ein denkwürdiger Tag: „Es war nämlich der Geburtstag meines Vaters.“

Sieben Jahre zuvor war er bei den Olympischen Spielen von Montreal über die gleiche Distanz nur hauchdünn an einer Medaille vorbeigelaufen. In 1:45, 26 Minuten wurde Wülbeck damals Vierter hinter Sieger Alberto Juantorena (Kuba), Ivo van Damme (Belgien) und Rick Wohlhuter (USA).
Willi Wülbeck war außerdem von 1974 bis 1983 zehn Mal in Folge Deutscher Meister über die 800 Meter, 1973 Dritter der Junioren-Europameisterschaften, 1977 und 1983 Sieger im Europacup.
Fast auf den Tag genau nach 30 Jahren steht die deutsche Rekordmarke noch immer. Und nicht nur diese. Auch die Bestmarke über die 1000 Meter hält Wülbeck, diese sogar noch mehr als drei Jahre länger. Am 1. Juli 1980 lief der Oberhausener in Oslo 2:14, 53 Minuten, knapp geschlagen vom damaligen britischen Weltklasseläufer Sebastian Coe.
Wieso kam da in den letzten drei Jahrzehnten keiner mehr ran? „Es müsste ja überhaupt erstmal einer in die Nähe dieser Zeiten kommen. Viele sind sicher ehrgeizig, einigen fehlt wohl auch das Talent. Ich hatte zweifelfrei ein großes Talent für die Mittelstrecken. Es gab schnellere Leute, es gab ausdauerndere Leute - ich war da irgendwie ´ne goldene Mitte“, antwortet Wülbeck.
Dabei ist das Material - sowohl am Athleten als auch am Boden - heute doch sicherlich deutlich besser als in den 1980-er Jahren. Da winkt Wülbeck ab: „Nett gemeint, dass würde ich zugunsten meiner Generation dennoch so nicht gelten lassen. Auch wir sind auf einer Tartanbahn gelaufen, auch wir hatten Laufschuhe an. In Nuancen mögen die Jungs heute bevorteilt sein. Doch letztlich ist die menschliche Leistung damals wie heute der entscheidende Faktor.“

„Doping? Ich habe nullkommanull manipuliert“

Die unverfälschte Leistung - angesichts aktuell wieder geführter Diskussionen über das Doping legt Willi Wülbeck auf dieses großen Wert: „Ich habe damals nicht manipuliert, nullkommanull! Ich schätze auch die damaligen Kollegen genau so ein.“
Warum sind die deutschen Athleten der Gegenwart nicht in der Lage, an Wülbeck heranzukommen? Was fehlt dem Nachwuchs über die Mittelstrecken? Wülbeck: „Es steht und fällt mit den Identifikationsfiguren. Gibt es richtige Vorbilder, ist die Motivation vorhanden. Ganz hoch gegriffen: Ein Usain Bolt würde vieles verändern.“
Die Leichtathletik leide außerdem wie viele andere Sportarten auch darunter, dass sich die überregionalen Medien mit ihrer Berichterstattung vor allem auf die Massensportarten stürzen. „Fußball, Formel Eins, Handball, Boxen. Dazu der Wintersport. Alles andere hat bestenfalls eine Chance, wenn dort nichts stattfindet“, sagt Wülbeck.
Weltmeister Wülbeck - gemeinsam mit Kanute Paul Lange (Olympiasieger 1960 in Rom), Ruderer Ulf Siemes (unter anderem WM-Gold mit dem Deutschland-Achter) und Fußballtorhüter Willy Jürissen (Nationalspieler) gehört er zu den größten Sportlern, die Oberhausen jemals hervorgebracht hat.
Willi Wülbeck, der einst Sport und Biologie auf Lehramt studierte, betreibt heute eine Sportschule. Das Angebot richtet sich an Menschen, die bewegungsorientiert sind, ohne Profiambitionen zu verfolgen. Allgemeines Fitnesstraining und Walking sind die wesentlichen Inhalte, das Training besteht aus einem Mix aus Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitsübungen.
Weitere Infos zum „Training mit einem Weltmeister“ gibt es im Netz unter www.sportschule-willi-wülbeck.de oder telefonisch unter 681299.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.