BürgerReporter des Monats Juni: Jan Kellendonk

"Für mich bedeutet ein Abenteuer etwas Neues zu wagen." BürgerReporter Jan Kellendonk berichtet seit 2010 im Lokalkompass. | Foto: Kellendonk
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  • "Für mich bedeutet ein Abenteuer etwas Neues zu wagen." BürgerReporter Jan Kellendonk berichtet seit 2010 im Lokalkompass.
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Fast sieben Jahre ist es her, dass er den Weg in den Lokalkompass gefunden hat. Seitdem portraitiert Jan Kellendonk mit Feinsinn und dem Blick für das Schöne seine Heimat bei Bedburg-Hau. Im Interview verrät der gebürtige Niederländer von seiner Zeit im Kibbuz, seiner größten Herausforderung und von der Plasmolen-Malerei. Er ist unser BürgerReporter des Monats Juni.

Welche drei Wörter beschreiben Dich am besten?

Lange ringend, zwischendurch verzweifelnd, aber beharrlich.

Was macht Bedburg-Hau besonders lebenswert?

Bedburg-Hau ist eine fast willkürliche Ansammlung von Dörfern mit völlig unterschiedlichen Menschen. Vier Dörfer davon kennen ich besser: In Louisendorf wohnen Nachfahren der evangelischen Pfälzer; in Huisberden Nachfahren stolzer Bauern, in Till und Moyland Pächter des Barons. Alle diese völlig unterschiedlichen Menschen treffen sich in Vereinen und in der Feuerwehr, worin sie unbürokratisch Sachen regeln und Erstaunliches leisten.

Du bist in den Niederlanden geboren und aufgewachsen. Wie bist du in Bedburg-Hau gelandet?

Ich beantworte diese Frage nach dem „wie“ mal etwas anders, als vielleicht erwartet: Wir sind sehr gut in Till gelandet! Freundliche Nachbarn, die sogar meine Liebe zur Kirche neu geweckt haben. Eine Nachbarin fragte mich bald, ob ich nicht Lektor sein möchte. Nach dem ersten Dienst kam der Küster auf mich zu und sagte, ich solle nur lauter sprechen, sonst wäre alles in Ordnung. Ist es nicht schön, auf solche Weise aufgenommen und gefördert zu werden? Daher war mein allererster Beitrag auch über die Tiller Kirche und danach sind noch viele gefolgt.

Was war Dein bisher größtes Abenteuer?

Für mich bedeutet ein Abenteuer etwas Neues zu wagen. Was Lokalkompass angeht, sind meine zwei Nachrufe auf Menschen, die enorm wichtig waren für das Leben der Tiller Dorfgemeinschaft, mein größtes Wagnis. An erster Stelle steht der Nachruf auf Pfarrer Ignatius Dom, einen Mann, der in Till und Huisberden Pfarrer war und uns sehr viel gegeben hat. Über dem Beitrag habe ich lange gebrütet. Der Nachruf auf unseren früh verstorbenen begabten Organisten und Chorleiter Dieter Albers hat noch mehr von mir verlangt. Es war ein Beitrag, womit ich gerungen habe wie mit keinem anderen, weil ich auch das Beten für den Verstorbenen leitete und uns allen Trost spenden wollte. Mit beiden Beiträgen wagte ich mich auf für mich völlig neues Gebiet.

Wenn Du drei Wünsche an den Lokalkompass hättest, welche wären das?

Ich würde mir wünschen, dass Kommentare gar nicht bepunktet werden. Dass der ursprüngliche Dateiname der eingesendeten Bilder für den Einsender aufzuspüren ist. Und ich würde mir wünschen, dass ab 5 Bildern pro Beitrag eine Abgabe für soziale Zwecke fällig wird, worüber die Community monatlich abstimmt.

In deinen Berichten kreist du besonders zwischen Kalkar, Kleve und Xanten. Was zieht dich dort an?

Wie dieses Gebiet wurden mein Geburtsort Nimwegen und der Geburtsort meiner Ahnen besonders heimgesucht am Kriegsende. Ich meine, das verbindet und lässt uns wirklich auf eine gute Euregio und ein gelingendes Europa hoffen.

Immer wieder berichtest du von Plasmolen-Malerei. Was hat es damit auf sich?

In der Blütezeit einer Künstlerkolonie im wunderschönen Naturgebiet von Plasmolen an der Grenze mit Deutschland war mein Großvater Jan dort Förster beim Baron van Verschuer. Als die Familie 1930 nach Nimwegen zog, gingen viele Kunstwerke als Erinnerung mit. Gleichzeitig beendete die Wirtschaftskrise die Blütezeit, der spätere Krieg suchte dieses schöne Gebiet besonders heim. Mit meinen Beschreibungen dieser Kunst versuche ich etwas von dem „verlorenen Paradies“ zurück zu finden und für Lokalkompass zu erschließen.

Von wo aus würdest du gern mal im Lokalkompass berichten?

Sehr gerne würde ich wieder länger in Israel sein und von „meinem“ Kibbuz berichten, der heute allerdings kein Kibbuz mehr ist. Dort habe ich nämlich vor 40 Jahren meine Frau kennengelernt, was meine Liebe zu Israel natürlich nur noch größer machte. Beim Pflücken von Avocados und Orangen kann man sich gut unterhalten.

Du darfst einen Arbeitstag im Atelier eines großen Künstlers oder einer großen Künstlerin begleiten. Wen wählst du und warum?

Sehr gerne würde ich Giovanni Vianini, Kantor des Mailänder Domes besuchen. Er führt bei YouTube Menschen an die Gregorianik heran und hat sogar für mich eine Hymne, womit ich nicht klar kam, vorgesungen und die Singweise erklärt. Es wäre wunderbar einfach nur zuzuhören wie der Maestro singt und Orgel spielt und mit seinem Chor übt.
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An dieser Stelle bedanke ich mich bei meiner Frau Patricia die meine Texte korrigiert. Dann gebühren den bereits gekürten Bürgerreportern Günter van Meegen, Willi Heuvens und Eelco Hekster Dank, weil sie mich treu besuchen. Teuer sind mir auch Monika Eskandani und Gottfried (Mac)Lambert die einige meiner Gedichte kommentierten und dadurch mich veranlassten sie zu verbessern. Was will ein Bürgerreporter mehr?

Lesetipps der Redaktion:
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Autor:

Lokalkompass .de aus Essen-Süd

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