Altes Handwerk neu erleben

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Altes Handwerk neu erleben - Steprather Mühle, Walbeck

Im niederrheinischen Walbeck dreht sich die älteste voll funktionsfähige Windmühle Deutschlands. Hier können Besucher dem Müller über die Schulter schauen und nach der Besichtigung frisches Brot oder Kuchen aus traditionell gemahlenem Mehl genießen.

Seit vielen Jahrhunderten prägen Windmühlen als markante Wahrzeichen den Niederrhein; allein am linken Rheinufer stehen rund 130 der eindrucksvollen Bauwerke. Das Besondere an der Steprather Mühle: Die mehr als 500 Jahre alte Turmwindmühle ist voll funktionsfähig – hier wird auch heute noch mit Windkraft Korn zu Mehl gemahlen. Dass aus dem vom Verfall bedrohten Kulturdenkmal wieder ein richtiges Schmuckstück wurde, ist dem Engagement des Fördervereins zu verdanken. Mit Spendengeldern, finanzieller Unterstützung der NRW-Stiftung, die ihre Gelder vor allem aus Lotterieerträgen von Westlotto bezieht, und jeder Menge Eigenleistung ist es den Mitgliedern gelungen, die Steprather Mühle zu restaurieren und das Mahlwerk zu erneuern. Seit 1995 drehen sich nun die Flügel wieder – und die Windmühle hat sogar ihren eigenen Müller. Detlef Franz, der im eigentlich als Fluglotse arbeitet, entschloss sich 2013 zu einer Ausbildung zum ehrenamtlichen Müller in den Niederlanden. „Ich finde es wichtig, die faszinierende Mühlentechnik mit ihrer effizienten Mechanik, aber auch das Wissen über das alte Handwerk zu bewahren“, sagt er. „Außerdem macht es einfach Spaß, mit den Kräften der Natur zu arbeiten.“

Bevor der Müller mahlen kann, muss er zunächst die Flügel frontal in den Wind drehen. Mit Hilfe einer Winde und Ketten, die um die sogenannten Krühpfähle gelegt werden, bringt er die bewegliche Haube der Mühle mitsamt dem Flügelkreuz in die richtige Position. Dann heißt es „Bremse los“ und die 14 Meter langen Flügel setzen das Mahlwerk in Bewegung. Wie die Mechanik im Inneren des Turms funktioniert, können Besucher nach Anmeldung bei einer Führung hautnah erleben. Über schmale, steile Holzstiegen geht es über die verschiedenen Ebenen der Mühle bis hinauf zum Kappenboden, wo die lange, gusseiserne Flügelwelle das mächtige Kammrad bewegt. Seine Kämme greifen wiederum in die des Kronrads und treiben die sogenannte Königswelle an. Sie überträgt die Kraft nach unten, ein großes Zahnrad bewegt die Spindelräder. An den Spindeln schließlich sitzen die Mahlsteine. Bei der Steprather Mühle bewirkt die komplexe Technik eine Übersetzung von 1:7 – das heißt, wenn sich die Flügel der Mühle einmal herumgedreht haben, hat der Mahlstein bereits sieben Drehungen vollzogen. Er zerreibt mit seinem Gewicht die Getreidekörner zu Mehl.

Im angrenzenden Backhaus wird das selbst gemahlene Vollkornmehl in verschiedenen Formen angeboten. Nach dem eindrucksvollen Ausflug in die Welt der Mühlentechnik können sich die Besucher hier zünftig stärken, frisch gebackenes Brot oder leckeren Kuchen genießen – und dabei auch noch aktiv zum Denkmalschutz beitragen: Der Erlös fließt in den weiteren Erhalt und Betrieb der Steprather Mühle.
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