Krefelder Lotto-Pechvogel bei WWM: Bier statt Millionengewinn

Der Krefelder Andrej Garn gewann 32.000 Euro bei „Wer wird Millionär“. (Foto: RTL / Stefan Gregorowius)
 
In einer WestLotto-Annahmestelle spricht Andrej Garn über seine Geschichte. (Foto: Andrea Bowinkelmann)
Manchmal bekommt man eine zweite Chance im Leben. Für Andrej Garn bot sich diese, als im Frühjahr die Macher der RTL-Sendung „Wer wird Millionär?“ auf ihn zukamen. Zunächst wunderte sich der Krefelder über den Anruf, schließlich hatte er sich gar nicht als Kandidat für die Show beworben. Am Telefon hieß es, man habe von seinem Pech gehört und wolle ihn deshalb in die Sendung einladen. „Ich schaffe es nie und nimmer, mich in der Schnellraterunde für den Stuhl zu qualifizieren“, entgegnete der immer noch skeptische 66-Jährige. Das brauche er auch nicht, er komme als spezieller Gast von Günther Jauch automatisch auf den Fragenstuhl, versicherte man ihm. Unter diesen Voraussetzungen ließ sich der frühere Maschinentechniker auf das Abenteuer „Wer wird Millionär?“ ein.

Wahre Geschichte

Was aber war es, von dem die Fernsehmacher gehört hatten und das sie bewog, Andrej Garn in ihr „Pechvogel-Special“ einzuladen, bei dem Millionen Zuschauer am Freitagabend einschalteten? Es ist die unglaubliche, aber wahre Geschichte um einen haarscharf entgangenen Lottogewinn, die sich vor beinahe 23 Jahren in Krefeld ereignete. Andrej Garn erzählte sie Westlotto bei einem Treffen in der Annahmestelle Janßen im Schwanenmarkt.

Trinkgeld

Der damals 43-Jährige arbeitete 1993 bei einem Schlüsseldienst. An einem Freitagnachmittag tauchte dort ein Kunde mit einer Geldkassette auf, die er nicht öffnen konnte. Für Garn und zwei seiner Kollegen kein Problem. 38 DM betrug die Rechnung, die der Kunde großzügig mit einem 50-Mark-Schein beglich. Es blieben also zwölf DM Trinkgeld für die drei Mitarbeiter. Die Kollegen schlugen vor, das Geld gemeinsam in einen Lottoschein zu investieren. Doch der vorsichtige Krefelder wollte sich an der Tippgemeinschaft nicht beteiligen und ließ sich seine vier Mark auszahlen. Zwar spielte er regelmäßig Lotto 6aus49, doch in der Regel allein. Bei einer Tippgemeinschaft, so mutmaßte er, könne es eventuell „Theater“ geben. Als Jüngster unter den drei Kollegen tat er ihnen aber noch den Gefallen, den Tippschein zur Annahmestelle um die Ecke zu bringen.

Bier statt Tipp

Am jenem Herbstwochenende des Jahres 1993 hatte Andrej Garn viel zu tun. Um die Lottoziehung kümmerte er sich nicht im Geringsten. Umso größer war seine Überraschung am folgenden Montag, als ihn am Arbeitsplatz ein Schild begrüßte „Wegen Reichtums der Angestellten geschlossen“. Die beiden Kollegen feierten ihren „Sechser“ im Lotto und ließen alle im Betrieb von ihrem Glück wissen. Der Maschinenfachmann hielt das Ganze zunächst für einen Scherz. Doch als später die Gewinnquote in Höhe von 3,6 Millionen DM bekannt wurde und einer der beiden Kollegen tatsächlich sehr bald seine Arbeit kündigte, dämmerte dem Unglücksraben, dass ihm doch etwas entgangen sein könnte. „Das Bier, das ich mir von dem Trinkgeld geleistet habe, statt mit den Kollegen Lotto zu spielen, war das teuerste aller Zeiten. Es kostete mich 1,2 Millionen DM“, erzählt Garn. Während seine beiden Kollegen als Lotto-Millionäre ein neues Leben anfingen, blieb Andrej Garn in der undankbaren Rolle als Riesen-Pechvogel zurück.

Talkshows

Seine Geschichte sprach sich schnell herum. Zuerst berichtete die Presse über sein Malheur, danach kam das Fernsehen. Es gab in den Neunziger Jahren kaum eine Talkshow, in der Andrej Garn nicht zu Gast war. Immer wieder war die aberwitzige Geschichte Thema in den Medien. Der Mann aus Krefeld erzählte mit Geduld und ohne Neid auf die beiden Ex-Kollegen von seinem Schicksal. Viel Häme wurde in manchen Veröffentlichungen über ihm ausgeschüttet. Der entgangene Lottogewinn sei die Quittung für seinen Geiz, hieß es. Doch Andrej Garn, der sich natürlich anfangs ärgerte, war gefestigt und charakterstark genug, um über diese Sache hinwegzukommen.

Posterboy mit 19

Im Schicksalsjahr 1993 hatte er bereits eine aufregende Lebensgeschichte hinter sich. Als junger Mann hatte er einige Jahre bei einem Verwandten in Los Angeles gelebt und dort zahlreiche Hollywood-Stars wie Rock Hudson und Bette Davis kennengelernt. „Das sind Menschen wie du und ich“, kommentiert er seine Begegnungen. Bis heute spricht der Krefelder perfekt Englisch und Spanisch. Schon als Teenager landete er in der Zeitung. 1969 war er Posterboy in der Jugend-Zeitschrift „Bravo“. Nach dem Lotto-Malheur zerstritt sich Garn zwar mit seiner damaligen Freundin, doch später fand er neues Glück in der Liebe und ist mit seiner Partnerin bis heute verheiratet. Auch beruflich machte er weiter Karriere.

Nervosität

Dass die alte Lotto-Geschichte jetzt noch einmal ans Tageslicht kam und sich finanziell auf andere Art zu seinen Gunsten wenden sollte, ist nach fast 25 Jahren ein schöner Abschluss, meint der Krefelder. Über seinen TV-Auftritt berichtet er: „Die Quiz-Situation hat mich nervös gemacht. Aber Günther Jauch ging ganz toll damit um und beruhigte mich.“ Am Ende schaffte es der Lotto-Pechvogel von einst immerhin auf 32.000 Euro Gewinn. Bei der 64.000 Euro-Frage konnte auch der Telefon-Joker nicht helfen. Garn stieg aus. „Das ist zwar noch keine Million, aber ich war nur noch drei Fragen von ihr entfernt“, so der Krefelder zufrieden.
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