Das Streben nach Glück

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Glücklich sein, das ist jeder Mensch auf seine ganz eigene Weise. Doch der Traum vom Lottogewinn und einem sorgenfreien Leben ist bei vielen lebendig. (Foto: Istock)
 
Glücklich sein, das ist jeder Mensch auf seine ganz eigene Weise. Doch der Traum vom Lottogewinn und einem sorgenfreien Leben ist bei vielen lebendig. (Foto: Istock)

Die Sehnsucht nach glücklichen Momenten ist so alt wie die Menschheit. Wer wünscht es sich nicht, das kleine Quäntchen Glück im Leben oder gar die dauerhafte Dosis an purer Freude? Dabei definiert jeder sein ganz persönliches Glück anders.

Das Verständnis von Glück ist so bunt und unterschiedlich wie unsere Gesellschaft. Drei Dinge oder Zustände werden am meisten genannt, wenn man sich umhört und nach den persönlichen Vorstellungen von Glück fragt, wie der Hamburger Diplom-Soziologe und Glücksforscher Dominik Dallwitz-Wegner in einer repräsentativen Studie in Österreich herausfand: Die meisten Menschen stellen sich unter Glück eine gute Gesundheit vor, gefolgt von einer intakten Familie und ausreichend finanziellen Mitteln. „Dabei ging es uns vor allem darum, herauszufinden, woran die Leute glauben“, erklärt Dallwitz-Wegner. „Was macht sie wohl ihrer Meinung nach wirklich glücklich?“

Natürlich spiele bei diesen Vorstellungen auch Geld eine nicht unerhebliche Rolle, „und der Traum vom Lottogewinn ist durchaus oft präsent“. Etliche Mitbürger hätten verinnerlicht, dass viel Geld vielleicht nicht auf Dauer glücklich mache, aber zumindest beruhige. Ein Millionär, so Dallwitz-Wegner, könne womöglich unglücklich sein, wenn auch die Wahrscheinlichkeit geringer als bei einem Hartz 4-Empfänger sei.

An einen gewissen Zustand, den man sich irgendwann einmal als die ideale Form des Glücks vorgestellt habe, gewöhne sich der Mensch sehr schnell, wenn dieser denn tatsächlich einmal eingetreten sein sollte, wie die Studien des Glücksforschers aus Hamburg herausgefunden haben. „Der Glückseffekt ist spätestens nach anderthalb Jahren verstrichen“, sagt Dallwitz-Wegner. „Dann geht es darum, sich der komfortablen Situation stets bewusst zu sein und in Erinnerung zu rufen, dass man sich diese früher als Idealzustand gewünscht hat.“ Wenn man sich beispielsweise dauerhaft guter Gesundheit erfreue oder über viel Geld verfüge, nutze sich das diesbezügliche Glücksempfinden schlicht und ergreifend irgendwann ab.

Glücklich sein kann man auch lernen

Den dauerhaft restlos glücklichen Menschen gibt es ohnehin nicht – darüber sind sich Forschung und Wissenschaft längst einig. Selbst der dauerhaft Zufriedene ist nur relativ selten anzutreffen. Vielmehr geht es um die kleinen Glücksmomente im Alltag – diese gelte es zu erkennen, sagt Dallwitz-Wegner. „Insofern kann ich Glücklichsein auch ein wenig lernen, das jedoch nur durch eigene Erfahrungen. Die lehren uns nämlich, das eigenes Glückslevel auf Dauer gezielt zu verändern.“ Und so kann man durchaus lernen, selbst kurze Augenblicke des Glücks, der Freude nicht achtlos links liegen zu lassen, sondern sie zu erhaschen, bewusst zu erleben, aufzusaugen und sich an ihnen zu erfreuen.

Das gelingt in diesen hektischen Zeiten mit bisweilen oberflächlichen Begegnungen längst nicht allen Zeitgenossen. Glücklicher sind sicherlich die, die solche Momente noch genießen können. Wie Stephanie Sonnwald aus Essen: „Mein kleines Glück bedeutet, wenn ich morgens aufwache und im Körbchen neben dem Bett schläft mein Hund ganz selig und friedlich.“ Bei einem Frühlings-Spaziergang durch Felder und Wälder, durchströme ihn bisweilen ein gewisses Glücksempfinden, sagt der Bochumer Holger Born: „Dann kann ich mich schon mal an den aufblühenden bunten Pflanzen erfreuen, und ich weiß es absolut zu schätzen, dass ich genau das in diesen Minuten bewusst erlebe.“ „Es gibt keinen Weg zum Glücklichsein. Glücklichsein ist der Weg“, ist eine von Buddha überlieferte Weisheit.

Trotz der so wertvollen Augenblicke, die das Leben bereichern können, umtreibt der Traum vom ganz großen Glück allerdings immer noch die meisten Deutschen. Und dieser Traum ist bei vielen eben eng verknüpft mit der Vorstellung vom Millionengewinn im Lotto. „Ich muss schon zugeben“, sagt Steffen Kremer aus Essen, „dass ich mir schon oft genug in meinen Tagträumen ausgemalt habe, was ich machen würde, wenn ich eine oder auch zehn Millionen im Lotto gewinnen würde“. Manchmal sei er dann samstags kurz vor der Bekanntgabe der Zahlen sogar noch ein wenig aufgeregt. „Wenn ich dann alle Jubeljahre mal drei Richtige habe, freue ich mich auch schon wie ein Schneekönig.“

„Das Gehirn ist eine unglaubliche Simulationsmaschine“, erklärt Dominik Dallwitz-Wegner. „Es macht keinen großen Unterschied, ob Dinge wirklich geschehen sind, oder ob man sich diese nur vorstellt.“ Und deswegen sind die Träume vom Glück auch so alt wie die Menschheit.

Von Ulrich Dörner
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