Hoffenheim mit jüngstem Bundesliga-Trainer aller Zeiten im Abstiegskrimi

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Huub Stevens wurde auf Schalke zum Jahrhunderttrainer gewählt und arbeitete zuletzt für die TSG Hoffenheim, wo der 62-Jährige aus gesundheitlichen Gründen am Mittwoch zurücktrat und sein Karriereende bekanntgab. (Foto: Gerd Kaemper)
 
Der Ex-Mainzer Eric Maxim Choupo-Moting (am Ball) droht dem S04 heute Abend zu fehlen. (Foto: Gerd Kaemper)
 
Mainz-Manager Christian Heidel (l.) soll spätestens im Sommer Nachfolger von Schalke-Manager Horst Heldt werden. (Foto: Ulrich Rabenort)

Keine Frage: Das Aufeinandertreffen von Mainz und Schalke am heutigen Freitagabend prägt wegen der Personalie Christian Heidel auch den 21. Spieltag. Doch der überraschende Rücktritt von Huub Stevens bei der TSG Hoffenheim am Mittwochmorgen überstrahlt mit seinen Folgen alles.

28 Jahre ist Julian Nagelsmann alt. Der in Landsberg am Lech (Bayern) geborene Fußball-Übungsleiter ist seit dem gestrigen Donnerstag neuer Trainer des Tabellenvorletzten TSG Hoffenheim und damit der jüngste Bundesliga-Trainer aller Zeiten. Zwar war Bernd Stöber erst 24, als er am 23. Oktober 1976 für den 1. FC Saarbrücken beim Auswärtsspiel in Köln (1:5) an der Linie stand. Doch Stöber war nur eingesprungen und wurde eine Woche später bereits wieder als Cheftrainer abgelöst. Der jüngste Trainer, der nicht nur interimsweise für ein Spiel oder ein paar Wochen einsprang, war Klaus Dieter-Ochs, der im Alter von 30 Jahren und 288 Tagen ab dem 15. August 1970 drei Jahre lang (102 Spiele) für den Hamburger SV verantwortlich war. Nun also Nagelsmann, der verletzungsbedingt seine Spielerkarriere bereits mit 20 beendete, seine Trainer-Karriere daraufhin in der Jugend beim FC Augsburg startete und über den TSV 1860 München (2008 bis 2010) nach Sinsheim wechselte, wo er seit 2013 für Hoffenheims ältesten Jugendjahrgang (U19) verantwortlich war und mit denen er 2014 Deutscher Meister und 2015 Vizemeister wurde. Im Laufe dieser Saison saß der 28-Jährige bereits mehrfach als Co-Trainer mit auf der Bank neben Huub Stevens.

Herzrhythmusstörungen zwingen Stevens zum Karriereende

Dessen Rücktritt am Mittwochmorgen sorgte überhaupt erst dafür, dass Nagelsmann bereits jetzt als Cheftrainer der Hoffenheimer Profis verantwortlich ist. Zwar war es geplant, dass Nagelsmann im Sommer Stevens beerben sollte. Doch auch, wenn Stevens seit seinem Amtsantritt im Oktober 2015 in zehn Spielen nur einen Sieg einfahren konnte, wollten die Verantwortlichen bis zuletzt weiter am Niederländer festhalten. Bis die Gesundheit Stevens einen Strich durch die Rechnung machte. Bei Stevens wurden Herzrhythmusstörungen diagnostiziert. „Ich werde mich bald einer Herz-Operation unterziehen müssen“, gab Stevens am Mittwoch bekannt, der bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mit anwesend war. Schmunzelnd, aber unter Tränen, sagte der 62-Jährige in Anlehnung an seinen Spitznamen: „Schade, dass der Knurrer nicht mehr da ist.“ Stevens trat nicht nur als Trainer der TSG zurück, sondern gab auch sein Karriereende bekannt. „Das Risiko ist zu groß. Ich habe nicht mehr viele Jahre. Aber diese will ich genießen.“

Nagelsmann in Bremen mit einer Sondergenehmigung des DFB

Der Start für Nagelsmann hätte nicht schwieriger sein können. Zunächst musste die TSG 1899 Hoffenheim sich eine Sondergenehmigung des Deutschen Fußball Bundes (DFB) einholen, dass Nagelsmann als Cheftrainer verantwortlich arbeiten darf, da der 28-Jährige noch nicht die Trainerausbildung abgeschlossen hat. „Die schließt er in der zweiten März-Woche ab“, gab Hoffenheim-Manager Alexander Rosen Mittwoch bekannt. Heißt für Nagelsmann auch, dass er bis Ende März unter einer extremen Doppel-Belastung steht. Darüber hinaus steht die TSG sportlich mit dem Rücken zur Wand. Fünf Punkte auf den Relegationsplatz und gar sieben auf den ersten Nichtabstiegsplatz beträgt der Rückstand für den Tabellenvorletzten. Den Relegationsplatz hat derzeit Werder Bremen inne, Hoffenheims nächster Gegner, der unter der Woche im DFB-Pokal mit 3:1 bei Bayer Leverkusen gewann und somit ins Halbfinale eingezogen ist. Der Glaube an einen Auswärtssieg der Gäste hält sich trotz Trainer-Wechsel aber derzeit wohl noch in Grenzen. 191 Gäste-Tickets wurden bislang erst verkauft!

15 Spieler wechselten bereits zwischen Mainz und Schalke

Noch nicht ganz ausverkauft ist die Partie Mainz gegen Schalke, die den 21. Spieltag am heutigen Freitagabend eröffnet. Dort waren bis Donnerstagabend 30.000 der 34.000 Karten verkauft - obwohl es ein ganz besonderes Duell ist. Johannes Geis ist bereits der 15. Spieler seit 2005, der entweder von Mainz nach Schalke wechselte oder den umgekehrten Weg ging. Mimoun Azaouagh, Mathias Abel, Tim Hoogland, Lewis Holtby, Mario Gavranovic, Edu, Filip Trojan, Christian Fuchs, Christoph Moritz, Adam Szalai, Tim Hoogland, Eric Maxim Choupo-Moting, Jan Kirchhoff, Christian Clemens und eben jener Geis sind diese 15 Akteure, die bereits schon mehr als ein interessantes Kapitel zwischen diesen beiden Klubs schrieben (ließen). Mit Christian Heidel kommt ein langes und intensives noch dazu.

Christian Heidel seit 1992 Manager von Mainz 05

Der Manager von Mainz 05 soll die Nachfolge von seinem Amtskollegen Horst Heldt beim FC Schalke 04 im Sommer antreten. Der auslaufende Vertrag von Heldt beim S04 soll nicht verlängert werden, stattdessen soll Heidel aus seinem bis 2017 laufenden Vertrag bei Mainz 05 herausgekauft werden. Während Schalke und Heidel wollen, will Mainz zwar nur sehr ungerne seinen Macher ziehen lassen. Doch Heidel gab am Donnerstag bekannt, dass es „zügig“ eine Entscheidung geben wird. „Nageln sie mich jetzt nicht auf die nächste Woche fest. Aber sobald es eine Entscheidung gibt, ganz gleich in welche Richtung, werde ich oder wird Mainz oder wird Schalke es bekanntgeben.“ Heidel ist gebürtiger Mainzer, dort sei 1992 Manager und damit Dienstältester seines Fachs. Unter seiner Verantwortung bekamen nicht nur Jürgen Klopp und Thomas Tuchel die Chance, Bundesliga-Trainer zu werden. Die 05er entwickelten sich von einem abstiegsbedrohten Zweitligisten zu einem gestandenen Bundesligisten. Darüber hinaus ließ Heidel eine moderne Arena bauen, die Platz für 34.000 Zuschauer bietet - und die sicherlich bei all der Brisanz heute Abend auch (nahezu) ausverkauft sein wird.

Thomas Schaaf ohne acht Spieler in Dortmund

Weniger Brisanz, dafür umso mehr Druck, steckt in den Spielen von Hannover 96 und VfL Wolfsburg. Die Hannoveraner müssen bei der sowieso schon extrem schwierigen Auswärtsaufgabe in Dortmund nicht nur auf ihren Kapitän Christian Schulz verzichten, sondern unter anderem auch noch auf ihre Sturm-Neuzugänge Adam Szalai und Hugo Almeida. Insgesamt fehlen Trainer Thomas Schaaf acht Spieler. Bedingungen, die es nicht einfacher machen, den letzten Tabellenplatz verlassen zu können, wenngleich der Tabellenvorletzte Hoffenheim nur wegen des etwas besseren Torverhältnisses vor den Niedersachsen steht.

Wolfsburg seit sieben Spielen ohne Sieg

Solche Probleme hat Wolfsburg nicht. Doch der Vizemeister ist in den vergangenen Wochen auf Platz acht abgerutscht und wartet mittlerweile seit sieben (!) Bundesligaspielen auf einen Sieg. Acht Punkte beträgt der Rückstand auf Platz drei, der zur direkten Qualifikation in der Champions League berechtigt. Acht Punkte haben die „Wölfe“ aber mittlerweile auch nur noch Vorsprung auf den Relegationsplatz 16. Immerhin: Im „Auto-Duell“ gegen den Aufsteiger Ingolstadt, dessen Brust die „Audi-Ringe“ zieren, ist das Team von Trainer Dieter Hecking trotz der erschreckenden Bilanz der vergangenen Spiele klar favorisiert. Ingolstadt schoss in bisher zehn Auswärtsspielen erst fünf Tore. „Gegen den Ball spielt Ingolstadt überragend. Ihr Spiel nach vorne ist dagegen sehr einfach gestrickt“, sagte Hecking am Donnerstag. Ob der Wolfsburg-Trainer seinen Mund damit zu voll genommen hat, wissen die Fußball-Fans am Samstagabend.
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