Ruhrfestspiele 2017: Frank Hoffmann meldet "sensationelles Ergebnis"

Dr. Frank Hoffmann, Jahrgang 1954, leitet noch bis einschließlich 2018 die Ruhrfestspiele Recklinghausen- | Foto: krusebild
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So sieht ein hoch zufriedener Festival-Leiter aus: Dr. Frank Hoffmann freut sich über über 82.668 Besucher der 71. Ruhrfestspiele Recklinghausen – und ein Novum, denn meistens sind ja bereits beim Start des Kartenvorverkaufs im Januar die Weichen gestellt. „Erstmals haben wir in der laufenden Saison über 14.000 Karten an der Kasse verkauft.“

Es werden noch mehr werden, denn in den Zahlen, die er am Freitag präsentierte, sind noch nicht die Besucher verzeichnet, die die letzten Stücke bis einschließlich Sonntag, 19. Juni, sehen werden und vor allem ist noch nicht das Publikum erfasst, das zum Open-Air-Abschlusskonzert von Wanda am Samstag kommt. Platz wäre für weitere 3.500 bis 4.000 Besucher.

Messlatte für den Nachfolger 2019 hängt hoch

Für Frank Hoffmann ist es die vorletzte Saison: Er wird noch das kommende Festival 2018 leiten. Auf die Frage nach seinen persönlichen Plänen antwortete er: „Ich bin Regisseur, das ist meine Arbeit, und die werde ich weitermachen.“ Im Herbst 2004 wurde Hoffmann Leiter der Ruhrfestspiele. Er kam - nach der ebenso kurzen wie desaströsen Saison unter Frank Castorf, der die Ruhrfestspiele fast in die Insolvenz getrieben hatte – als dessen Nachfolger und erwies sich als deren Retter. Aus dem Stand heraus. Dass die Ruhrfestspiele, die Stadt Recklinghausen und die Region dem Intendanten viel zu verdanken haben, steht außer Frage. Wer Hoffmanns Nachfolge antreten wird, sieht eine sehr hoch hängende Messlatte, künstlerisch wie wirtschaftlich.
Neben den Ruhrfestspielen er noch „einen zweiten Vollzeit-Job“ (O-Ton): Er leitet das Théâtre National du Luxembourg.

Inhaltlich so politisch wie selten

Inhaltlich freute es Hoffmann, der die Bilanz gemeinsam mit Geschäftsführerin Genia Nölle (seit einem Jahr im Amt) vor vielen Medienvertretern vorstellte, dass die Ruhrfestspiele sehr politisch waren und Themen wie Terrorangst, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Gewalt, Glaubensfragen und Religion aufgriffen.
Genia Nölle beließ es nicht bloß bei nüchternen Zahlen, sie bedankte sich „für eine außergewöhnliche Erfahrung. Ich habe mich etwa so gefühlt, wie das Motto: Kopfüber, Weltunter. Hier wird mit einem winzig kleinen Team ein Riesenfestival gestemmt, das täglich bis Mitternacht arbeitet.“

FRiNGE Festival übertrifft Rekord von 2014

Auch wenn kein Rekord geknackt wurde, bezeichnete Hoffmann das Ergebnis von (bisher) 82.668 Besuchern als sensationell. Die 71. Ruhrfestspiele erzielten eines der besten Ergebnisse ihrer Geschichte. Dies entspricht einer Auslastung von 83,9 Prozent. „Kopfüber Weltunter“ setzte sich mit dem Gefühl des Chaos und der Unsicherheit in Zeiten des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels und der radikalen Umbrüche künstlerisch auseinander. Der Luxemburger: „Das Thema traf ins Schwarze, die Ruhrfestspiele sind am Puls der Zeit. Das Programm veranschaulicht mehr denn je, wie die politische Lage auf die menschliche Psyche einwirkt, wie sie Einfluss nimmt auf jeden Einzelnen und auf die Gesellschaft als Ganzes. Das Interesse, Politik zu hinterfragen, nimmt gegenwärtig merklich zu. Mit unserem Spielzeitprogramm haben wir diese Diskussionskultur noch befeuert.“

Zahlen des Abschlusskonzerts am Samstag fehlen noch

Inszenierungen wie die Uraufführung von „Hool“ und die atemberaubende Street Dance-Performance „FLEXN“ in der Regie von Peter Sellars und Reggie (Regg Roc) Gray setzen sich eindrucksvoll mit dem Thema Gewalt auseinander, Stücke wie „Bomben­stim­mung“ und „Schlaraffenland“ sprachen das Thema Terror mit durchaus bissigem Humor an.
Wieder Riesenerfolge waren die Lesungen (die letzte hält am Sonntag um 11 Uhr Norbert Lammert und ist ausverkauft) und vor allem das Fringe Festival: Mit 13.821 Besuchern wurde der bisherigen Fringe-Besucherrekord von 2014 (13.080) übertroffen. Was Hoffmann besonders am Herzen liegt, denn das Avantgarde-Festival im Festival ist sein Baby, er hat das Fringe Festival nach Recklinghausen geholt und etabliert.

328 Aufführungen, 21 Spielstätte, 25 FRiNGE-Produktionen

Noch ein paar Zahlen: Insgesamt waren bei den Ruhrfestspielen 2017 108 Produktionen in 328 Aufführungen und 21 Spielstätten zu erleben, darunter 10 Uraufführungen, eine Weltpremiere, eine Europa­premiere, eine Deutsche Erstaufführung, eine Deutschsprachige Erstaufführung, fünf Deutschland­premieren und 25 FRiNGE Produktionen. Das Gros der 17 Koproduktionen der Ruhr­­­­festspiele wird an renommierten nationalen und internationalen Theatern weitergespielt.
Auch das Kulturvolkfsfest am 1. Mai zur Eröffnung der Ruhrfestspiele gehört in die Bilanz. Trotz des verregneten Wetters kamen über 40.000 Gäste.

Autor:

Kerstin Halstenbach aus Recklinghausen

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