Mit selektiver Wahrnehmung löst man keine kulturpolitischen Probleme (Leserbrief)

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...an das Medienhaus Bauer, Marl:

– Von: Dietrich Stahlbaum
– Betr.: „Der Islam stellt eine grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung dar“
– Vom: 15. Januar

Mit selektiver Wahrnehmung löst man keine kulturpolitischen Probleme, sondern trägt nur zur Verhärtung der Gegensätze bei. Das sollten sich auch Wissenschaftler hinter die Ohren schreiben.

Georg Schliehes Kritik am heutigen Islam ist zum Teil berechtigt. Mich stören dabei Generalisierung und Pauschalurteile. So gehören z. B. Aleviten ebenfalls zum Islam. Die Alevitische Gemeinde Deutschland hat ca. 500 000 Mitglieder. Auf sie trifft Schliehes Kritik am wenigsten zu. Ebenfalls zum Islam gehören die Sufisten. Ihre Zahl ist in Deutschland gering. Aber auch sie schmoren in dem Topf, in dem er alles zu einem Einheitsbrei verrührt. Der Islam hat viele Facetten und kann nicht über einen Kamm geschoren werden. Schliehe hat einmal behauptet, der Islam sei nicht reformierbar. Aleviten und Sufisten beweisen das Gegenteil.

Auch das Christentum hat Jahrhunderte lang eine nach heutigem Rechtsempfinden „grund- und menschenrechtswidrige Weltanschauung dar[ge]stellt“, somit gegen ethische Prinzipien des Humansimus verstoßen und sich dabei auf Bibeltexte berufen.* Auf den Katholizismus und einige evangelikale Sekten trifft das teilweise noch zu; dennoch war und ist das Christentum reformierbar.

Der Terror des Christentums während seiner Expansion und Herrschaft wiederholt sich heute bei den Taliban, bei al-Qaida und beim IS. Das Christentum hat sich, wo es nicht selber Staatsreligion war, den jeweiligen politischen Verhältnissen angepasst. Die katholische Kirche und die „Deutschen Christen“ ** haben sogar mit faschistischen Regimen paktiert: in Deutschland (Nationalsozialismus), Italien, Kroatien (Ustascha), in Spanien, Portugal, Lateinamerika.

Mit Zitaten aus dem Koran lässt sich die These, der Islam sei nicht reformierbar, nicht beweisen. Der Koran ist wie die Bibel (AT und NT) voller Widersprüche, so dass alles mit Zitaten begründet werden kann, wurde und wird, je nach Belieben.
Im Übrigen müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die Muslime in Deutschland, allen voran ihre großen Verbände, sich gerade von Terror und anderer religiös begründeter Gewalt deutlich und unmissverständlich distanziert haben. Ein Anfang!

Fragen wir nach den Ursachen des islamistischen Terrors. Er entstand im sowjetisch besetzten Afghanistan und begann mit den Taliban, finanziert und mit Waffen beliefert von den USA. Es kann also nicht am Koran, nicht am Gabriel-Hadith, nicht an der Sharia, nicht am Islam liegen. Die Religion wurde und wird für machtpolitische Zwecke benutzt und missbraucht. Die kausalen Zusammenhänge sind komplexer und müssen herausgearbeitet werden, um diesen Terror beseitigen zu können. Militärisch ist das nicht möglich. Das zeigt sich am Zulauf, den IS jetzt erfährt – nach den US-amerikanischen Luftangriffen auf seine Stellungen. –

* BIBEL, Altes Testament.: „Wer den Namen des Herrn schmäht, wird mit dem Tod bestraft; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen...“ (3. Mose 24,16)
Neues Testament: “Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung.“ (LUKAS 12,51-53)

Schon das erste Gebot betont den autoritären Charakter der jüdischen und der christlichen Religion: „Du sollst keine andere Götter neben Mir haben.“ (E.3.D.7.) „Du sollst dir kein Schnitzbild, noch irgend ein Abbild dessen machen, das im Himmel oben, und das auf Erden unten ist, und das im Wasser unter der Erde ist.“ (E.4.D.8.) „Du sollst sie nicht anbeten, und ihnen nicht dienen; denn Ich Jehova, dein Gott, bin ein eifriger Gott, Der heimsucht die Missetat der Väter an den Kindern, bis ins dritte und vierte Glied, an denen, die Mich hassen.“ (E.5.D.9.)
Eine andere Übersetzung: „Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir Feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation (...)“
(2. Mose 20,3-6; 5. Mose 5,7-10)

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen

Am 21. Januar in den Zeitungen des Medienhauses Bauer veröffentlicht.
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