Startschuss für archäologische Ausgrabungen am Johannes-Janssen-Platz

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Am Bauzaun vor dem Ikonenmuseum und der Peterskirche sind viele interessante Infos zu finden. Foto: Max Rolke
 
Unter dem Thema „Recklinghausen gräbt aus“ werden verschiedene Broschüren vom Stadtmarketing bereitgestellt, die Interessierte über den Ausgrabungsstand auf dem Laufenden halten sollen.
Hinweise auf die Ursprünge Recklinghausens liegen vermutlich nur wenige Meter unter der Oberfläche am Platz an der Johannes-Janssen-Straße. Schon 2009 wurde im Schatten von St. Peter ein Brunnen aus dem frühen 18. Jahrhundert entdeckt. Grund genug, etwas tiefer zu bohren und der Sache auf den Grund zu gehen.

Ein Bauzaun umrundet das Areal vor dem Ikonenmuseum, auf dem vor Kurzem noch Autos parkten. Ein LKW und ein Bagger stehen schon bereit, um die Teerdecke aufzureißen und freizulegen, was darunter vermutet wird. Bürgermeister Wolfgang Pantförder verspricht sich viel von den archäologischen Ausgrabungen, die diese Woche starten: „Es geht hier um die Ursprünge Recklinghausens, die wir mit solchen Ausgrabungen herausheben wollen. Recklinghausen ist eine Stadt mit Geschichte und das soll neben dem modernen Projekt der Arcaden nicht vergessen werden.“ Der Bürgermeister ist sich sicher: „Wir werden hier fündig.“

Funde aus dem 9. Jahrhundert

Auch Josef Aulke, Denkmalpfleger der Stadt, hofft, etwas Bedeutendes ausgraben zu können: „Es geht hier um archäologische Funde aus der Zeit von Karl dem Großen, also um das 9. Jahrhundert herum.“ Fünf Monate wird das Team beschäftigt sein. Über 1300 Quadratmeter ist der Platz groß. Zunächst werden Bagger anrücken und die obere Schicht entfernen, ehe dann mit Spaten und Pinsel vorsichtig weitergegraben werden kann.

Karls Krone

Gut gelaunt scherzt Josef Aulke: „Vielleicht finden wir ja die Krone von Karl dem Großen. Oder einen Stiefel.“ Tatsächlich ist das wissenschaftliche Interesse groß, auch wenn der Fund eines Stiefels von Karl dem Großen eher unwahrscheinlich ist. Das Team hofft, Hinweise auf einen befestigten Stützpunkt zu finden, die Karl der Große anlegen ließ. Solche Stützpunkte sollten die Versorgung im Reich sichern und darüber hinaus auch die Herrschaft des Kaisers.

Rund um St. Peter

Eine solche Befestigung vor der Sankt-Peter-Kirche könnte den Beginn der Stadtgeschichte Recklinghausens markieren. Dabei sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt herzlich eingeladen, einen neugierigen Blick in die entstehende Grube zu werfen. Unter dem Thema „Recklinghausen gräbt aus“ werden verschiedene Broschüren vom Stadtmarketing bereitgestellt, die Interessierte auf dem Laufenden halten sollen.

Stadtgeschichte interessantes Bildungsthema

„Die Stadtgeschichte ist natürlich auch ein sehr interessantes Bildungsthema. Wir wollen hier daher Schülern die Möglichkeit geben, organisierte Führungen zu besuchen oder an einer eigens eingerichteten Ausgrabungsbaustelle selbst zu graben“, weist Klaus Herrmann vom Bildungsbüro auf die Aktivitäten während den Ausgrabungen hin.

Ort mit Potenzial

Doch mit den Ausgrabungen ist das Projekt nach fünf Monaten noch nicht beendet. Der Platz vor der Peterskirche und dem Ikonenmuseum soll neu gestaltet werden und den öffentlichen Raum aufwerten. „Der Platz verbindet die Altstadt mit der Krim“, meint Bürgermeister Pantförder. „Wir wollen die historisch bedeutende Kirche St. Peter wieder herausstellen. Aus diesem Ort kann man mehr machen.“ Wie der Platz konkret aussehen wird, ist noch nicht klar.

Bis 2014 alles fertig

Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, der von Oktober bis Dezember durchgeführt werden soll. Dabei werden verschiedene Vorstellungen von Architekten und Planern geprüft, bewertet und öffentlich vorgestellt.
Andreas Rapien, Fachbereichsleiter Planen, Umwelt, Bauen, orakelt, wie es mal aussehen könnte: „Man könnte den alten Brunnen sichtbar werden lassen und einen Platz schaffen, der zum Verweilen einlädt, etwas zurückgezogen. Doch das wird sich noch zeigen, da gibt es noch keine Details.“ Bis November 2014 soll dann alles fertig sein.


Information

Insgesamt stehen der Stadt für das Projekt 491.000 Euro zur Verfügung. Das Land fördert die Maßnahme zu 80 Prozent, das heißt 392.800 Euro kommen aus Düsseldorf, 98.200 Euro zahlt die Stadt. In der Gesamtsumme sind die Kosten für die archäologische Untersuchung mit 188.000 Euro, für den Wettbewerb mit 50.000 Euro und für die Baumaßnahmen der Platzneugestaltung mit 253.000 Euro enthalten.
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