Wilhelm Neurohr: „Herr Bücker und Herr Bodin lösen Widersprüche nicht auf“ (Leserbriefe)

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Entgegnung auf den Leserbrief zu Pfarrer em. Bücker und Michael Bodin vom 07.01.2015 zu Dietrich Stahlbaum *:

„Herr Bücker und Herr Bodin lösen Widersprüche nicht auf“

Wenn sich der pensionierte Pfarrer Heinrich Bücker deshalb über seine abgesicherte hohe Pension freut, weil sie ihm genügend Spielraum für private Spenden zugunsten Bedürftiger ermöglicht, so fällt ihm dies sicher leichter als denjenigen, die z. B. als Armutsrentner ebenfalls privat spenden, sich aber dieses Opfer mit Verzicht auf andere Dinge abringen – was ihnen wesentlich höher anzurechnen ist.

Dass die Pfarrer in Deutschland generell ein gutes beamtenähnliches Gehalt bezie-hen - anders als die von Herrn Bücker bedauerten Amtskollegen in Frankreich, die richtigerweise von den Gemeindemitgliedern finanziell unterstützt werden – so ist das eine zwiespältige Aussage. Es hat nichts mit Neid, sondern mit Gerechtigkeitsgefühl zu tun, wenn hinterfragt wird, warum bei uns die Pfarrer als alleinstehende Junggesellen ein deutlich höheres Einkomen beziehen als eine Durchschnittsfamilie mit Kindern.

Auch verschweigt Herr Bücker, dass ein Großteil der Gehälter der obersten kirchlichen Würdenträger (Erzbischöfe, Bischöfe, Weihbischöfe, Domvikare) nicht von den Kirchensteuergeldern der gläubigen Mitglieder, sondern vom Staat und damit von allen Steuerzahlern bezahlt werden. Das sind jährlich fast 500 Mio. € für die katholischen und evangelischen Würdenträger, insgesamt fast 15 Mrd. € seit Gründung der Bundesrepublik – obwohl es laut Verfassung keine Staatskirche gibt (also hart an der Grenze zum 2. und 7. sowie 10. Gebot…). Dadurch spart die Kirche Milliarden zugunsten ihrer Rücklagen, deren Verwendung intransparent bleibt.

Wenn dennoch in Pfarrgemeinden – trotz Milliardenrücklagen in den Bistümern – für jede Investition in neue Orgel, Glocken oder Renovierung des Pfarrheimes über Kol-lekten und Spendenaktionen zusätzliches Geld von den Kirchensteuer zahlenden Gemeindemitgliedern erbettelt wird, stellt sich doch die Frage: Warum wird das nicht von den Rücklagen der Diözese den Pfarrgemeinden zur Verfügung gestellt?

Glaubt man Herrn Bücker, benötigt die Kirche diese hohen angehäuften Rücklagen, um daraus für Bedürftige gute Werke mittels gezielter Spendenprojekte zu tun. Wie ernst nimmt die Kirche hier das nicht vorhandene 11. Gebot: Du sollst nicht lügen? Denn für solche Zwecke wird ja stets gesondert gebettelt in Form von Spenden- und Sammelaktionen, Kollekten und Dreikönigs-Singern – wie von Dietrich Stahlbaum zu Recht kritisiert…Die Widersprüche haben Herr Bücker und Herr Bodin in ihren Leserbriefen nicht aufgelöst.

Als früherer Messdiener will ich jetzt nicht aus dem Nähkästchen plaudern, wo man-che Kollekten-Gelder teilweise tatsächlich gelandet sind. Ich will auch nicht die Aus-sage von Herrn Bodin anzweifeln, dass mit Spendengeldern zumeist sorgfältig und verantwortungsvoll umgegangen wird, trotz bekannter Missbrauchsfälle. Doch gerade in den etablierten kirchlichen Großorganisationen versickert leider allzu viel in deren aufwändigen Verwaltungsapparaten, bevor der Rest bei den Bedürftigen ankommt.

Wilhelm Neurohr, Westviertel

* http://zeitfragen.blog.de/2015/01/04/recklinghaeus...
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