„Menschenwürdig Abschied nehmen“

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Eingang des Hospizes zum heiligen Franziskus in Recklinghausen (Foto: Dieter Guhl)
hieß das Thema der Besichtigung des Hospizes zum heiligen Franziskus am 7. Oktober 2017 im Rahmen der Reihe „Agenda 21 vor Ort“. Als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Agendabüros Recklinghausen, der die Veranstaltung organisierte, informierte ich nach der Begrüßung die 13 Teilnehmer über die Lokale Agenda 21 und den Recklinghäuser Agendapreis, den 2013 die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizes als von einer von drei gleichwertigen Recklinghäuser Agendapreisträgern erhielten. Das Fachforum Nachhaltige Stadtentwicklung der Lokalen Agenda 21 pflanzte im Frühjahr 2014 im Innenhof des Hospizes eine Blasenesche (Koelreuteria paniculata), damit sich die Bewohner, Mitarbeiter und Bewohner des Hospizes ganzjährig am Anblick des immergrünen Baumes erfreuen.

Anschließend begrüßte Hildegard Pelz (ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizes) die Teilnehmer, übernahm die fachkundige Führung durch die Einrichtung und sprach über die Tätigkeiten. Da derzeit alle zwölf Betten belegt sind, konnte kein Zimmer besucht werden. In ihnen befinden sich teilweise persönliche Einrichtungsgegenstände, doch ist ein großer Teil der Möbel funktional. Frau Pelz führte uns in ein Badezimmer, den Raum der Stille und die Kapelle. Letztere gehört nicht dem Hospiz, sondern der örtlichen Kirchengemeinde.

Das Hospiz zum heiligen Franziskus besteht seit 30 Jahren und ist das älteste eigenständige Hospiz in Deutschland. Im Hospiz will man den Bewohnern den Tagen mehr Leben geben. Obwohl es ein kirchliches Haus ist, steht für Menschen sämtlicher Religionen und Atheisten offen. So sind auch Moslems Bewohner und Lernschwestern des Hospizes. 20 haupt- und bis zu 100 ehrenamtliche Kräfte sind tätig. Auf vier Bewohner kommt eine Krankenschwester. Die Ehrenamtlichen sind in verschiedenen Bereichen – Pflege, Garten, Verkauf im Second-Hand-Laden und bei Ebay, Musik, bei Feiern, z. B. beim Grillen und Backen, – tätig. Zudem existiert ein ambulanter Pflegedienst. Deren Mitarbeiter haben im Gegensatz zu den Pflegern der häuslichen Altenhilfe keinen Zeitdruck. Daher können sie sich den Menschen ohne Stress widmen.

Für die Einweisung ins Hospiz ist der Arzt zuständig, der eine Bescheinigung ausstellt. Nach jeweils vier Wochen erfolgt eine Weiterbewilligung. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 16 Tage. Doch gab es Fälle, bei denen sich der Gesundheitszustand der Bewohner so erholte – z. B. weil sich der Krebs einkapselte –, dass sie wieder nach Hause oder in ein Altenheim kamen. Die Kosten für ein Bett betragen 300 € pro Tag. Sie werden von der Krankenkasse getragen. Außerdem bekommt das Hospiz Spenden, deren Anteil 5 % beträgt.

Frau Pelz teilte mit, dass Empathie wichtig ist. Es darf aber nicht zum Mitleid kommen, weil sonst die Helfer Schaden nehmen. Bei der Einstellung der Mitarbeiter wird daher auch geachtet, dass diese nicht Probleme mitbringen, z. B. die Trauer über einen nahestehenden Menschen nicht bewältigt haben. Außerdem erfolgt alle sechs Wochen für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter eine Supervision. Frau Pelz erzählte Geschichten über frühere Bewohner, die zum Teil in ihrem Buch „Wimpernschlag der Begegnung“ stehen. Sie beantwortete außerdem die Fragen der Teilnehmer. Zum Schluss wies sie auf den Tag der offenen Tür hin, der am 15. Oktober ist. An dem Tag wird an das Hospiz der „Engel der Kulturen“ verliehen. Hierbei handelt es sich um ein Kunstprojekt, das ein Symbol für Toleranz, interkulturellen Dialog und interreligiöses Miteinander der abrahamitischen Religionen – Christentum, Judentum und Islam – darstellt.
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