Tauschen statt zahlen - 20 Jahre Emscher-Lippe-Tauschring in Recklinghausen

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Neue und "alte" Mitglieder kommen schnell ins Gespräch und haben große Freude am Tausch von Dienstleistungen und Waren
 
Almuth und Rolf Feuler sind Mitglieder der ersten Stunde und engagieren sich in Arbeitsgruppen. Der 69-Jährige bringt sich int die Öffentlichkeitsarbeit ein, seine Frau leistet Verwaltungsarbeit - auch dafür gibt es Blüten

Warum sollte man sich mit ungeliebter Gartenarbeit oder einer Fahrradreparatur abmühen, wenn man viel besser mit dem Computer oder der Nähmaschine umgehen kann? Warum nicht mehr benötigte Kleidung oder Gegenstände wegwerfen, wenn andere Menschen sie gut gebrauchen könnten? Viel besser ist es, Dienstleistungen und Waren zu tauschen, um sich gegenseitig die Arbeit zu erleichtern und nachhaltig mit Ressourcen umzugehen. Im Emscher-Lippe-Tauschring Recklinghausen funktioniert dieses Konzept seit 20 Jahren ausgezeichnet - und das alles ohne Geld.




Es ist wieder soweit - Tauschringzeit im Gemeindehaus des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen. Hier an der Limperstraße 15 treffen sich jeden zweiten Sonntag im Monat Mitglieder des Tauschrings, um gemeinsam zu frühstücken, sich auszutauschen und ihre Dienstleistungen und Waren anzubieten.
Rolf Feuler (69), Mitglied der ersten Stunde, begrüßt die muntere Runde der meist über 55-Jährigen und erklärt neuen Interessenten gern die Idee des Tauschrings: „Entstanden ist der Gedanke, Dienstleistungen zu tauschen, im Jahr 1996. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit gründete sich eine Gruppe, die über Qualifikation und Zeit verfügte, ihre Dienstleistungen in einer Art Nachbarschaftshilfe anzubieten. Von Beginn an wurde Wert auf Gleichwertigkeit gelegt. Das bedeutet, eine geleistete Expertenstunde am Computer ist ebenso viel wert, wie eine Stunde Kuchen backen. Wir geben unsere Lebenszeit als Tauschwährung und die ist überall gleich kostbar.“
Mittlerweile verfügt die Gruppe über 140 Mitgliedern, die neben Dienstleistungen auch einen kleinen Flohmarkt anbieten. Die Abgabe von Waren und alle Arbeiten erfolgen unentgeltlich. Vergütet wird eine geleistete Stunde mit jeweils 20 Blüten, einer imaginären Tauschring-Währung.
Hartmut Preukschat (79) ist von Anfang an dabei: „Früher habe ich gern handwerkliche Arbeiten angeboten und bei Umzügen geholfen. Jetzt repariere ich überwiegend Fahrräder und verdiene mir 'Blüten' mit Gemeinschaftsarbeit, zum Beispiel mit Kaffee kochen beim Tauschringtreffen."
Zusammen mit Dietmar Kluge (64) und weiteren Mitgliedern hat er sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengefunden, die Fahrräder reparieren und zu Fahrradtouren einladen. Für die Fahrrad-Transporte an entfernte Ausflugsorte nutzen sie den Anhänger eines anderen Mitglieds. Gudrun Greiner (40), selbst Aktivistin der „Initiative Foodsharing“, brachte die Idee des Lebensmittelteilens in die Gruppe ein.
„Ich liebe die Kameradschaft und die Gemeinsamkeit der Gruppe“, schwärmt die 80-jährige Gisela Thüns. Sie strickt Socken „ohne Ende“ und hat für ihre "Blüten" Leute gefunden, die ihr beim Umzug halfen und Schränke aufbauten. Anne Bütthof (61) bietet Renovierungsarbeiten an und bekam dafür im Gegenzug ihre Silberne Hochzeit ausgerichtet, angefangen von den Räumlichkeiten, Speisen und Kuchen für das Buffet.
Der Emscher Lippe-Tauschring ist kein Verein. Die Mitgliederversammlung entscheidet und delegiert Aufgaben an Arbeitsgruppen. Für Gemeinschaftsaufgaben wird ein monatlicher Beitrag von fünf "Blüten" erhoben, außerdem ein Jahresbeitrag von vier "Blüten". Alle Mitglieder sind sich einig, sie möchten auf das Tauschen, das nachhaltige Wirtschaften und die gemeinsamen Unternehmungen mit sympathischen Menschen nicht mehr verzichten.
Neue Mitglieder sind herzlich eingeladen zu Treffen an jedem zweiten Sonntag im Monat um 11 Uhr im Gemeindezentrum Recklinghausen, Limper Straße 15. Infos unter www.tauschen-ohne-geld.de/Emscher-Lippe-Tauschring.
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