Gute Tipps seit 60 Jahren: Erziehungsberatung Vest feierte Jubiläum

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Elke Lübbermann-Landscheidt verabschiedete sich mit einer Rede in den Vorruhestand.
 
Dr. Richard Schröder (v.l.), Fachbereichsleiter Gesundheit, Bildung und Erziehung, Elke Lübbermann-Landscheid, langjährige Leiterin der Erziehungsberatung Vest, Landrat Cay Süberkrüb und Jürgen Brinkamp, langjähriger Vorsitzender des Fördervereins der Beratungsstellen, bei der Feierstunde im Kreishaus.

Eine der ältesten Erziehungsberatungen in Deutschland ist die Erziehungsberatung Vest. 1956, vor 60 Jahren, wurde sie gegründet. Dieses Jubiläum wurde jetzt mit einem Festakt im Kreishaus gefeiert, bei dem zugleich Elke Lübbermann-Landscheidt, die die Beratungsstelle seit 1989 leitete, in den Vorruhestand verabschiedet wurde.

Mit zwei Mitarbeitern ohne eigene Räume sei die Erziehungsberatung gestartet, erinnerte Landrat Cay Süberkrüb in seiner Begrüßungsrede vor zahlreichen Gästen sowie Vertretern von Beratungsstellen. „Es gab nur vereinzelt Beratungsstellen, und es war keine Selbstverständlichkeit, eine ins Leben zu rufen“, ergänzte Wolfgang Schreck, Vorsitzender der Leiterkonferenz kommunaler Erziehungsberatungsstellen NRW, in seiner Rede. „Im Jugendwohlfahrtgesetz war Erziehungsberatung gar nicht vorgesehen“, schilderte er die Situation 1956.
Seitdem hat die Erziehungsberatung im Vest eine deutliche Entwicklung vollzogen. „Heute sind es mehr als 25 Mitarbeiter in Datteln, Herten und Castrop-Rauxel und im eigenen Haus an der Paulusstraße“, führte Süberkrüb aus. Beratungsbedarf bestünde unverändert, erklärte er und verwies auf eine im August veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, nach der sechs von zehn Familien sich bei der Erziehung belastet fühlen.

Nachwuchsproblem

Schreck warf in seiner Rede auch einen Blick in die Zukunft und ging auf die aktuelle Flüchtlingssituation ein. „Welche Bedarfe sich dadurch ergeben, wird sich erst noch zeigen.“ Sorgen bereite ihm die Mitarbeitersituation in den Erziehungsberatungen. „Wir haben ein großes Nachwuchsproblem.“
Dass auf ihren noch zu bestimmenden Nachfolger – die Vorstellungsgespräche waren am 29. September – und ihre ehemaligen Kollegen viel Arbeit wartet, daran ließ auch Elke Lübbermann-Landscheidt in ihrer Abschiedsrede keinen Zweifel. Sie nutzte zudem die Gelegenheit, um auf Probleme hinzuweisen, und nahm dabei besonders die Eltern in die Pflicht.
Habe es Anfang der 1980er Jahre über manche Kinder geheißen, dass sie an minimaler zerebraler Dysfunktion litten, folgten in den kommenden Jahrzehnten die Diagnosen zentrale Wahrnehmungsstörung, ADS / ADHS und nun Formen des Autismus. Dabei beschrieben die Begriffe immer mehr oder weniger dieselben Verhaltensweisen, so Lübbermann-Landscheidt. „Was uns aufmerksam machen sollte, ist das Verschwinden solcher Diagnosen.“ Ihr Fazit lautete daher, dass die meisten Kinder nicht krank, sondern nicht gut erzogen seien.

Kindern Grenzen setzen

Zu einer gelungenen Erziehung sei es wichtig, dass Kinder geliebt und unterstützt, aber dass ihnen auch Grenzen gesetzt würden. Zwar sei es gut gemeint, wenn Eltern lange über die Forderungen ihre Kinder reflektierten, aber wenn ein Kind lernen würde, „dass es nur laut, wütend und unverschämt genug sein muss, um sich durchzusetzen“, bedeute dies eine Gefährdung für das Kind.
Auch mit der Inklusion ging Lübbermann-Landscheidt ins Gericht und erhielt dafür viel Applaus von ihren Zuhörern. „Wenn wir wollen, dass Kinder so gefördert werden, wie es ihre individuellen Eigenschaften verlangen, müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass sie alle in demselben Raum unterrichtet werden“, so ihre Forderung.
Ganz wird Elke Lübbermann-Landscheidt der Erziehungsberatung übrigens nicht verloren gehen, denn sie hat das Amt der Vorsitzenden des Fördervereins der Beratungsstellen übernommen. Der Verein feierte jetzt ebenfalls ein Jubiläum, denn er wurde vor 20 Jahren gegründet. Seit damals hatte Jürgen Brinkamp den Vorsitz inne.
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