„Wie läuft das hier ab?“ – Infotour zum Krematorium nach Waltrop

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Monika Greszuk-Dröge (re.) und Karl-Josef Dröge begrüßen die Teilnehmer des Infoabends.
 
Das Team des Bestattungshauses Overmann: Karl-Josef Dröge, Lena Olbrisch und Monika Greszuk-Dröge.
Recklinghausen: Bestattungen Overmann |

Was passiert genau bei einer Feuerbestattung? Diese Frage bewegte die rund 60 Teilnehmer der Bustour zum Atrium Park nach Waltrop, zu der das Recklinghäuser Bestattungshaus Overmann eingeladen hatte.

„Das ist ja ein angenehmer Empfang“, lobt eine Besucherin. Mit einem Glas Saft in der Hand schaut sie sich interessiert in der Trauerhalle an den Sieben Quellen in Recklinghausen um. Gerade wurden die Gäste herzlich durch die Bestatter Monika Greszuk-Dröge und Karl-Josef Dröge begrüßt. Mit ihrer Einladung zu diesem Infoabend über Feuerbestattungen möchte das Ehepaar helfen, Hemmschwellen in den Köpfen abzubauen und das Thema Tod ein Stück weit mehr ins Leben zu rücken. Einige Erfrischungen und beantwortete Fragen später steht der Bus bereit für die Fahrt nach Waltrop.

Geschmackvoll, modern, hell und freundlich – mit so einem ersten Eindruck von einem Kreamtorium rechnet man eher nicht. So überwiegt die angenehme Überraschung in den Blicken bei der Ankunft in der erst vier Jahre jungen Einrichtung in Waltrop. Weiße Ledersessel, Kaffee und Keksschalen auf den Tischen und große Fotodrucke an den Wänden heißen die Besucher willkommen, die Atmosphäre wirkt beinahe familiär. „Mich interessiert, wie das hier abläuft“, erzählt eine Dame in den Sechzigern. „Meine eigene Beerdigung habe ich von den Karten bis hin zum Kaffeetrinken vorbereitet – sogar die Trauerrede habe ich schon geschrieben. Es beruhigt mich zu wissen, was in welcher Reihenfolge hier passiert, wenn mein Körper hier verbrannt wird.“

Sebastian Pankalla, als Mitarbeiter des Atrium Parks zuständig für die Betreuung von Bestattern und Angehörigen, die ihren Verstorbenen hierher zur Kremierung begleiten, begrüßt die Gruppe. „Ja, das ist richtig, wer möchte, kann bei der Einäscherung dabei sein“, erklärt Pankalla auf die erstaunte Nachfrage. Vom Begrüßungsraum aus dürfen Angehörige durch eine Art Schaufensterscheibe mitverfolgen, wie der Sarg in die Brennkammer geschoben wird. „Auf Wunsch könnten wir das auch filmen. Wer nicht herkommen möchte, könnte sich den Vorgang dann zuhause auf dem Fernseher anschauen. Aber den Brennvorgang selbst, den dürfen nur unsere Mitarbeiter durch ein kleines Guckloch am Ofen verfolgen“, stellt Sebastian Pankalla richtig.

Die Gruppe folgt Sebastian Pankalla an der Wand mit den weißen Schließfächern vorbei – „Hier hat jeder Bestatter sein Fach, um die Urne des Verstorbenen zu jeder Tages- oder Nachtzeit abzuholen“ – in den Steuerungsraum. Über mehrere Computer werden von hier aus die Brennvorgänge der beiden Öfen gesteuert und überwacht. „Eine Einäscherung dauert 1,5 bis maximal 2 Stunden bei 1200 Grad“, so Pankalla. Im Atrium Park arbeitet man mit gasbetriebenen Flachbettöfen, in denen jeder Verstorbene einzeln verbrannt wird. Sebastian Pankalla reicht einen weißen, runden Schamottstein in die Runde. „Jeder Stein hat eine Nummer und kommt mit in den Sarg. Diese Steine überstehen auch die hohe Hitze und dienen später zur Identifizierung der Asche. Sie werden mit in jede Urne gegeben.“

Vom Steuerungsraum aus gelangt man in den Raum mit den beiden Öfen. Vor jedem steht ein Kiefernsarg auf einer Art Hebebühne, alles ist nahezu klinisch sauber. Geduldig beantwortet der Fachmann die vielen Fragen seiner Zuhörer. „Ja, es wird immer mit Sarg verbrannt. Ja, jeder Verstorbene wird so verbrannt, wie er zu uns kommt, mit seiner Kleidung, die ihm angezogen wurde. Nein, wir ziehen niemanden vorher aus.“ 300 Euro kostet der Vorgang der Einäscherung. Sie ist für bestimmte Bestattungsformen wie der Baum- oder der Seebestattung Voraussetzung. Pankalla hält eine Aschekapsel hoch: „Hierin wird die Asche des Verstorbenen an den Bestatter geliefert. Auf Wunsch könnten die Angehörigen diese Aschekapsel auch selbst abholen. Dann müssen sie uns allerdings auch all die Papier unterschreiben, die sonst der Bestatter unterschreibt.“ Ob man die Asche auch einfach im Garten vertreuen dürfe, fragt eine Frau. „Das ist verboten“, so Pankalla. „Es gilt in Deutschland ja die Bestattungspflicht. Aber in verschiedenen Gemeinden, zum Beispiel in Waltrop, sind Ascheverstreuungen auf dafür vorgesehenen Friedhofsfeldern erlaubt.“ In Recklinghausen leider nicht.

Aus den Fragen der Teilnehmer wird klar, wie viele Gerüchte und falsche Vorstellungen rund um das Thema Feuerbestattung kursieren. Sebastian Pankalla kennt das. Milde lächelnd gibt er die nächste Antwort: „Nein, die Toten bewegen sich nicht mehr im Feuer. Es ist ein Ammenmärchen, dass sich ein Toter noch ein letztes Mal aufbäumt.“

Die Führung ist zu Ende, es geht zurück zum Bus. Mancher lässt das Gesehene still für sich nachwirken. Andere sprechen über ihre Eindrücke. Beeindruckt, auch erleichtert. „Da war nichts Erschütterndes, nichts, was ich befürchtet hatte, das finde ich sehr beruhigend“, sagt eine junge Frau. „Ich kann nicht sagen, dass es schön war“, meint ein Mittsechziger nachdenklich, „denn das eigene Ende sehnt man sich ja nicht herbei. Aber ich kann jetzt sagen, was ich mir für mich wünsche. Und es ist doch wichtig, dass man mit seinen Angehörigen darüber spricht.“ Und dann ist da noch die Dame, sie muss um die Siebzig sein, die begeistert drauflos plaudert: „Ich bin Kreuzfahrtfan und wünsche mir eine Seebestattung. Ich habe mir schon meine Urne ausgesucht und im Mai fahre ich eine Woche nach Sylt um mir im Hafen von Hörnum das Schiff anzuschauen, das meine Urne dann auf See fährt. Dieser Besuch hier war für mich wie das Puzzleteil, was mir noch im gedanklichen Ablauf fehlte.“

Auch für Monika Greszuk-Dröge und Karl-Josef Dröge war der Abend eine neue Erfahrung. „Mit soviel Interesse hätten wir nicht gerechnet. Es zeigt, wie viele Fragen die Menschen zum Thema Tod haben. Wir werden die Fahrt nach Waltrop im Herbst gerne wieder anbieten.“
Atrium Park Waltrop

Text und Fotos: Karin Bruns
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