Bundesminister Ronald Pofalla zum Ortstermin nach Millingen geladen

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Millinger Bürgerinnen und Bürger kamen zum Bahnübergang an der Hauptstraße, für den es einen Fußgängertunnel gaben soll. Fotos: Helmut Heckmann
 
Kanzleramtsminister Ronald Pofalla trifft Millinger Bürger am umstrittenen Bahnübergang.
Rees: Ortstermin Betuwe Linie | Durch das dritte Gleis der kommenden Betuwe-Linie der Bundesbahn auf deutscher Seite kochen die Gemüter der Bürgerinnen und Bürger entlang der Strecke Emmerich-Oberhausen.
Betroffen sind davon nicht nur die in unmittelbarer Nähe der Bahnstrecke wohnenden Menschen, sondern in Rees Millingen das ganze Dorf. Rees-Millinger Bürger fordern daher eine PKW Unterführung im Dorfzentrum.


Von Helmut Heckmann

Mit dem dritten Gleis, welches mit Sicherheit kommen wird, sollen die Bürger von Elten, Hüthum, Emmerich, Praest, Vrasselt und Millingen eine Teilung ihrer Dörfer hinnehmen. Dies ist in ländlichen Bereichen vielleicht nicht ganz so tragisch. Aber in Millingen entstehen dann, durch eine geplante Fußgängerunterführung, begleitet von vielen Metern Schallschutzwand, ein Ortsteil West und ein Ortsteil Ost. Die Millinger Bürgerinnen und Bürger sagen dazu: „Nein, Danke“. Man wünscht, wenn es denn unumgänglich ist, eine PKW-Unterführung.

Diesen Standpunkt machten die Millinger am Freitag auch klar. Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) und seine Kreis Klever Kollegin Dr. Barbara Hendricks (SPD), beide setzen sich schon seit Jahren besonders im Punkt Betuwe für die betroffenen Bürger im Kreis Kleve ein, hatten zum Ortstermin geladen. Eingeladen war auch der Konzernbevollmächtigte der Deutsche Bahn AG für NRW, Reiner Latsch. In Emmerich-Elten, Emmerich-Hüthum und Rees-Millingen wurden die Bahnübergänge besucht, die im Zuge des dreigleisigen Ausbaues der Betuwe-Linie beseitigt werden sollen.

Fast ganz Millingen schien auf den Beinen zu sein, denn dieses Thema hat bei den Bürgern oberste Priorität. Nach kurzer Besichtigung des Bahnüberganges an der Hauptstraße waren die Bürgerinnen und Bürger ins Feuerwehrgerätehaus geladen, wo Bürgermeister Gerwers, die beiden Bundestagsabgeordneten sowie die Bahnvertreter Reiner Latsch und Stefan Ventzke (DB ProjektBau GmbH) sich anhörten, was den Bürgern auf der Seele brannte.

Manfred Jakobi, Sprecher der örtlichen Vereine bescheinigte Pofalla das Einhalten seines Wahlversprechens. Dann kam Jakobi zum Thema: „Wir sind keine militanten Gegner der Bahn, wir haben uns über die Jahrzehnte mit der Bahn arrangiert und wir konnten mit der bestehenden Teilung, durch den Bahnübergang, gut leben“. Eine Rampe mit Tunnel nur für Fußgänger, das kann man nicht akzeptieren. Dies hat schwere soziale Auswirkungen auf das Ortsleben. Der Ort Millingen würde in Ost und West geteilt. „Von der Ostseite sind dann weder Apotheke, Arzt oder die Geschäfte gut erreichbar. Und der Friedhof, bei Begräbnissen begibt sich der Trauerzug von der Kirche (im Westen) dann zum Friedhof (im Osten).

Noch gravierender sind die Auswirkungen die der geplante Tunnel für die Freiwillige Feuerwehr Millingen hätte. Stadtbrandinspektor Hans-Gerd Thiel und Leiter der Millinger Feuerwehr: „Von den Feuerwehrleuten kommen 18 Personen von 35 von der Ostseite der Gleise. Da wird es ein großes Problem, diese schnell genug für einen Einsatz zum Feuerwehrgerätehaus im Westen zu bekommen. Ganz zu schweigen von einem Einsatz, bei dem auch ein zeitaufwendiger Umweg gefahren werden müsste“. Und das natürlich auf Kosten derer, die sich in akuter Not befinden.

Der Millinger Bürger Kurt Remy ging sogar noch einen Schritt weiter: „Was ist beispielsweise bei einem Unfall oder Gefahrgutunfall auf der Bahnstrecke? Hier gibt es in Richtung Emmerich noch nicht einmal einen Rettungsweg“. Herr Remy erinnerte zudem noch daran, dass schon 1999 von den Millingern die gleiche Forderung gestellt wurde wie heute: Keine Schließung der Bahnübergänge.

Die Antworten des Bundesbahnvertreters Reiner Latsch waren für die Millinger Bürgerinnen und Bürger durchaus nicht zufriedenstellend. Da kamen Antworten wie „Wir müssen in ganz Deutschland die Ausführungen der Arbeiten gleich halten“, oder „Die Bahn hat nach bestem Wissen und Gewissen geplant“. Auch versuchte er den Millingern die geplante nördliche Anbindung schmackhaft zu machen in dem er sagte: „Wenn die nördliche Anbindung kommt werden PKW und LKW aus dem Ortskern von Millingen heraus sein. Es wird ruhiger“. Auf diese Aussage hin erntete Latsch nur einen hundertfachen Lacher der anwesenden Millinger Bürger.

Ronald Pofalla, der zu diesem Termin geladen hatte, bedankte sich bei den Millingern, die so zahlreich erschienen waren. „Es ist nun deutlich geworden dass sie nicht wollen, dass Millingen geteilt wird“. Weiter sagte er dazu: „Seit über 20 Jahren ist die Betuwe-Linie im Bundestag ein Thema. Frau Dr. Hendricks und ich haben immer versucht uns für die Menschen hier einzusetzen. Wir waren auch für das dritte Gleis, denn sonst hätte es die entsprechenden Schallschutzwände niemals gegeben. Wir werden uns auch weiterhin für die Belange der Bürger einsetzen. Wir haben verstanden“.
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