Reeser Geschichtsverein auf den Spuren des letzten deutschen Kaisers

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In diesem Zimmer starb Kaiser Wilhelm II. und es wurde seit 1941 nichts geändert, weg genommen oder hinzu gefügt. Fotos: Helmut Heckmann
 
Die RESSA-Mitglieder auf der Eingangstreppe zu Huis Doorn.
Rees: RESSA besuchte Huis Doorn | Im November vergangenen Jahres hatte Helmut Heckmann beim Reeser Geschichtsverein einen Vortrag über die Wilhelminische Zeit gehalten. Zur Vertiefung des damals gehörten und gesehenen stand am vergangenen Samstag eine Fahrt nach Huis Doorn, wo Kaiser Wilhelm II. 20 Jahre, bis zu seinem Tode, seine Zeit im Exil verbrachte.

Von Helmut Heckmann

Insgesamt 17 Geschichtsfreunde machten sich mit Fahrgemeinschaften auf in das 100 Kilometer von Rees entfernte niederländische Städtchen Doorn. Schon der erste Eindruck, wenn man vom Torhaus der ehemaligen Burg bis zum eigentlichen Huis Doorn geht, sind beachtlich. Ein schön angelegter Park, mit Taubenturm und dem Mausoleum in dem Wilhelm II. ruht, wirken auf den Besucher. Von diesen kommen etwa 33.000 jährlich nach Doorn, 30 Prozent davon aus Deutschland.
Die Reeser Geschichtsfreunde wurden in zwei Gruppen geteilt, von denen eine durch Hans van den Berg und die andere durch Rinus Nederlof durch die kaiserlichen Gemächer geführt wurde. Die Geschichte Wilhelm II. sowie die der Hohenzollern, zu denen auch Friedrich der Große gehörte, trat hier hautnah an die Besucher heran. Die Räumlichkeiten, allesamt 1920 durch Wilhelm II. umgebaut, nachdem er das Huis Doorn von der Urgroßmutter der amerikanischen Schauspielerin Audrey Hepburn, Baronin von Heemstra, erworben hatte, zeigen noch heute den kaiserlichen Glanz vergangener Epochen. Kein Wunder, denn insgesamt 59 Güterwaggons mit seiner persönlichen Habe durfte Wilhelm II. damals aus Deutschland ins Exil holen. Darunter wertvolle Gemälde und Sammlungen von Tabakdosen, die schon im Besitz Friedrich des Großen waren. Beachtenswert auch die Bibliothek des Kaisers und die seiner ersten und zweiten Frau.

Neben dem Salon für Empfänge von Persönlichkeiten, zieht besonders der Speisesaal die Blicke der Besucher auf sich. Gedeckt mit kostbarem Porzellan, Gläsern aus Bleikristall und wertvollem Tafelsilber, blickten die Reeser erstaunt auf die sogenannte „Kaisergabel“. „Da der Kaiser ja seinen linken Arm und die Hand nicht richtig gebrauchen konnte, war an ein Essen mit Messer und Gabel nicht zu denken“, erklärte Rinus Nederlof. „Aus diesem Grund hatte Wilhelm II. sich 56 dieser sogenannten „Kaisergabeln“ anfertigen lassen.
Der Museumsführer zeigte dabei die Gabel mit drei Zinken, wobei der Zinken links breiter und als Messerschneide ausgebildet war.

Im Park von Huis Doorn hatte der Architekt Martin Kiessling das Mausoleum Wilhelm II. nach seinem Entwurf bauen lassen. Hier ist der letzte deutsche Kaiser auch begraben. Inmitten seines über alles geliebten Gartens. In der Fluchtachse von Huis Doorn und dem Mausoleum steht auf einem Sockel der preußische Adler, in Bronze gegossen und mit ausgebreiteten Schwingen. Davor befinden sich fünf kleine Gräber mit weißen Platten. Dort sind die Dackel Wilhelm II. begraben. Leider ist es Besuchern nicht gestattet, diesen Teil des Gartens und das Mausoleum zu besuchen. „Diese Privilegien sind einzig und alleine der Familie der Hohenzollern zueigen. Oftmals kommen diese auch heute noch um ihrem berühmten Verwandten die Ehre zu erweisen“, erklärte Herr Nederlof.

Der Besuch des Huis Doorn endete für die RESSA-Mitglieder mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken, bei dem man das Gehörte und Gesehene noch einmal Revue passieren ließ, bevor es wieder zurück in die älteste Stadt am unteren Niederrhein ging.
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