Rheinberg - erste Eindrücke eines Neubürgers

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Noch vor wenigen Monaten war mein Lebensmittelpunkt Duisburg-Walsum. Um es genauer zu sagen, Alt-Walsum. Ein schöner Ortsteil zum Wohnen, im Westen gesäumt von der Rheinaue. Eigentlich kein Ortsteil, der in das Klischee Duisburgs passt.

Wir, das sind meine Frau und ich, fühlten uns dort auch wohl. Es gab allerdings Gründe für unsere Suche nach einem neuen Domizil, das wir schließlich in Budberg fanden. Dieses Örtchen Budberg mit seinem Kleinstadtcharakter zählt zu den Dörfern rund um die eigentliche Stadt Rheinberg, die schon längst eine Gemeinde bilden. Unsere neue Heimatgemeinde.

Und tatsächlich haben wir Rheinberg schnell als unsere neue Heimat akzeptiert und lieb gewonnen. Getrennt wird sie von unserer alten Heimat durch den Rhein, damals schon die Grenze zwischen Germanien und dem Römischen Reich. So fand ich den Gedanken reizvoll, mit unserem Wohnortwechsel ins Gebiet des früheren Imperium Romanum zu ziehen.

Das Bindeglied zwischen unserer alten und unserer neuen Heimat ist die traditionsreiche Rheinfähre Glückauf, mit der man in fünf Minuten übergesetzt hat. Zwischen den flussauf und flussab fahrenden Binnenschiffen sucht sich die Rheinfähre ihren Weg zum anderen Ufer.

Und sobald man sich auf Orsoyer Boden befindet - Orsoy, das östlichste Dorf Rheinbergs -, so fällt sofort der Orsoyer Strand auf, der gerade im Sommer manchem Urlaubshungrigen ein Urlaubsgefühl vermittelt. Dann geht´s einige hundert Meter über eine Straße im Deichvorland, vorbei an dem jüngst vorbildlich renaturierten Lohkanal, der sich fast spielerisch Richtung Rhein schlängelt und kurz vor dem Orsoyer Rheintor die Straße unterquert. Und dann steht man vor diesem Rheintor, das schon vor langer Zeit in eine Aussparung des Deiches eingefügt wurde. Der Eindruck eines Stadttores, einer burgähnlichen Befestigung lässt sich nicht verleugnen.

Und dann taucht man ein in eine Welt, die ein Duisburger schon als Idylle empfinden muss. Als ob die Zeit stillgestanden ist. Von Ost nach West durchzieht eine gepflasterte Straße den Ortskern, von der ich erstaunt war, dass sie ohne 30-km-Begrenzung auskommt. Einige Gastronomoebetriebe, vom Cafe über die Imbissstube und die Eisdiele bis hin zum Restaurant säumen die Straße und laden neben den Einheimischen besonders die Rheinüberquerer zum Verweilen ein. Dazwischen einige kleine Einzelhandelsgeschäfte. Schmucke Hausfassaden, die weit zurück in die Dorfgeschichte blicken können. Auch ein kleiner Marktplatz an der weiß gestrichenen evangelischen Kirche, die zu mahnen scheint, dass sie der Mittelpunkt des Ortes sei. Auffällig an dieser Dorfstraße waren für mich die noch nicht alten Straßenbäume, als sie zur Osterzeit, als das Laub noch nicht hervordrang, mit bunten Ostereiern geschmückt waren - in Duisburg kaum vorstellbar. Und kurz bevor man Orsoy hinter sich lässt, noch eine Tankstelle, deren Öffnungszeiten für einen Großstädter gewöhnungsbedürftig sind, Am Ortsausgang winkt noch einmal ein großes Lebensmittelgeschäft, fast auf der grünen Wiese, und dann geht es über eine Landstraße einige Kilometer nach Budberg, das wiederum einen ganz anderen Eindruck macht als Orsoy.

Nicht so verschlafen, nicht so romantisch, der Welt schon eher zugewandt, eigentlich ein Eldorado für diejenigen, die der Stadt entfliehen. Zahlreiche Einfamilienhäuser in sauberen Siedlungen. Mit Liebe gestaltete Gärten und Vorgärten. Hier scheinen sich viele Menschen niedergelassen zu haben, die ihrer Arbeit im Ruhrgebiet nachgehen und sich für ihre freie Zeit eine Oase fernab jeglicher Hektik geschaffen haben. Budberg macht einen gutbürgerlichen Eindruck, wahrlich kein armer Ort. Besucht man auch einmal die Sportanlagen, so kann man nicht übersehen, welches finanzielle Potenzial der Ort hat. Und Downtown von Budberg, wie ich es gerne nenne, hat alles, was der tägliche Bedarf erfordert: Discounter, Bäcker, Ärzte, Apotheke, Bank, Sparkasse, Pizzeria, Schnellimbiss, Reinigung u.a., alles ist auf engstem Raum beisammen.
Und geht man nur ein paar Schritte, befindet man sich schon mitten in der Natur und einer Erholungslandschaft: Waldgebiete und Seen, die sich aneinanderreihen. Noch in diesem Jahr beginnt die Kommune mit der Erschließung eines Neubaugebietes, das bestimmt wieder viele Neubürger anlockt.

Und dann Rheinberg selbst, zwei Kilometer weiter, das Herz der großflächigen Gemeinde. Es ist die Underbergstadt, wo der Magenbitter seine Wurzeln hat, der einst sogar als Medizin verschrieben wurde. Obwohl Rheinberg sein Umland mit einem umfangreichen Warenangebot versorgt und als zentraler Ort seiner Umgebung gilt, hat es seinen Charme noch nicht verloren. Die Innenstadt mit ihrer Einkaufsstraße und der alten Durchgangsstraße, die längst durch eine Umgehungsstraße entlastet ist, ist immer einen Besuch wert. Hier in Rheinberg finden sich auch die weiterführenden Schulen. Die Wege, die die Kinder und Jugendlichen der umliegenden Ortschaften zurücklegen müssen, sind halt etwas weiter als in einer Großstadt wie Duisburg.

Soweit einige meiner ersten Eindrücke. Und Vierbaum, Eversael, Borth und andere Teile der Gemeinde Rheinberg mögen mir verzeihen, dass sie hier zu kurz gekommen sind. Aber wie gesagt: Ich bin Neubürger und kann noch nicht alles kennen.
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3 Kommentare
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Martina Janßen aus Hattingen | 31.05.2016 | 11:07  
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Helmut Feldhaus aus Rheinberg | 31.05.2016 | 16:55  
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Martina Janßen aus Hattingen | 31.05.2016 | 20:08  
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