Bedingt riskant (BÜCHERKOMPASS-Rezension)

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Das Cover zeigt gelbe Bläschen die aus einem Kühlturm aufsteigen. Ein eher unwahrscheinlicher Störfall aber nichts ist unmöglich. "Don't judge a book by its cover" sagte ich mir, auf gehts!

Die Einleitung liest sich sehr emotional, nicht von ungefähr wird Bezug genommen aus Stephane Hessel (Empört Euch). Als schließlich auch noch die Banker ins Spiel kommen wurde es mir etwas zu unübersichtlich.

Es folgen mehrere Kapitel über die größten Störfälle der letzten Jahre, von Chemie (Seveso, Sandoz) über Atomenergie bis zu Katastrophen beim Start von Raumfähren. Leider geht Heilmann wenig auf die Fehler ein die zum Unglück führten, hier erfährt man nicht viel über das allgemein Bekannte hinaus. Vor allem im Tchernobyl-Kapitel findet sich kaum eine Analyse der Vorgänge die den Störfall verursachten. Stattdessen wird viel über die Wahrscheinlichkeit von Störfällen spekuliert.
Hauptthema ist aber das Informationsverhalten von Industrie und Politik sowie die Rolle der Medien. Hier sieht der Autor Defizite, gesteht aber zu dass es Verbesserungen gibt ohne auf diese sehr detailliert einzugehen. Stattdessen wird die Reaktion auf Störfälle viel zu abstrakt dargestellt.

Ich weiß aus eigener Erfahrung dass zumindest in Europa Notfallpläne und Sicherheitseinrichtungen kontinuierlich überarbeitet und aktualisiert werden, nicht nur als Reaktion auf Störfälle (diese Aussage bezieht sich auf die chemische Industrie) und Gesetzesvorgaben. Dies geschieht nicht im Verborgenen bietet aber auch wenig Stoff für die Öffentlichkeit. Aber auch für diese wird viel getan, z. B. Nachbarschaftszeitungen oder Tage der Offenen Tür. Erfahrungen mit größeren Störungen brauchte ich bisher nicht machen, ich hoffe das bleibt so.

Im zweiten Teil des Buches werden dann doch noch Wege für eine Verbesserung der Kommunikation aufgezeigt, dem Resümee kann ich zustimmen: es fordert eine offene Informationspolitik die Risiken realistisch darstellt und dabei eher bescheiden auftritt statt unglaubwürdiger mechanischer Aussagen ("es bestand nie ein Risiko"). Insgesamt hätten die getroffenen Aussagen konkreter untermauert werden können. Die herangezogenen Beispiele eignen sich dafür. Stattdessen entsteht der Eindruck dass das Buch an den Erfolg von 'Empört Euch' anknüpfen soll. Leider ist dies nur bedingt gelungen.

Klaus Heilmann, Die Risiko-Lüge, Heyne 2012, 159 S., 8,99 €
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