Kritik an Bohrschlamm-Entsorgung in Gahlen und Hünxe

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Der Infoabend bei Holtkamp in Gahlen stieß auf großes Interesse.
 
Vertreter des Deponie-Betreibers AGR und Claudia Baitinger vom BUND sprachen als eingeladene Referenten.
Von Andreas Rentel

Gahlen/Hünxe. Um Bohrschlamm aus Niedersachsen auf der Deponie Hünxe/Schermbeck ging es am Donnerstagabend in der Gaststätte Holtkamp. Der SPD-Ortsverein Schermbeck hatte dazu Vertreter des Deponie-Betreibers, die Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet (AGR), sowie Claudia Baitinger vom BUND als Referenten eingeladen. Allerdings ging es in der lebhaften Diskussion oft um grundsätzliche Fragen rund um die umstrittene Sondermülldeponie.

AGR-Pressesprecher Michael Block stellte eingangs kurz den Sachverhalt dar. Demnach wird das Unternehmen voraussichtlich mehr als 100.000 Tonnen des Materials aus der Bohrschlammgrube Erika in Dalum annehmen. Bisher seien rund 14.000 Tonnen angeliefert worden. Das Problem: Da Niedersachsen über keine für den Abfall nötige Klasse III-Deponie verfügt, wird das Material in Hünxe entsorgt. „Alle Genehmigungen liegen vor“, betonte Block. Die Deponie erfülle „alle rechtlichen und technischen Anforderungen“. Die genehmigten Grenzwerte würden eingehalten, dem Schlamm regelmäßig Proben entnommen. Wegen der „Stoffe, die das Öl ausmachen“ müsse der Abfall auf eine Klasse III-Deponie. Und: „Bei den Schwermetallen bleiben wir klar unterhalb dessen, was wir dürften.“

Bezirksregierung als richtiger Ansprechpartner

Baitinger, Sprecherin des BUND im Kreis Recklinghausen, erklärte, dass die Bezirksregierung Düsseldorf als Genehmigungsbehörde für die Frage der Annahme des Schlamms der richtige Ansprechpartner sei und nicht die AGR. „Keiner regt sich auf“, sagte sie über den Müll-Export aus Niedersachsen. Auf Länderebene soll es Gespräche geben. Es müsse Druck auf die hiesige Landesregierung gemacht werden, „damit das abgestellt wird“. Bei den Chemikalien gebe es „ein ganz starkes Dunkelfeld“. Für sie seien die Abfälle „eine tickende Zeitbombe“.
Daniela Schwitt (SPD, lange im Deponie-Beirat) nahm der AGR die versprochene Offenheit nicht ab: „AGR und Transparenz schließt sich aus.“ Ihr Appell: „Wir können nicht vorsichtig genug sein.“
Hans-Jürgen Ferner, AGR-Bereichsleiter Vertrieb und Betrieb Deponien, hielt es auf Nachfrage für unwahrscheinlich, dass die mindestens 35 Jahre alten Schlämme Fracking-Stoffe beinhalten. „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Entsprechende Messungen seien unauffällig. Karl-Heinz Dingerdissen, bei der AGR für Genehmigungsfragen verantwortlich, ergänzte, dass auch die Radioaktivität des Materials getestet werde – bislang ohne Befund. Das Sickerwasser (wird nicht in Hünxe eingeleitet), die Abdichtung der Deponie, deren Nachsorge („ein sehr langes Thema“) und ihre Finanzierung waren weitere Themen. Zur Frage nach möglichen Gefahren sagte er: „Es geht keine Belastung von der Deponie aus.“ Es gebe nach derzeitigem Stand keine Gefahren. Etliche Zuhörer wollte dem nicht folgen. Dingerdissen: Man könne auch alles in Zweifel ziehen.
Die AGR wird zu dem Thema am 4. Mai im Planungs- und Umweltausschuss der Gemeinde zu Gast sein. Der Deponie-Beirat tagt am 11. Mai, und auch der Kreistag wird sich mit der Bohrschlamm-Entsorgung befassen.
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