Heim und Hilfe für Abouddi

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Heike Philipp, Hassam Hamse, Miriam Hassine, Alahmad Salah und Faten Günterh (von links) kümmern sich liebevoll um den jungen Abouddi. (Foto: Foto: Jarych)
 
Abouddi ist ein aufgeweckter Junge, der sein großes Heimweh nicht gern zeigt. (Foto: Foto: Jarych)

Abouddi ist 13, und seine Augen haben vielleicht mehr Leid gesehen, als sich manch einer vorstellen kann. Vor vier Monaten kam der junge Syrer als Flüchtling nach Deutschland – ganz allein. Denn seine Eltern hatten keine Möglichkeit, den Sohn in der Heimat ärztlich versorgen zu lassen.
Abouddi leidet unter einer bedrohlichen Geschwulst in seinem Gesicht, die sein Leben – Essen, Sprechen, Atmen – täglich erschwert. In Deutschland soll ihm nun geholfen werden, doch auch der Weg dorthin war beschwerlich.

Die Eltern des 13-jährigen Aboudi hatten den Jungen fremden Menschen anvertrauen müssen, damit ihm Ärzte in Deutschland helfen können.
Doch zunächst führte die Flucht in einem 16-tägigen Marsch über verschiedene Standorte durch die Türkei und dann in einer gefährlichen Überfahrt im Schlauchboot nach Griechenland. „Ich hatte die ganze Zeit Angst“, schildert der aufgeweckte Junge seine Eindrücke: „Zuhause vor dem Krieg und unterwegs vor einer ungewissen Zukunft.“
Diese führte ihn auf dem beschwerlichen Weg nach Norden durch den Balkan. Schreckliche Szenen hat er erlebt: Polizisten in Kroatien, die wahllos auf Flüchtlinge einschlugen, und die Angst, als er seine Gruppe in Ungarn verloren gegangen glaubte.
Doch irgendwann landete er im niederbayerischen Deggendorf, wo ein Kinderheim ihm Obdach bot und das Jugendamt die Vormundschaft übernahm. Doch hier erwarteten ihn „Spott und Häme der anderen Kinder wegen meines Aussehens.“ Die Geschwulst im Gesicht, die unbedingt zeitnah operiert werden muss, zeichnet den 13-Jährigen.
Und so machte sich der Junge aus Verzweiflung wieder auf die Flucht: Mutterseelenallein kam er über Dortmund schließlich nach Schwelm, wo er Unterschlupf bei einem Cousin fand. Er lebt nun mit sechs Männern aus verschiedenen Nationen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. „Das Schlimmste in der Anfangszeit war das Gefühl, den anderen zur Last zu fallen“, sagt Abouddi.
Bis die Stadt Schwelm wegen der fehlenden Papiere die Vormundschaft übernehmen konnte, dauerte es. Glücklicherweise fand Abouddi dadurch aber die Unterstützung von Miriam Hassine von der ambulanten Erziehungshilfe „Joker“, die sich ebenso liebevoll um den Jungen kümmert wie die örtliche Willkommensinitiative. Deren engagierte Mitglieder, darunter Heike Philipp und Faten Günther, waren es auch, die ärztliche Hilfe auf den Weg brachten: „Über Gespräche mit dem Helios-Klinikum bekamen wir Kontakt zu Professor Harald Eufinger“, erzählt Faten Günther. In der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie werden alle medizinischen Voruntersuchungen kostenlos vorgenommen. „Fünf Operationen werden insgesamt notwendig sein“, weiß Heike Philipp. Die Fachbereiche Radiologie, Chirurgie und Kieferorthopädie werden in den kommenden Jahren eng zusammenarbeiten. Die Folgekosten sind noch gar nicht absehbar.
Und deshalb hofft die Willkommensinitiative auf Unterstützung: Wer Abouddi auf dem Weg in eine gesunde Zukunft helfen möchte, kann einen Beitrag leisten auf das Konto der Bürgerstiftung Lebendiges Schwelm, Stichwort „Abouddi“: Konto-Nummer: 28 712 bei der Städtischen Sparkasse zu Schwelm, Bankleitzahl: 454 515 55; IBAN: DE96 4545 1555 0000 0287 12, BIC: WELADED 1 SLM.
Inzwischen ist Abouddi aber in Schwelm „angekommen“. „Ich versuche jetzt, schnell Deutsch zu lernen, damit ich bald zur Schule kann“, ist er voller Hoffnung auf ein besseres Leben.
Zu dem gehört aber unbedingt seine Familie. Und so ist der größte Wunsch des Jungen, dass seine Familie, die Eltern und Geschwister (15, sieben und drei Jahre alt) bald auch nach Deutschland kommen können. Denn neben der medizinischen Versorgung ist in den kommenden Monaten auch große psychologische Hilfe notwendig: Und wer könnte die in dieser schweren Zeit wohl besser leisten als Mama oder Papa.
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1 Kommentar
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Michael Güttler aus Sprockhövel-Haßlinghausen | 23.12.2015 | 20:39  
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