„Ohne Fiebermessen kommen sie nirgendwo hin"

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Janine Gräfe (Mitte, mit zwei einheimischen Kindern) half als Krankenschwester fünf Wochen lang im Ebolageplagten Liberia. (Foto: privat)
 
Janine Gräfe beim Anziehen des Schutzanzuges PPE. "Mein Name und meine Funktion stehen auf dem Hut, auf den Arm kommt die Uhrzeit, wann ich rein bin, nach 45 Minuten geht die Sirene, und ich muß wieder raus." (Foto: privat)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte am vergangenen Samstag Liberia für Ebola frei. Bis dahin war es für das westafriklanische Land ein schmerzvoller Weg: Rund 4.700 Menschen starben allein hier an der gefährlichen Krankheit. Die Ennepetalerin Janine Gräfe war bis vor kurzem dort, um als Krankenschwester zu helfen.

Afrika ist vielleicht der Kontinent, der am häufigsten mit einem verklärten Blick gesehen wird: Entweder als Bilderbuchwildnis aus der Fotosafariperspektive oder als das Elendsviertel der Welt, in dem die Menschen Hunger leiden.

Was für ein Land mag Liberia sein? „Es ist nicht so, wie man sich seinen Kenia-Urlaub vorstellt“, sagt Janine Gräfe. Sie spricht ihre Worte ruhig und sachlich. Fünf Wochen lang – bis zum 1. Mai – half sie im Servere infection temporary treatment unit (SITTU), das die WHO im Dezember in Liberias Hauptstadt Monrovia bauen ließ und dem Deutschen Roten Kreuz und der Bundeswhr zur Verfügung stellte.

Das Camp verließen sie und ihre Kollegen eigentlich nie. „Wir waren nur einmal kurz draußen, in Westpoint, einem großen Slum“, erzählt Gräfe. Das Gegenteil von Fotosafari.

Im normalen Leben arbeitet Gräfe als Justizvollzugsbeamte und Krankenschwester in der Jugendarrestanstalt in Wetter an der Ruhr. Sie folgte dem Aufruf des DRK, in Monrovia zu helfen. Vor dam Abflug wurde sie vier Tage lang in Würzburg geschult. Dort lernte Gräfe unrter anderem, den Schutzanzug sicher an-und wieder auszuziehen,um eine eigene Ansteckung zu vermeiden.

Gesundheitssystem zusammengebrochen


Während ihres Aufenthalts traten keine neuen Ebolafälle in Liberia auf. „Aber das komplette Gesundheitssystem ist dort zusammengebrochen“, erläutert Gräfe. „Ich hatte mir ein staatliches Krankenhaus, das JFK, angeschaut. Auf den Matratzen dort wollen sie nicht liegen“, beschreibt die Krankenschwester die Verhältnisse.

Die Vorgehensweise im SITTU, in dem Gräfe gearbeitet hat, und in den anderen Einrichtungen lief nach dem selben Muster ab: In einem ersten Zelt wurden Patienten aufgenommen, die Ebola-Symptome aufwiesen.

Wenn ein erster Ebolatest negativ verlief, d.h. die Krankheit nicht nachgewiesen werden konnte, kamen die Patienten in ein zweites Zelt. Dort wurden die Menschen ein zweites Mal getestet.

Verlief der zweite Test ebenfalls negativ, wurden die Patienten in ein drittes Zelt verlegt und blieben dort bis zu ihrer Genesung bzw. zur Verlegung in ein Krankenhaus, in dem sie beispielsweise operiert werden konnten. Ebola ist nicht die einzige gefährliche Krankheit in dem Land. Tropenkrankheiten wie Gelbfieber, Cholera, Dengue-Fieber oder Malaria sind in Liberia weit verbreitet.

Der Arbeitsalltag war hart. Zunächst musste der Schutzanzug angezogen werden. „Das dauert 20 Minuten, bis man den anhatt“, erzählt Gräfe. Bei Temperaturen von rund 30º Celsius bedeutet das „schwitzen ohne Ende.“ Länger als 45 Minuten am Stück konnten die Helfer im Zelt nicht arbeiten.

Sinnvolle Hilfe


Auch wenn man den Menschen nur bedingt helfen konnte, zieht Gräfe ein posives Resümee aus ihrer Zeit in Westafrika. „Die größte Hilfe, die wir geleistet haben, war, denke ich, die Ausbildung der Leute vor Ort“, sagt sie. Den lokalen Helfern wurde vermittelt, wie Infektionsschutz funktioniert.

Die Krankheit hat Liberia jedenfalls verändert. „Ohne Fiebermessen kommen sie nirgendwo hin, auch in keine Bar“, erzählt Gräfe. „Das ganze Land riecht wie ein Freibad.“
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