EN-Kreis diskutiert über Thema "Alter & Migration"

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Der Einladung des Kommunalen Integrationszentrums des Ennepe-Ruhr-Kreises, des Fachbereiches Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung und des Landeszentrums Gesundheit NRW waren viele gefolgt. (Foto: Kreis)
 
Landrat Olaf Schade bewertete die Veranstaltung als Beitrag, um Menschen mit Migrationshintergrund ein würdevolles Altern zu ermöglichen. (Foto: Kreis)

Nicht nur junge Leute wagen den Schritt in ein fremdes Land, um dort ein besseres Leben beginnen zu können. Auch ältere Personen wünschen sich in Deutschland eine bessere Versorgung für die nächsten Lebensjahre. Doch oft stellen sich ihnen auf dem Weg dorthin viele Probleme in den Weg: Sprachbarrieren, geringe Kenntnisse über das deutsche Gesundheitssystem, traditionelle Pflegevorstellungen sowie kulturelle Unterschiede - die Gründe, warum ältere Menschen mit Migrationshintergrund die Regelversorgung rund um Gesundheit und Pflege sowie Gesundheitsförderung nur eingeschränkt in Anspruch nehmen, sind vielfältig.

Vor diesem Hintergrund war Witten Schauplatz der ganztägigen Veranstaltung "Alter und Migration". Mehr als 40 kommunale Akteure aus den Bereichen Integration und Migration, Alter und Gesundheit folgten der Einladung des Kommunalen Integrationszentrums des Ennepe-Ruhr-Kreises (KI), des Fachbereiches Soziales und Gesundheit der Kreisverwaltung und des Landeszentrums Gesundheit NRW.
"Um Menschen mit Migrationshintergrund ein würdevolles Altern und einen barrierefreien Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen, muss sich der Gesundheits- und Pflegebereich auf diese Zielgruppe einstellen. Eine Zielgruppe, die zu den am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppen in Deutschland zählt. Mit dieser Veranstaltung leisten wir dazu einen wichtigen Beitrag", machte Landrat Olaf Schade bei der Begrüßung deutlich. Anschließend standen Informationen und Austausch über Erfahrungen und Herausforderungen sowie Diskussionen über Erfolg versprechende Ansätze im Mittelpunkt.

Wie sieht die aktuelle Lage im Kreis überhaupt aus?

"Schnell wurde deutlich", so Lale Arslanbenzer, Leiterin des KI, "nur sehr wenige der Teilnehmer befassen sich bereits konkret mit dem Verknüpfen der Themen Alter, Migration und Gesundheit. Beruflicher Alltag für die Mehrheit ist ein Schwerpunkt auf einem dieser drei Aspekte." Wie es aktuell um die gesundheitliche Lage älterer Menschen mit Migrationsgeschichte in Nordrhein-Westfalen bestellt ist, berichtete Svenja Budde vom Landeszentrum Gesundheit NRW. Sie erläuterte zudem anschaulich, wie sich kulturelle Unterschiede auf die Inanspruchnahme von Angeboten der Gesundheitsförderung und Versorgung, der Prävention und Pflege auswirken. Eine wichtige Rolle in spiele hier eine kultursensible Herangehensweise.
Bereits vorhandene Projekte und Initiativen im Ennepe-Ruhr-Kreis waren Thema in moderierten Kleingruppen. "Es zeigte sich, bei uns gibt es bereits unterschiedliche Angebote und Ansätze, um älteren Menschen mit Migrationshintergrund Teilhabechancen zu ermöglichen", so Arslanbenzer. Dazu zählten Informationsveranstaltungen, Messen zu Gesundheits-, Senioren-, und Integrationsthemen und Netzwerke, interkulturelle Konzepte, Sport- und Beratungsangebote sowie Projekte zur Arbeitsmarktintegration in Gesundheits- und Pflegeberufe.
Deutlich wurde aber auch, wo Handlungsbedarf besteht. Hierzu zählen die Bereiche interkulturelle Öffnung, Zugang zu Pflege für Fachkräfte und Betroffene, Information und Aufklärung. "Und auch der Frage, wie wir die Zielgruppe erreichen und sie beteiligen, müssen wir uns widmen", nahm Arslanbenzer als Erkenntnis mit. Wie diese Herausforderungen angegangen werden könnten, darüber diskutierten die Teilnehmer an Thementischen.

Die Zukunft bietet viele Chancen

Alle waren sich einig: Die Mühe lohnt, denn Fakt ist: In Zukunft werden immer mehr Familien mit Zuwanderungsgeschichte darauf angewiesen sein, sich bei der Gesundheits- und Pflegeversorgung professionell unterstützen zu lassen. Verstärkt wird diese Tendenz noch durch Veränderungen in den Familien. Vieles, was lange traditionell selbstverständlich gewesen ist, wird Schritt für Schritt immer weniger. Dies geht jedoch einher mit der öffentlichen Diskussion um den Pflegenotstand. So sieht Katrin Johanna Kügler vom FB V hier auch die Möglichkeit, Menschen mit Migrationsgeschichte für Pflegeberufe gewinnen zu können. Dies hätte auch zur Folge, dass kulturnahe Pflegepersonen in den Pflegediensten oder Heimen zur Verfügung stünden.
Die Ergebnisse der Veranstaltung werden in einer Dokumentation zusammengefasst und veröffentlicht. Sie ist die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure und zukunftsweisender Handlungsansätze.
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