Denkmal des Monats

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Detailliert gestaltetes Gesicht mit Fältchen, Bart und Wangen in der Szene „Gregormesse“. (Foto: LWL/Dreyer)
Schwerte: St. Viktor |

Nach zwei Jahren Sanierungsarbeiten ist der Hochaltar der Kirche St. Viktor in Schwerte, der zwischen 1515 und 1523 im belgischen Antwerpen entstand, nun wieder zu sehen - und wird geehrt: Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den Altar jetzt als Denkmal des Monats September ausgezeichnet.

„Neben dem ‚Goldenen Wunder‘ in der St. Petrikirche in Dortmund gehört der Altar in St. Viktor zu den bedeutendsten dieser Art in Westfalen. Besonders hervorzuheben ist die in weiten Teilen erhaltene Originalfarbfassung. Selten ist auch, dass der Mittelschrein noch nie in seine Einzelteile zerlegt wurde. Denn im Zweiten Weltkrieg wurde er nicht aus der Kirche entfernt, sondern zu seinem Schutz in der Kirche eingemauert“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Anke Dreyer. Nachweisen lässt sich die Herkunft anhand der „Beschaumarken“ in Form einer Hand, die von den Werkstätten als eine Art Güte- und Herkunftssiegel in die geschnitzten Figuren geschlagen wurde.

Bestehend aus Eichenholz

Der 6,7 mal 8,5 Meter große Altaraufsatz besteht aus Eichenholz. Er ist zweifach wandelbar: Je nachdem welches Flügelpaar geöffnet oder verschlossen ist, sind drei Ansichten möglich. Der Mittelschrein besteht aus 15 Gefachen. Sie zeigen mit vielen geschnitzten Figuren Szenen der Passion Christi. Die Altarflügel bestehen aus Tafelgemälden, auf denen Heilige und Darstellungen aus dem Leben Christi und des Kirchenpa-trons St. Viktor zu sehen sind. Die einzelnen Figuren und Zierelemente des Mittelschreins sind detailliert gearbeitet. Zur Ausschmückung des Hintergrundes wurden kleine Blümchen aus Metall appliziert.

Sgraffito ist am Altar zu finden

Bei der aufwendig gestalteten Farbfassung, die typisch für die Antwerpener Werkstätten ist, setzten die Vergolder und Fassmaler nicht nur die verschiedenen Blattmetalle nebeneinander, sie wendeten auch Verzierungstechniken an, am häufigsten das Sgraffito. Dabei wird aus einer Farbschicht Material heraus gekratzt, so dass die darunter liegende Schicht zum Vorschein kommt.
„Besondere Liebe zum Detail findet sich bei der Gestaltung der Gesichter wieder. Die weiblichen Figuren haben einen helleren Teint als die männlichen, bei denen Kinn- und Kieferpartie da, wo der Bart wächst, grau abgesetzt sind. Die Augen sind mit feinsten Pinseln gemalt und wirken sehr lebendig. Teils wurden sogar kleine Fältchen in Schnitztechnik herausgearbeitet oder mit feinsten Pinseln angelegt“, sagt Dreyer. „Die Fassmaler-Werkstatt könnte dieselbe wie die des ‚Goldenen Wunders‘ in der Kirche St. Petri in Dortmund gewesen sein.

Identische Muster

Viele der Verzierungstechniken und Muster sind nahezu identisch und in gleicher Manier ausgeführt. Ob die Figuren in ein und derselben Werkstatt oder anhand eines Vorlagebuches hergestellt wurden, kann nur gemutmaßt werden“, sagt die LWL-Restauratorin weiter.
Der Altar wirkt nicht mehr golden, sondern eher grau und stumpf. Er ist teilweise verschmutzt und beschädigt. Der Altar wurde zuletzt 1998 gereinigt und seine Fassung gefestigt. Eine trockene Oberflächenreinigung bei einem gut genutzten Kirchenraum dieser Art ist etwa alle zehn bis 15 Jahre nötig. „Konservatorisch zwingend erforderlich sind jetzt eine Oberflächenreinigung und eine Fassungskonsolidierung“, so Dreyer.

Raumklima

„Um den Altar auch in Zukunft zu erhalten, müssen das Raumklima, die Heizungsanlage und der Zustand der Objekte regelmäßig kontrolliert werden. Dabei muss der Verschmutzungsgrad, das Risiko mikrobiellen Befalls, die Stabilität der Farbfassung und des Holzbildträgers begutachtet werden“, erklärt Dreyer. Die regelmäßige Kontrolle erlaube einen frühzeitigen kleineren Eingriff bei ersten leichten Schädigungen und verhindere so einen fortschreitenden starken Zerfall des Objektes und den Verlust an Originalsubstanz, so die Restauratorin weiter.
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