Eberhard Vickermann: "Hilfe zur Selbsthilfe"

Anzeige
Diese von seinem Bruder übernommene Geste zeigt, dass Linus und Eberhard Vickermann immer an das Gute glauben.
Schwerte: Innenstadt |

Landwirtssohn, Schlosserlehrling, Sozialberater und Standesbeamter - Eberhard Vickermann (73) könnte sich ausruhen und auf ein erfülltes, arbeitsreiches Leben zurückblicken. Wer ihn aber erlebt, merkt sofort, dieser Mann tickt anders. Er leitet die Schwerter Gruppe des Aktionskreises Pater Beda.

Auch nach dem Tod seines Bruder Linus vor einigen Wochen, der als Franziskaner-Missionar den Namen Pater Beda annahm, unterstützt der Schwerter das, was sein Bruder in Brasilien aufbaute. Jeden zweiten Samstag im Juni und Dezember scharrt Eberhard Vickermann 70 Helfer um sich, die in 25 Fahrzeugen Altkleider und Altpapier einsammeln.
Er kennt alle Helfer sehr lange sehr gut.
„Das Wichtigste ist das persönliche Gespräch. Nur so bekommt die Zusammenarbeit ein Fundament.“

"Prinzipien"

Der in Schwerte und in einigen Nachbarvororten bestens bekannte Eberhard Vickermann hat bestimmte Begriffe, die immer wieder fallen, die ihm besonders wichtig sind, als Prinzipien.
„Prinzipien“ ist dann auch wieder so ein Wort, das seine Arbeit beschreibt. Der Rentner hat einen festen Tagesablauf. Genauso verlässlich, wie er seinen Tag verlebt, möchte er für die Helfer und den Aktionskreis Pater Beda sowie die ihm helfenden Unternehmen sein. „Verbindlichkeit und Pünktlichkeit sind mir ganz wichtig. Wenn die Leute nicht merken, dass ich dahinterstehe und diese Aktion dauerhaft sehe, fehlt ihnen auch die Motivation.
Auf der anderen Seite, weiß ich seit Jahrzehnten, auf wen ich mich verlassen kann.“
95 Sammlungen hat Eberhard Vickermann seit 1969 bereits hinter sich. Auf die Idee war er mit seinem Bruder gekommen, als sie an einer Papierfabrik vorbeifuhren. Linus Vickermann alias Pater Beda ging in den Nordosten Brasiliens, Eberhard Vickermann brachte den Aktionskreis vor Ort auf Vordermann. Kindergärten und Lehrwerkstätten überwiegend für Landarbeiterfamilien profitieren von der Unterstützung des Aktionskreises. 26 Partnerschaften gibt es mit dem Aktionskreis.
Pater Beda erhielt 2003 das Bundesversdienstkreuz. Denn er half Menschen: „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist das Prinzip, das die großzügigen Schwerter ermöglichen. Pater Beda und seine Nachfolger wollen „Nachhaltiges“ schaffen, auch wieder so ein Begriff, der dem Ehrenamtlichen am Herzen liegt.

Unkompliziert

Unkompliziert arbeitet er. „Wir haben keine Verwaltungskosten“, sagt er. „Alles, was wir bekommen, geht an die Menschen vor Ort weiter.“
Pater Beda lebt nicht mehr, aber sein Werk führen andere fort. Uwe Lohoff beispielsweise, der Geschäftsführer des Aktionskreises. Es ist im Sinne des Verstorbenen. Mehr als 800 Trauergäste nahmen Abschied von Pater Beda. „Das ist eine Anerkennung für ihn“, sagt sein Bruder. „Er hatte klare Ziele“, erinnert sich Eberhard Vickermnann. Die hat auch er selbst. Vor Ort besucht hat er seinen Bruder allerdings nie. Eberhard Vickermann, dieser warmherzige Mensch, kann sich jetzt ein Grinsen nicht verglichen. „Ich fliege nicht.“ Also kam Pater Beda immer wieder nach Deutschland, um seinen Bruder zu sehen. Sieben Kinder waren sie, davon sechs Jungs. Eberhard war der jüngste Sohn der Familie. Er weiß, was Anpacken bedeutet. Er redet nicht, er macht.

Dank an die Bevölkerung


Von 14000 Handzetteln verteilte er in Schwerte und Umgebung 9500 selbst. Gut zu Fuß ist er. Und er weiß, dass sein Einsatz ankommt. „Der Aktionskreis funktioniert so gut, weil uns die Bevölkerung des Ruhrtals wohlwollend unterstützt. Dafür möchte ich mich einfach ausdrücklich bedanken.“
Seine Auszeichnung erhielt er bereits. Am 7. November 2014 war sein großer Tag. Was für den Bruder das Bundesverdienstkreuz war, ist für Eberhard Vickermann die Stadtmedaille. „Ich war so stolz“, sagt er. Zuvor hatte er bereits 2012 die Pannekaukenfrau für besonderes soziales Engagement erhalten.
Aber die Geschichte ist nicht zu Ende. Das Ende ist nämlich nicht absehbar. „Ich mache weiter, so lange ich kann. Das hält mich ja auch jung.“ Den Schwertern sei aus verlässlicher Quelle gesagt, dass auf zwei Termine im Jahr weiterhin Verlass ist. Am zweiten Samstag im Dezember, diesmal am 12., und im Juni sind Eberhard Vickermann und seine Helfer unterwegs.

70 Helfer


Er ist sich sicher, wie viele es sind: 70. „Auf sie ist eben Verlass.“ Und danach heißt es dann wieder „nach der Sammlung ist vor der Sammlung“, wie er sagt und ein herzliches Lachen hinterherschickt. Es bleibt „nachhaltig“ beim Zuhörer hängen.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.