"Habe meinen Traumberuf gefunden"

Anzeige
Yamoussa Sylla in Aktion: Fußball ist der Ausgleich zum Beruf. (Foto: Schmitz)
Schwerte: Innenstadt | Sein Traumberuf ist Metallbauer. Als Yamoussa Sylla (22) 2009 nach Deutschland kam, war er völlig alleine. Dass er hier mitten im Leben stehen würde, war für den damals 16-Jährigen nicht absehbar. Jetzt absolviert er in einem Schwerter Betrieb eine Ausbildung und ist ziemlich glücklich, aber das Leben in Deutschland ist für ihn nicht konfliktfrei.

Schwerte. Bei der WBG-Blechverarbeitungs-GmbH in Schwerte ist er der erste Flüchtling, der in Schwerte eine Ausbildung erhält. Der junge Mann aus Guinea spricht über seine Erfahrungen hier in Deutschland, aber auch seinen Wunsch, irgendwann in seine Heimat zurückzukehren.

Wie gefällt Ihnen Ihr Job?
Er macht mir sehr viel Spaß. Die Leute sind sehr nett zu mir. Ich hatte den Hauptschulabschluss gemacht, dann nach der einjährigen Maßnahme der Dortmunder Handwerkskammer mehrere Bewerbungen geschrieben, zunächst ohne Erfolg. Auch Vorstellungsgespräche waren nicht erfolgreich. Dass ich jetzt in Schwerte arbeiten kann, freut mich umso mehr.

Der Ruhr-Anzeiger hat das Thema Flüchtlinge mit der Frage nach der Heimat verknüpft. Ist Deutschland zumindestens Ihre zweite Heimat geworden?
Ja, ich habe hier Freunde gefunden, habe alles, was ich zum Leben benötige. Am Anfang war es schwierig. Ich war jung, ohne Familie, ohne meine Eltern, ohne Freunde und ohn Kontakte. Jetzt wohne ich in der Dortmunder Nordstadt und fühle mich wohl. Ja, Deutschland ist meine Heimat, aber ich möchte irgendwann zurück nach Guinea.

Warum sind Sie geflohen?
Die politischen Zustände in meinem Land hatten mir keine Chance auf ein gutes und sicheres Leben ermöglicht.

Was gefällt Ihnen an Deutschland?
Die Leute hier haben mir geholfen. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt. Zum Beispiel in den Behörden waren die Mitarbeiter sehr nett. Wenn ich krank war, erhielt ich immer Unhterstützung. Und mir gefällt, dass du hier überall vernünftig Fußball spielen kannst. Ich liebe diesen Sport. Hier gibt es Vereine, Plätze und andere Möglichkeiten, zu spielen. Das ist perfekt.

Was gefällt Ihnen weniger?
Die Beleidigungen. Auf dem Fußballplatz besonders höre ich sehr oft ‚schwarze Sau‘. Ich kann damit leben, aber schön ist es nicht. Dieser Rassismus stört mich.

Sie sprachen gerade den Fußball an. Sie spielen in der Westfalenliga für den SV Brackel 06 . Fühlen Sie sich da heimisch?
Ja, in Brackel spielen gute Jungs. Wir verstehen uns super. Fußball ist einfach super. Auch mein Trainer Axel Schmeing ist gut. Er sagt immer: ‚Moussa, mach weiter‘. Also gebe ich auch nie auf.

Was vermissen Sie hier besonders?
Die Menschen in meiner Heimat sind anders. Die Mentalität! Wenn du ein Problem hast, hilft dir jeder, ob auf der Straße oder anderswo. Wir sind viel offener.

Wie sieht es mit den alltäglichen Dingen aus, dem Essen zum Beispiel?
Da vermisse ich nichts. Die Afro-Shops haben ja viele Produkte aus der Heimat. Da ist die Dortmunder Nordstadt natürlich sehr international.

Und Sie können sich gut vorstellen, erstmal als Metallbauer Fuß zu fassen?
Ja, das war immer mein Traumberuf. Dass ich ihn jetzt hier in Schwerte lerne, ist perfekt. Ich möchte in der Tat dauerhaft Metallbauer sein. Ich fühle mich auch in der Firma wohl.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.