Wieder ein gelungener Schnadegang mit Schicht 24

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  Zum zweiten Mal in Folge haben wir es geschafft, unseren Schnadegangtermin auf einen warmen sonnigen Tag zu legen - wer hätte das vor zwei Jahen noch für möglich gehalten?

Also wir hatten gutes Wetter gebucht; und unser Frühstück fand vor der Garage des Schichtmeisters statt und nicht drinnen. Beim Anblick von Kuchen, Käse und Kaffeelikör waren die Teilnehmer allerdings rasch bedient und bedienten sich lieber an Mineralwasser und Bonzenbrause (Sekt!).

Solchermaßen gestärkt machten wir uns an den traditionellen Fußmarsch, der uns lange bergauf zum Freischütz führte; wir hatten ausreichend Gelegenheit uns über das Schichtwesen im Allgemeinen und die Mitmenschen im Besonderen auszutauschen - kurzum: wir haben viel gelacht.

Am Freischütz trafen wir den Förster Christoph Jendrusch, der uns in die Besonderheiten unseres „Hauswaldes“ einführte und den Schichtmeister erschreckte, weil die Geschichte des Schichtwesens wohl teilweise neu geschrieben werden muss.

Der Schwerter Wald ist seit dem 14. Jahrhundert Bürgerwald und somit Allgemeingut das jeder nutzen durfte, z. B. zum Brennholzschlagen. War eigentlich 1397 jedermann schon Bürger? Es gab da doch mal Unterschiede ... Später hatten die Schichtmeister aber wohl Sorge dafür zu tragen, dass für abgeholztes Holz auch wieder neues gepflanzt wurde; in weiten Teilen der Welt ist man bis heute nicht so weit.

Heute ist unser Wald ein „wirtschaftsgeförderter Erholungswald“ von 175 ha Größe in dem Fuchs, Dachs und Marder dem Immigranten vom Typ Waschbär gute Nacht sagen. Außerdem 25 Rehe (Vorname Kartoffelpü) aber sonst kein Schwein; zusammen sorgen sie für 3 - 5 Wildunfälle pro Jahr.

43 % Buchen, 21 % Eichen und allerlei Randfichten, Ahörner, Behörner also Birken und Eschen sorgen heute für 1.800 sogenannte Festmeter Holz, die jährlich nachwachsen; wogegen nur 1 000 bis 1 400 Festmeter (sind die denn dann fest, lose oder ab?) geerntet werden. Der Wald erholt sich also und wirtschaftlich sorgt er für 30 - 50.000 € Ertrag für die Stadtkasse. Die Qualität der z. T. 150 Jahre alten Bäume ist meist zweitklassig; außerdem sind sie vielfach mit Bombensplittern aus dem Weltkrieg gespickt (vorbeigetroffen!), was den Wert um 30 % senkt.

Besang diesen Vorgang nicht vor einem halben Jahrhundert ein gewisser Roberto Blanco:

die Bombenwerfer von Gla-has-gow

war`n einmal traurig

und einmal froh...

oder so ähnlich?

Wir erfahren, dass man erstklassiges, astreines Holz erzeugt, indem man es beschattet - dann will es nur nach oben an die Sonne und schlägt keine Äste aus. Holzbeschattung erfolgt nicht durch Geheimpolizisten, sondern z. B. durch schnellwachsende Kiefern und durch sehr dichte Bepflanzung.

Nach eineinhalb Stunden verabschiedeten wir uns von Herrn Jendrusch, wobei mehrfach der Wunsch nach „Mehr“ geäußert wurde. Das Thema ist ungeahnt interessant; von wegen „is` doch schön, dass überall was wächst“!

Einander mehrfach versichernd, dass wir diesen Vortrag noch einmal und dann die vollen zwei Stunden hören möchten, pilgerten wir zum nahen Restaurant Blumenhain, wo wir bei gemeinsamem Mittagessen auf der Terasse noch eine Weile klönten und dann gemütlich nach Hause schlenderten.
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