Das Frauenforum Unna stellt Jahresbericht 2016 und sein Konzept der Wohnhilfen für Frauen vor

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"Wohnhilfen"-Mitarbeiterinnen von lks: Anja Wolsza, Sieglinde Youett, Martine Ricks-Osei, Susanne Wüstenberg (Foto: Frauenforum Unna)
 

Mit seinem Jahresbericht 2016
hat das Frauenforum die
formale Bezeichnung
„Frauen- wohnungslosenhilfe“
abgelöst und stattdessen den
Begriff
„Wohnhilfen FrauenRäume“
etabliert.




Anja Wolsza, Leiterin des Fachbereichs, erläutert dazu: „Frauen ohne eigenen Mietvertrag oder solche, die mit ihrer Wohnsituation Schwierigkeiten haben, in Mietschulden geraten sind etc., fühlen sich von einem Angebot einer Wohnungslosenhilfe meistens nicht gemeint, weil sie doch (noch) gar nicht wohnungslos sind.
Der Begriff „Wohnhilfen“ liefert ein größeres Allgemeinverständnis dessen, was hier im Frauenforum angeboten wird.

Die „FrauenRäume“ stellen klar, dass dieses Angebot nicht für Männer gemacht ist.“

Die Wohnhilfen des Frauenforums gliedern sich in verschiedene Bereiche mit dem Ziel, Frauen in einer besonders schwierigen Lebenslage ein ganzheitliches Hilfekonzept machen zu können.

Die Übernachtungsstelle bietet akut obdachlos gewordenen Frauen ein Quartier in einem der sechs Zimmer mit insgesamt sieben Betten.

„Im Unterschied zu den Unterkünften für Männer müssen die Frauen die Übernachtungsstelle tagsüber nicht verlassen.
Sie bekommen einen eigenen Hausschlüssel und können sich im eigenen Zimmer oder im Gemeinschaftsraum aufhalten,“ beschreibt Sozialarbeiterin Martina Ricks-Osei die Einrichtung.
„Da die Frauen hier gemeldet werden, erhalten sie auch ihre Post regelmäßig und ich kann sie bei der Regelung ihrer Angelegenheiten unterstützen. Die meisten Frauen verfolgen bald das Ziel, ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern und ihre Lebenssituation wieder in den Griff zu bekommen.“

Auch in 2016 ist die Zahl der Frauen im Alter bis 21 Jahren mit 30% sehr hoch geblieben.

Mehr als die Hälfte hat mit max. einem Hauptschulabschluss nur schlechte Perspektiven für den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt.
Besondere Belastungen ergeben sich für die meisten Frauen durch Gewalterfahrungen und psychische Erkrankungen.
„Unsere Bewohnerinnen haben alle einen höheren Bedarf an Begleitung und Betreuung auch im Alltagsleben, müssen das Alleine-Leben oft erst in kleinen Schritten lernen und üben,“ so Anja Wolsza.
„Daher freuen wir uns sehr, dass es gelungen ist ab diesem Jahr - im Rahmen unserer vertraglichen Förderung durch den Kreis Unna - die langfristige Finanzierung einer zweiten Kraft für Sozialbetreuung und Hauswirtschaft abzusichern.

Für diese Aufgaben haben wir als neue Mitarbeiterin Sieglinde Youett einstellen können.“

Hat in 2016 die Auslastung der Übernachtungsstelle im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 10 % zugenommen, so zeichnet sich in 2017 wohl eine weitere spürbare Steigerung ab.
Zu befürchten ist, dass wieder mehr Frauen im Bedarfsfall keine Unterkunft angeboten werden kann.
Sozialpädagogin Susanne Wöstenberg ist im Projekt LOTSE als Streetworkerin im Nordkreis des Kreises Unna im Einsatz: „Verschiedentlich fehlt es an Unterbringungsmöglichkeiten. Zum einen ist bei akutem Bedarf in unserer
Übernachtungsstelle häufig kein Bett frei. Zum anderen können Frauen von der „Platte“, die nur einen einfachen Schlafplatz brauchen und oftmals auch noch mit einer Suchterkrankung zu kämpfen haben, in dem trockenen und cleanen Angebot der Frauenunterkunft keine Aufnahme finden.“

Im Kooperationsprojekt LOTSE mit Caritas und Diakonie, einem mit europäische Mitteln geförderten Projekt, arbeiten zwei Fachkräfte für die Zielgruppe Frauen im Frauenforum
(Näheres unter www.lotse-kreisunna.de).

„Frauen ohne Unterkunft sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht ihre Notlage in der Gesellschaft, vor Behörden und oft auch gegenüber den eigenen Verwandten zu verbergen,“ berichtet Susanne Wöstenberg.
„Sie versuchen abwechselnd bei Freunden unterzukommen und lassen sich auf Beziehungen ein, die sich für sie nicht als bedingungslos darstellen. Ich bewege mich mit meiner Kollegin in vielen Netzwerken, um andere in sozialen Bereichen und in Behörden Tätige für solche Frauen zu sensibilisieren und mit ihnen in Kontakt zu kommen. Wenn der einmal hergestellt ist, kann ich mich für die Betroffene einsetzen und ihr so zu den geeigneten Unterstützungsangeboten verhelfen, die sie aktuell braucht, um wieder „auf die Beine“ zu kommen.“

Der Verlust von Wohnraum ist eine ganz existenzielle Bedrohung.

Der Weg dort wieder hinaus ist selten ohne Hilfe zu schaffen. Betroffene Frauen haben vielfältige Beschädigungen an Körper und Seele erlitten. Das entkräftet, manchmal bis zur Selbstaufgabe. Um die verlorenen Kräfte wieder zu mobilisieren und das eigene Leben schrittweise wieder in die eigenen Hände zu nehmen, gibt es die Unterstützung der Wohnhilfen FrauenRäume teilstationär.
Es muss jedoch nicht zwingend bereits Wohnungslosigkeit bestehen. „Die teilstationäre Wohnhilfe unterstützt Frauen mit sog. besonderen sozialen Schwierigkeiten, denen sie sich alleine (im Moment) nicht mehr gewachsen fühlen,“ erläutert Anja Wolsza.

„Diese Hilfe wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe – in 2016 für 16 Frauen - finanziert.

Die gemeinsame Arbeitsgrundlage bildet ein Hilfeplan, der die jeweiligen Bedarfe in den Lebensbereichen Sicherung des Lebensunterhalts, Wohnen, Arbeit, Gesundheit und soziale Beziehungen konkret beschreibt.
Neben einer umfangreichen Unterstützung im Alltag und in ihrer eigenen Wohnung kommen die Frauen an zwei Tagen in der Woche zur Gruppenarbeit in die Einrichtung.
Die teilstationäre Hilfe ist ein Intensiv-Angebot, das freiwillig angenommen wird und viel Mitarbeit und (Wieder)Übernahme von Verantwortung abverlangt.“

Bis zu zwei Jahre haben die Frauen Zeit, sich in diesem Rahmen wieder zu stabilisieren.

Wenn das bis dahin noch nicht ganz abschließend gelungen ist, haben sie die Möglichkeit einer noch anschließenden ambulanten Unterstützung.
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