Flüchtlinge: Stadt hält an umstrittenen Plänen fest

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Heinrich Böckelühr verteidigte die Pläne. (Foto: Archiv)
Schwerte: EAW |

Die Stadt Schwerte hält trotz der Kritik an ihrem Vorhaben fest, auf dem Gelände des Eisenbahnausbesserungswerkes und der ehemaligen Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald Flüchtlinge unterzubringen.

Bürgermeister Heinrich Böckelühr (CDU) und die im Rat vertretenden Parteien CDU, SPD, die Grünen und Wählervereinigung für Schwerte erklärten auf einer Pressekonferenz, die Stadt wolle anstelle von Massenunterkünften wie Turnhallen Flüchtlinge in kleineren Einheiten leben lassen. Die Linken haben laut Böckelühr kurzfristig von der Erklärung Abstand genommen.

"Keine andere Wahl"

„Wir haben dann keine andere Wahl“, sagte der Erste Beigeordnete Hans-Georg Winkler im Namen der an der Erklärung beteiligten Parteien.
„Die Unterbringung von Flüchtlingen in Sammelunterkünften, Wohncontainern oder Turnhallen ist nach unserem Verständnis einer gelingenden Integration kaum vertretbar und demnach ‚ultima ratio‘, erklärte Böckelühr.
Zum Gelände: Böckelühr beschrieb, dass das für die Flüchtlinge vorgesehene Gebäude erst nach der NS-Zeit entstanden sei. „Wir können nicht wegdiskutieren, dass das Gelände eine wechselvolle Geschichte hat.“ Die während der Zeit des Nationalsozialismus errichteten Gebäude seien aber abgerissen worden. Das hätten Luftaufnahmen belegt.

Gebäude wurden abgerissen"

In der Erklärung heißt es: „Auf dem Gelände des einstigen Eisenbahnausbesserungswerkes befand sich ein ‚Fremdarbeiterlager‘, in welchem von 1942 bis 1945 Zwangsarbeiter untergebracht waren.“ Das Außenlager habe von April 1944 bis Dezember1944 bestanden. „Wie Luftbildaufnahmen aus den Jahren 1952 und 1959 belegen, existiert das jetzt für die Nutzung von Flüchtlingen vorgesehene Gebäude erst seit Ende der 50-er Jahre. Dagegen wurden die in der NS-Zeit errichteten Gebäude nach dem Krieg abgerissen. Nach der Neuerrichtung der heute bestehenden Gebäude an gleicher Stelle dienten diese unterschiedlichen Zwecken, zuletzt als Künstleratelier. Das neben dem ‚Fremdarbeiterlager‘ ebenfalls errichtete Außenlager des KZ-Buchenwald verfügte über eine eigene Wachbaracke, bei welcher es sich nicht um das jetzt als Unterkunft vorgesehene Gebäude handelt. Sämtliche Lagerbaracken wurden nach dem Ende des II. Weltkrieges abgerissen.“

Gegen den Vorwurf, die Stadt sei geschichtslos und unsensibel, wehrten sich die Unterzeichnenden der Erklärung. „Er entbehrt insbesondere vor dem Hintergrund der gelebten Willkommenskultur in Schwerte jedweder Grundlage.

Die Geschichte des Eisenbahnausbesserungswerkes und insbesondere des dort während der Naziherrschaft von April 1944bis Dezember 1944 eingerichteten Außenlagers des KZ-Buchenwald ist wie in kaum einer anderen Stadt lokalhistorisch aufgearbeitet. Schwerte ist eine weltoffene Stadt, an der sich andere Kommunen in Sachen Integrationspolitik ein Beispiel nehmen. Erinnerungskultur ist in Schwerte ein hohes Gut.“

82 Flüchtlinge leben in Privatwohnungen

Die Stadt veröffentlichte noch folgende Zahlen: „Die drei städtischen Übergangswohnheime sind jeweils mit 102, 46 und 25 Personen belegt, wobei sieben Personen noch im Laufe des Monats Januar in eine Privatwohnung ziehen werden.“ In diesem Zusammenhang apellierte die Stadt an die Schwerter, weitere Wohnungen zur Verfügung zu stellen. „Oft sind die Wohnungen leider in keinem guten Zustand.“

251 Menschen beziehen aktuell Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, 82 Personen leben davon in Privatwohnungen. Das in der Debatte stehende Übergangsheim Ernst-Gremler-Straße wird zunächst mit elf männlichen Einzelpersonen belegt, die zum Großteil bereits mehrere Jahre in einer anderen Unterkunft leben. Nach Fertigstellung der weiteren Räume ist eine Belegung mit weiteren zehn männlichen Flüchtlingen vorgesehen. Die Unterbringung erfolgt ausschließlich in Ein- und Zweipersonen-Räumen.“

"Brauchen keinen Hinweis

Am Ende teilte Böckelühr noch aus: „Wir brauchen keinen Hinweis der Ministerpräsidentin und des Sozialministers.“Hannelore Kraft (SPD) und Guntram Schneider (ebenfalls SPD) hatten Schwerte aufgefordert, von den Plänen Abstand zu nehmen. Sie sollten lieber Alternativen zeigen, wie es geeigneter gehe.
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