Kinder als Zeugen und Opfer häuslicher Gewalt - Pädagogische Arbeit im Frauenhaus

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Britta Kollmann-Rost und Gesa Middendorf mit dem Begleiter der Kinder im Frauenhaus, den "Kleinen Bär Bruno" (Foto: Frauenforum Unna)

Das Leben in einer Gewaltbeziehung führt auch für die in der Familie lebenden Kinder immer wieder zu äußeren und inneren Verletzungen.

Selbst wenn Kinder nicht direkt von den Gewalttätigkeiten mit erfasst sind, so erleben sie doch die in verschiedenster Art ausgeübte Gewalt gegen die Mutter mit und fühlen sich selbst bedroht.

Auch in diesem Jahr wurden bereits mit den Müttern insgesamt 25 Kinder Zuflucht und Schutz suchend im Frauenhaus aufgenommen. Die beiden Erzieherinnen verstehen sich in ihrer pädagogischen Arbeit als parteiliche Vertreterinnen der Bedürfnisse, Gefühle, Probleme und Interessen der Mädchen und Jungen.

„Der Versuch vieler Frauen, die gewaltsamen Erlebnisse vor den Kindern zu deren Schutz oder aus Scham zu verbergen, kann zum Schweigen auch der Kinder führen“, erklärt Erzieherin Britta Kollmann-Rost. „Oft glauben die Kinder den Streit der Eltern verursacht zu haben, suchen Fehler bei sich und versuchen sie zu vermeiden oder sich bei Angriffen gegen die Mutter zu deren Schutz einzumischen.“

Die Kinder lernen oft schon früh Gewalt als zu akzeptierendes und damit zu übernehmendes Konfliktlösungsverhalten kennen. In Auseinandersetzungen rechtfertigen sie eigene Gewalttätigkeiten damit, ein Kreislauf entwickelt sich.

Gesa Middendorf, seit Juni neue Erzieherin im Team des Frauenhauses: „Kinder, die erfahren, dass sie selbst nichts ändern können, entwickeln Verhaltensauffälligkeiten vom völligen Rückzug bis zu extremer Aggressivität. Sie können den Einzug ins Frauenhaus nicht nur als Schutz erleben, denn sie werden aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen, auch die in ihrem Erleben guten Kontakte werden abgebrochen, andere entscheiden für sie, sie müssen sich einfügen. In unserer Arbeit erfahren sie sich als eigene Zielgruppe mit eigenen Bedürfnissen.“

Im Frauenhaus gibt es verschiedene altersentsprechend eingerichtete Spielbereiche und im Garten einen Spielplatz, die zu freiem wie auch betreutem Spiel einladen. Die vielfältigen Möglichkeiten eines Bewegungs- und eines Kreativraums im Keller werden mit einzelnen Kindern oder auch kleinen Gruppen genutzt. „Wir als Team sehen unsere Arbeit mit den Frauen und Kindern heute systemisch denkend und handelnd“, erläutert die leitende Sozialarbeiterin Christina Schulz.

„Auch die Erzieherinnen setzen zunehmend systemische Methoden ein, richten den Blick auf Beziehungen und deren Wechselwirkungen, erarbeiten kind- und altersgerecht orientiert an deren Ressourcen Lösungen gemeinsam mit den Kindern.

So können sich Kinder wie Mütter zunehmend nicht mehr als Opfer von Situationen und auf der Flucht, sondern als aktiv und selbstwirksam handelnde Personen erleben.“

Auch Kinder als soziale Wesen benötigen dazu wie alle Menschen Freundschaft und Kommunikation. Dazu bekommt jedes Kind mit seinem Einzug ins Frauenhaus als seinen Begleiter einen kleinen Bären zur Seite.

Britta Kollmann-Rost: „Dieser erlebt alles mit, geht mit durch Wut und Freude Machendes, kann mit lachen und auch weinen, und kann auch neue Pläne machen. Damit er auch „alte“ und neue Kontakte des Kindes, aber auch der Mutter, miterleben kann, gestalten wir gerade einen Raum um in ein Besuchszimmer.

Wir werden noch in diesem Jahr unter abgesprochenen Bedingungen Besuche im Haus ermöglichen – unsere Kinder sollen hier wie zu Hause Freundschaften leben können, die Mütter an Kontakten wieder anknüpfen oder auch neue Kontakte pflegen können.“

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