Offener Brief an Frau Dr. Christine Mast

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Helga Hübner - Gudrun Körber - Jennifer Petroll - Sprecherinnen der AG Schwerter Frauengruppen (Foto: Gleichstellungsstelle Schwerte)

Sehr geehrte Frau Dr. Mast,

Sie sind seit August 2015 als Vorstand des KuWeBe's tätig.

Mit Befremden haben wir im neuen
VHS-Programm festgestellt, dass Sie
den frauenpolitisch geschichtsträchtigen
Fachbereich "VHS mit Frauen" komplett
aufgelöst haben.

Ihr Ziel liegt in der Sanierung des Kulturbetriebes.

Allerdings bringt die Auflösung des Frauenangebotes der VHS, welches sich im
Verlauf der Jahre zu einem kleinen aber gesellschaftspolitisch wichtigen Bereich entwickelt hat, keine Einsparungen.

Warum wollen Sie eine bewährte Struktur zerschlagen?

In der bundesweiten gesellschaftspolitischen Bildung ist Frauenpolitik nicht wegzudenken.
Landes- und Bundesgesetze untermauern notwendige Maßnahmen auf allen Ebenen,
um das kulturelle System der Zweigeschlechtlichkeit mit den negativen Auswirkungen
auf Frauen und Mädchen auszugleichen.

So sollte es einer kommunalwirkenden Volkshochschule ein zentrales Anliegen sein, die Ungerechtigkeiten, die für Frauen vor allem in der Arbeitswelt bestehen, zu thematisieren.

Es gilt die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in der Familie, im Beruf oder
der Gesellschaft herzustellen.
Die Ausblendung von Frauenpolitik stellt sich für uns als unmodern und antiquiert dar.
Wir widersprechen entschieden einer Abwertung bzw. Negativbewertung des Themen-
feldes „VHS mit Frauen“.

Frauenpolitische Standards und Anforderungen an die Schwerter
VHS sind:

Der Bildungsauftrag besagt u.a. dass den Teilnehmer_innen Möglichkeiten zur selbstbe-
stimmten Gestaltung ihres Lebens und zur aktiven Mitwirkung in der Gesellschaft eröffnet
werden sollen.
Zum Beispiel treffen Frauen und Männer auf unterschiedliche Voraussetzungen bei der
politischen Partizipation.
Da Frauen zahlenmäßig öffentlich weniger politische Funktionsstellen innehaben noch
präsent sind, hat die mehrmalig durchgeführte Fortbildung „Mehr Frauen für unsere Stadt-Qualifizierung für Frauen zum kommunalpolitischen Wirken“, Erfolge gezeigt.
Allein zwei Ratsfrauen rekrutierten sich durch die Teilnahme.
Dies gehört im Verständnis der Volkshochschulen zu ihrem Bildungsauftrag in einem demokratischen Gemeinwesen.

Sich verändern, frei und unabhängig denken, leben und arbeiten, sich selbst und die
eigenen Fähigkeiten kennen- und schätzen lernen, alte Rollen in Frage stellen, neue Lebenskonzepte entwickeln und diese aktiv und selbstbewusst umsetzen, kreativ sein,
sich mit anderen Frauen austauschen und von ihnen lernen: allen Frauen, die diese
und ähnliche Wünsche haben, nutzen bisher in Schwerte spezielle Frauenbildungsan-
gebote.

Diese Veranstaltungen werden von Frauen entwickelt und geleitet.
Die Bildungsangebote orientieren sich inhaltlich an Informations- und Lernbedürfnissen
von Frauen.
Die momentan stattfindenden Kurse laufen zudem sehr erfolgreich.

Unterschiedlichste Veranstaltungsformen wurden im Laufe der Jahre angeboten:
Bildungsurlaube, Wochenendseminare, Workshops, Vorträge, Gesprächskreise.

Zukünftig sollte es unter den Stichworten „Genderorientierung/Gendertraining“ um die
Reflektion der Geschlechterrollen von Männern und Frauen gehen.
Der Gender-Ansatz stellt auch an Volkshochschulen neue Anforderungen: Einzelne Volkshochschulen bieten bereits entsprechend ausgewiesene Veranstaltungen und
Kurse an.

Die „VHS mit Frauen“ wird von uns im Rahmen unseres örtlichen frauenpolitischen
Engagements als unerlässliches eigenständiges Bildungsangebot betrachtet.

Die frauenpolitischen Angebote befinden sich im Kernbereich gesellschaftlich relevanter Zukunftspolitik, weil sie einer der wenigen verbliebenen Freiräume sind, in dem selbst-
tätige und selbst bestimmte Aneignung für Frauen möglich ist.

Wir möchten gerne mit Ihnen über diese nicht akzeptable Veränderung in ein Gespräch
kommen.
Es gibt relevante Argumente für den Erhalt und daher ist uns wichtig, dass wir eine
öffentliche Debatte führen.

Gudrun Körber
Helga Hübner
Jennifer Petroll

Sprecherinnen des überparteilichen
frauenpolitischen Netzwerkes
AG Schwerter Frauengruppen
Birgit Wippermann
Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schwerte
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